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Einflussreiche Grossmacht Russlands Rolle im Nordkorea-Konflikt

Moskau bietet sich als Schlichter an, verfolgt aber eine eigene Agenda – nicht nur im Interesse der Weltengemeinschaft.

Legende: Audio Nordkorea und seine Verbündeten abspielen. Laufzeit 5:18 Minuten.
5:18 min, aus Echo der Zeit vom 04.09.2017.

Härtere Sanktionen hätten keinen Einfluss auf die Regierung in Pjöngjang, stattdessen könnten sie aber das Leiden der Bevölkerung deutlich vergrössern könnten. Das sagte Russlands Präsident Wladimir Putin auf einem Treffen der fünf grossen Schwellenländer in China.

Zugleich forderte der russische Präsident alle Beteiligten dazu auf, im Atomkonflikt mit Nordkorea die Ruhe zu bewahren. «Eine Intensivierung der militärischen Hysterie führt zu nichts Gutem. Es könnte in einer globalen Katastrophe münden», sagte Putin.

Es gibt keinen anderen Weg – ausser dem gewaltfreien.
Autor: Wladimir PutinRusslands Präsident

Russland tritt hier als international als Schlichter auf, giesst aber gleichzeitig Öl ins Feuer. So eröffnete etwa Russland im Mai zusammen mit Nordkorea nach fünfjährigen Bauarbeiten eine Bahnlinie zwischen den beiden Ländern.

Auch gibt es zwischen dem russischen Wladiwostok und dem nordkoreanischen Najin eine Fährverbindung. Zudem arbeiten laut Schätzungen von Experten in Russland rund 40'000 Nordkoreaner. Diese werden auch als «Regime-Sklaven von Pjöngjang» bezeichnet. Das, weil sie den Grossteil ihres Lohnes nach Nordkorea abführen müssen. Diese Gelder stellen für Kims Regime eine wichtige Einnahmequelle dar.

Russland fühlt sich auch bedroht

Auch am Bau des Stadions für die Fussball-WM in St. Petersburg wirken viele Nordkoreaner mit. Zudem hat der Kreml Kim Jong Un Milliardenschulden erlassen. Und es fällt auf, dass Russland in der UNO neu Sanktionen viel öfters bremst als China.

Der russische Aussenminister Sergei Lawrow begründete das gegenüber dem amerikanischen Sender «NBC» so: «Forderungen, die unserer Ansicht nach die Wirtschaft des Landes beinahe ersticken würden, gehen zu weit.» Zudem sagt er: «Unsere sehr gute Informationen besagen, dass Nordkorea bislang noch keine Interkontinentalraketen abgeschossen hat.»

Manche russischen Experten sind überzeugt, dass kein Weg daran vorbeiführt zu akzeptieren, dass Nordkorea eine Atommacht ist.

Trotzdem fühlt sich Russland auch bedroht vom nordkoreanischen Atom- und Raktetenprogramm. Der einflussreiche Aussenpolitiker Michail Margelow sagte im Frühsommer gegenüber Radio SRF: «Die grösste russische Stadt in Fernost, Wladiwostok, liegt nur 100 Kilometer von der Grenze entfernt.» Man glaube aber nicht, dass Nordkorea plane, Russland anzugreifen.

Eine Intensivierung der militärischen Hysterie führt zu nichts Gutem. Es könnte in einer globalen Katastrophe münden.
Autor: Wladimir PutinPräsident Russland

Auch Nordkorea richtet seine Aufmerksamkeit vermehrt auf Russland. Denn die politischen Kontakte Nordkoreas zum eigentlichen Handelspartner China sind zurzeit unterkühlt und rar, weil China verstärkt Druck auf Kim Jong Un ausübt.

Die alte Rivalität zwischen Russland und China um Nordkorea aus der Zeit von Stalin und Mao seien wieder erwacht, sagt Christopher Green, Nordostasien-Experte der Brüsseler Denkfabrik Crisis Group.

Für das bedrängte und isolierte Kim-Regime sei das ein entscheidender Vorteil. Es kann nun die beiden Grossmächte, welche um Einfluss buhlen, gegeneinander ausspielen. Zudem wisse Nordkorea, dass das Land sich auf einen Partner verlassen könne, egal wie gross der internationale Druck wird.

Moskau will Einfluss gewinnen

Das wachsende russische Interesse an Nordkorea führt dazu, dass Sanktionen weniger gut durchgesetzt werden können. Andererseits könnte Moskau im Konflikt aber auch als Vermittler auftreten. US-Aussenminister Rex Tillerson sagte vor den Medien, dass man mit den Russen darüber spreche und sie bitte, sich stärker zu engagieren.

Green zweifelt allerdings daran, ob Russland über genügend Gewicht verfügt, um Nordkorea an den Verhandlungstisch zu bringen. Dafür sei das wirtschaftliche Engagement in Nordkorea dann doch zu gering, so der Experte.

Moskaus Interesse liege primär darin, auch in dieser Weltgegend als einflussreiche Grossmacht dazustehen und auf der politisch-diplomatischen Bühne eine Schlüsselrolle zu spielen. Damit wollten die Russen klar machen, dass auch hier nicht der Westen, aber auch nicht China alleine den Takt angibt.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Wo und wann haben die USA auf diplomatischem Wege eine positive Entwicklung zu Stande gebracht? Überall wo sich die USA engagieren, entstehen oder bleiben die Spannungen, wenn nicht schlimmer. Und sich an Abmachungen halten können sie auch nicht. Im Syrienkonflikt haben die Russen die USA als unfähig bezeichnet, zu verhandeln, nach dem diese mit Militäraktionen den Russen immer wieder in den Rücken gefallen sind (z.B. Vorfall in Deir-ez Zor).
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Für die EU als Friedensmission gilt: Frieden durch engere wirtschaftliche Beziehungen. Aber das scheint für andere nicht zu gelten. Oder wollen diejenigen, welche immer weiter an den Sanktionsschrauben drehen, kein Frieden? Sollen statt dessen die Profite des militärindustriellen Komplexes gesteigert werden?
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  • Kommentar von Joel Ruf (tjr)
    "Russland tritt hier als international als Schlichter auf, giesst aber gleichzeitig Öl ins Feuer. So eröffnete etwa Russland im Mai zusammen mit Nordkorea nach fünfjährigen Bauarbeiten eine Bahnlinie zwischen den beiden Ländern." Also giesst Russland durch die Eröffnung einer Bahnlinie Öl ins Feuer? Scheint doch hauptsächlich darum zu gehen, in jedem Artikel über Russland mindestens 3 mal den Russen eins auf den Deckel zu geben. "Weiss man wer der Feind ist, hat der Tag Struktur." Danke SRF
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    1. Antwort von
      Man giesst Öl ins Feuer, wenn man Tausende Nordkoreaner im Land arbeiten lässt, die dann einen Grossteil ihres Lohnes wiederum direkt dem Regime abliefern müssen. Man weiss auch, dass die Raketen mit alter Sowjet-Technik gebaut sind.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Giesst man nicht Öl ins Feuer, wenn man versucht, das Land durch immer drastischere Sanktionen und einen Wirtschaftskrieg zu strangulieren? Ist dies nicht auch ein feindlicher Akt? Wie kann dann noch Diplomatie funktionieren?
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    3. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Es ist nicht Öl ins Feuer gegossen, wenn bestehende Verträge und Abkommen auch dann noch Gültigkeit haben, wenn sich die eine oder andere politische Situation ändert. Russland ist ein verlässlicher Partner - für alle, die das wollen. Schliesslich ist es auch nicht Russlands Schuld, dass die USA und ihre Adepten Zoff mit NK haben. Und wenn Kims Raketen mit alter Sowjet-Tec "funktionieren", ist das immer noch besser für den Rest der Welt, als wenn er über Umwege Neue aus den USA hätte.
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    4. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Liebe SRF, ich habe Mitte 90ger Jahren kurzzeitig an Deutsche Reichstag Gebeude gearbeitet. Dort waren Weissrussen welche für 1,97 DM pro Stunde gearbeitet haben. Es war ein Deal zwischen Deutschland und mehrere Ostblock Länder, wo Deutschland richtige Lohne Regierungen bezahlt haben und Arbeiter haben ein Tröpfen davon bekommen. Damals hat man wie Entwicklungs Hilfe verkauft.
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    5. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Richtig SRF, Moskau und Peking haben dieses Monster da auch geschaffen. Kim bettelt offenbar um einen Krieg, den er so nicht bekommen wird. Die USA sind gut beraten Nordkorea 100%ig zum Problem seiner Brüeder im Geiste zu machen und die USA brauchen sich da gar nicht aktiv in einen Krieg verwickeln zu lassen, noch muessen Sie, die USA, selbigen anstreben. "abwarten Tee trinken, alle Optionen offen halten..., alle Optionen ....!
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