Russland und Nato starten Manöver in Krisenregion

Das russische Militär hat ein grosses Manöver begonnen, in dem auch die von Moskau annektierte Krim einbezogen ist. Auch die Nato startete Manöver in der Nähe der Ukraine.

Laut dem russischen Verteidigungsministerium umfassen die Manöver Flugabwehrübungen mit mehr als 2000 Soldaten sowie Gefechtsübungen. Solche seien vor allem im Süden Russlands sowie im Nordkaukasus-Distrikt geplant. Eingebunden seien neben der Halbinsel Krim auch Militärstützpunkte in Armenien und Georgien. Die Manöver sollen knapp einen Monat dauern.

Soldaten marschieren unter einem Flugzeugflügel durch zu einer Transportmaschine

Bildlegende: Ein Teil der russischen Manöver gilt Flugabwehrübungen (Archivbild) Reuters

Auch Nato übt Verteidigung

Die Nato ihrerseits sandte eine Flotte ins Schwarze Meer. Diese begann mit Schiffen der bulgarischen, rumänischen und türkischen Marine ebenfalls Übungen. Das Manöver sei regulär geplant gewesen, sagte ein Nato-Sprecher. Es solle ein Zeichen der Beruhigung an die Verbündeten in der Region sein. Geübt werde unter anderem die Abwehr von Angriffen aus der Luft sowie durch U-Boote oder kleine Schiffe.

Das russische Aussenministerium äusserte sich besorgt über das Einlaufen der NATO-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer. «Ich würde das ein ziemlich alarmierendes Signal und ein provozierendes Unterfangen nennen, das nicht zur Stabilität beiträgt», sagte Aussenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch.

US-Soldaten in Ukraine

Moskau hat nach eigenen Angaben zudem Informationen über die Ankunft erster US-Soldaten im Westen der Ukraine. Die Zahl der US-Soldaten in Lwiw (Lemberg) solle bis auf 300 steigen. «Es ist klar, dass sie dem Land keinen Frieden bringen werden», sagte Lukaschewitsch der Agentur Interfax zufolge.

Die US-Amerikaner sollen ukrainische Soldaten beim Umgang mit Waffen schulen. US-Medien hatten zuletzt von Plänen für eine Ausbildungszeit vom 5. März bis 31. Oktober in der Westukraine berichtet. Das ukrainische Verteidigungsministerium in Kiew bestätigte die Anwesenheit der Truppen auf Anfrage zunächst nicht.

Der US-Informationsdienst «Defense News» berichtete von einer geplanten Stationierung der Truppen auf dem Übungsgelände Jaworiw bei Lemberg an der polnischen Grenze. Dort befindet sich ein internationales Zentrum für Friedenssicherung und Sicherheit – rund 1000 Kilometer vom Kriegsgebiet Donbass entfernt.

Beziehungen angespannt

Die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland sind wegen der Ukraine-Krise angespannt. In der Ostukraine gilt seit Februar eine Waffenruhe, die jedoch brüchig ist. Russland wirft dem Westen vor, seinen Einflussbereich auch auf die Ukraine ausdehnen zu wollen und warnt vor einer Mitgliedschaft des Landes in der Nato.

Aus Sicht der EU und der USA stellt sich Russland dagegen gegen den Wunsch der Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung nach einer Westorientierung. Zudem betreibe Russland die Destabilisierung der Regierung in Kiew, indem es prorussische Separatisten im Osten des Landes unterstütze. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

Ukraine vergrössert Armee

Mit grosser Mehrheit hat das ukrainische Parlament eine Vergrösserung der Armee um mehr als ein Drittel auf 250'000 Soldaten beschlossen. Für den Vorschlag von Präsident Petro Poroschenko stimmten am Donnerstag in Kiew 270 von 422 Abgeordneten. Zuletzt war die Stärke der Streitkräfte auf 184'000 Soldaten beschränkt.