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International «Russland setzt Gas als politische Waffe ein»

Die Ukraine und Gazprom haben ihre Gespräche über ausstehende Gaszahlungen abgebrochen. Die verfahrene Situation hat Auswirkungen auf die EU.

Legende: Video Einschätzungen der SRF-Korrespondenten Franzen und Projer abspielen. Laufzeit 2:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.06.2014.

Die Verhandlungen im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew sind gescheitert. Russland will ab sofort nur noch gegen Vorkasse Erdgas an die Ukraine liefern.

Moskau hat mehrere Gründe für das Drehen am Gashahn. Die Ukraine schuldet Russland für bereits geliefertes Gas rund vier Milliarden Franken. «Offiziell will das Land nur viel Geld. Aber ich glaube es ist ziemlich klar, dass Moskau einmal mehr das Gas als politische Waffe einsetzt», sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen in Moskau. Schliesslich sei der Gaspreis inzwischen 80 Prozent höher als noch im Februar, unter Präsident Viktor Janukowitsch.

Russland will aber nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine bremsen: «Im Osten des Landes versucht man auch nach wie vor mit Kämpfen und Waffen den Konflikt anzuheizen», so Franzen. Mit dem Ziel: «Die Annäherung der Ukraine an die EU zu stoppen und die Ukraine wieder näher an sich zu ziehen.»

Brüssel mit grossem Interesse an Einigung

Die EU hofft trotz des Abbruchs der Verhandlungen weiter auf eine Einigung. «Die EU bemüht sich für die Ukraine selbst. Sie hat jedoch auch ein Eigeninteresse», sagt SRF-Korrespondent Jonas Projer in Brüssel.

Die EU-Staaten würden rund ein Drittel ihres Gasverbrauchs mit Lieferungen aus Russland decken. Rund die Hälfte davon fliesse via Pipelines durch die Ukraine, so der EU-Experte. Besonders betroffen seien die baltischen Staaten, Finnland, Slowakei und Bulgarien – sie würden auf bis zu 100 Prozent ihres Bedarfes aus Russland beziehen. Diese EU-Oststaaten seien somit abhängig von der Lieferung,

Wenn die Ukraine für den Transit bestimmtes Gas für den Eigengebrauch abzweige, könne dies zu einem Problem führen, sagt Projer weiter. «Wenn es Winter wird und der Streit nicht gelöst ist, dann frieren die Menschen. Zuerst in der Ukraine und sehr schnell auch in diesen EU-Oststaaten», betont er.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Was J. Timoschenko auch immer WIRKLICH gesagt haben mag: Bei den Präsidentenwahlen hatte sie keine Chance! Poroschenko wurde gewählt, mit ihm kann man sprechen! Warum tun das die Separatisten nicht? Weil sie vom Anschluss an Russland träumen! Aber dieser Traum wäre bald ein Albtraum, denn Putin hat kein Geld, die Krim kostet schon genug! Der Westen hat die Leute nicht "aufgehetzt", sie wollen einfach ein besseres Leben und haben dafür demonstriert, wie damals die Menschen in der DDR!
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Guido Grandt ein unabhängiger Journalist, dort sind Telefongespräche V.Nuland, die Beweise, wie sie Maidan organisiert haben. Ich glaube das hilft ihnen nicht, das kommt von Mensch an, was er versteht. Aufwiedersehen.
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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Komisch: Diese Schulden gab es schon unter Janukowitsch, aber Putin hat seinem Vasallen nie ein Ultimatum gestellt. Der Janukowitsch-Clan hat jahrelang das ukrainische Volk systematisch ausgeplündert und dabei Milliarden gescheffelt. Jetzt lebt das Banden-Oberhaupt im russischen Exil. Wenn Putin das Geld plötzlich ganz dringend braucht, um seine Abenteuer zu finanzieren, soll er doch zu ihm gehen. Er könnte den Betrag locker hinblättern und damit erst noch ein wenig Wiedergutmachung leisten!
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Der neue President ist nicht besser, sogar schlimmer, macht alles mit Blut. Da waren nachbarschaftliche Beziehungen, jetzt "europeische".
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    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Immerhin hat Poroschenko den bewaffneten Separatisten ein Gesprächsangebot gemacht, aber diese mögen offenbar nicht darauf eingehen, schiessen ist einfacher als zusammen eine Lösung finden. Und wenn der "Grosse Bruder" dann noch jede Menge Waffen, Munition und "Freiwillige" schickt, ist das Chaos perfekt :-( Es ist viel zu einfach, alles der Zentralregierung und dem "bösen" Westen in die Schuhe zu schieben!
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    3. Antwort von N.Belg, Luzern
      Man sollte alles noch früher regeln, als noch friedliche Demos waren. Wen Timoschenko sagte" Man muss sie alle erschiessen (Ostukraine) oder mit der Atombombe vernichten", die anderen haben anders gedacht? Ist das nicht Faschisten und mit ihren Taten haben überall dort bedroht und ermordet (Odessa auch). Und das ist "einfacher", immer Russland beschuldigen, USA und EU auch Verbrecher, alles aufgehetzt haben. Die aufständischen sind nicht nach Kiew gegangen...
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  • Kommentar von A. Brunner, Zurich
    Herr Franzen und Herr Projer: Wollen Sie nicht wissen, dass Lieferverträge eingehalten werden müssen ? ... und dass Ihr Titel nur auf die UNzivilisierte, kriegtreibende NATO/US/EU-Mühle geht ? ... wie lange wollen Sie noch so pseudo-"naiv" daherschwatzen ?
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