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Sammeltag der Glückskette Regen bringt neue Gefahren für Rohingya

Legende: Video Wie engagiert sich die Schweiz in den Rohingya-Camps? abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 23.05.2018.

Hier hilft die Glückskette: Rund 800'000 Menschen sind im vergangenen Jahr von Burma nach Bangladesch geflüchtet, leben dort im grössten Flüchtlingslager der Welt. Die Bedingungen sind prekär. Die Glückskette versucht die Situation zu verbessern, hat mit Partner-Hilfswerken Latrinen gebaut oder den Zugang zu Trinkwasser und medizinischer Versorgung verbessert. Derzeit fehlt aber das Geld, um die Projekte weiter zu bringen, und jetzt beginnt die Regenzeit.

Warum der Monsun eine Gefahr für die Rohingya ist: Von August bis Dezember 2017 sind mehr Menschen nach Bangladesch geflohen als in der gleichen Zeit nach ganz Europa. Um Platz zu schaffen, wurden Wälder gerodet, auf Erdhügeln sind ganze Siedlungen entstanden. Diese drohen nun durch den Monsunregen abzurutschen.

Zwei Flüchtlingskinder in einer Hütte aus Planer, davor sitzt eine Frau.
Legende: Die Lage in den Flüchtlingscamps ist prekär: Die Menschen leben auf engstem Raum zusammen. Keystone

Wie viel Regen der Monsun bringt: Man weiss, dass der Monsun im Juni kommt und bis Mitte bis Ende August dauert. Wie viel Regen wirklich fällt, ist schwer vorauszusagen. Doch schon jetzt, vor dem Monsun, regnet es alle zwei Tage relativ heftig. Die ersten Niederschläge haben schon Schäden ergeben: Dächer mit Plastikplanen wurden weggeweht, der Boden wurde aufgeweicht. Und das wird nur noch schlimmer, wenn der grosse Monsun kommt.

Flüchtlinge bauen eine Hütte zusammen
Legende: Hunderttausende Rohingya haben sich in Bangladesch angesiedelt – in einer Region, in der ohnehin Armut und Ressourcenknappheit herrscht. Keystone

So ist die Lage in den Flüchtlingscamps: Die Lage ist prekär. Die Menschen, vor allem Kinder, leben auf engstem Raum. SRF-Südasienkorrespondent Thomas Gutersohn war bereits zweimal vor Ort und berichtet: «Ich habe Familien besucht, die zu neunt in einer kleinen Hütte leben, die vielleicht so gross ist wie ein durchschnittliches Badezimmer in der Schweiz.» In Kutupalong, einem der grossen Flüchtlingslager, seien die anfänglichen Dörfer zusammengewachsen zu einer grossen Stadt aus Plastikplanen und Bambusstangen. Heute ist Kutupalong das grösste Flüchtlingslager der Welt, es zählt mehr Einwohner als Zürich.

Das hat die Glückskette bisher erreicht: In den Camps gab es keine grösseren Epidemien, keine Hungersnot. Und doch: «Hunger ist sicherlich ein ständiger Begleiter von vielen Rohingya in den Camps», sagt Korrespondent Gutersohn. Es seien lange nicht alle medizinisch so versorgt, wie es sein müsste. «Doch die Menschen sterben nicht in den Lagern, und das ist bereits eine Leistung, wenn man bedenkt, dass es sich hier um die grösste Ansammlung von Flüchtlingen weltweit handelt.»

Nationaler Sammeltag der Glückskette

Die «Glückskette» und die SRG organisieren gemeinsam einen nationalen Sammeltag, Link öffnet in einem neuen Fenster für die Rohingya in Bangladesch am 23. Mai 2018. Auch Bundespräsident Alain Berset wird am späteren Nachmittag Spendenversprechen am Telefon entgegennehmen: 0800 87 07 07

Spenden können zudem online, Link öffnet in einem neuen Fenster oder auf das Postkonto 10-15000-6 (Vermerk «Rohingya») überwiesen werden. Einzahlungsscheine liegen in jeder Poststelle auf.

Deshalb bleiben die Rohingya in den Lagern: Zwar haben Bangladesch und Burma ein Abkommen unterzeichnet, das den Rohingya eine sichere Rückkehr garantiert. Doch ihre Sicherheit ist in Burma nicht gegeben, sagt auch das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. In Burma wurden zwar auf Aufnahmecamps geschaffen. Doch was genau damit passieren wird, ist nicht klar. Die Rohingya selbst möchten eigentlich gerne zurück. Sie haben Bedingungen gestellt, die in eine freiwillige Rückkehr ermöglichen würden. Zum Beispiel, dass sie als Minderheit in der burmesischen Bevölkerung anerkannt werden, dass sie eine Art Staatsbürgerschaft bekommen. Laut Gutersohn sei dies alles nicht gegeben, was eine sichere Rückkehr verunmögliche.

Eine Frau erklimmt eine Treppe im Flüchtlingslager.
Legende: Die Glückskette hat unter anderem den Zugang zu Trinkwasser in den Lagern verbessert. Keystone

Darum sind sie weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen: Bangladesch akzeptiert und toleriert die Flüchtlinge, doch auf eine offizielle Anerkennung warten sie bisher vergeblich. Es sind nur die Rohingya als Flüchtlinge anerkannt, die vor 20 bis 30 Jahren geflohen sind. Die 800'000 Menschen, die letztes Jahr geflohen sind, haben keinerlei Ausweise in Bangladesch. Sie dürfen also nicht arbeiten, dürfen die Camps nicht verlassen. Thomas Gutersohn berichtet: «Ich habe Militärposten gesehen, die genau kontrollieren, wer aus den Camps herausgeht. Wer reingeht, interessiert das Militär in Bangladesch eigentlich nicht.»

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Sonderegger (Natur015)
    Auch wenn wir über die Landesgrenzen schauen und dort viel Leid herscht. Der Rappen scheint leichter zu springen als es für unserere eigenen Obdachlosen Schweizer zu spenden.
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    1. Antwort von Bruno Lehmann (Bruno Lehmann)
      500‘000 leben in der Schweiz in Armut(!) Wenn man nicht mal fähig ist dem eigenen Volk zu helfen, sind solche Aktionen erbärmlich und verlogen.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Auch für die Bedürftigen in der Schweiz wird gesammelt und gespendet. Sie finden die Projekte der Glückskette auf deren Webseite. Für Bondo aktuell 5'924'767 Fr. Für die Ausbildung bedürftiger Jugendlicher und Kinder mit JRZ 4'681'040 Fr. Für Bedürftige in der Schweiz mit Coeur à coeur 1’501’028 Fr. etc. etc. Nix erbärmlich, nix verlogen, alles transparent und sicher kein Grund die Spenden für andere Bedürftigen zu beneiden.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Mir gibt es zu denken, was die sonst sehr friedlichen und bedachten Buddhisten zu beinahe bestialischer Brutalität gegen die R. getrieben hat. Und warum nimmt die Friedensnobelpreisträgerin AAS diese Volksgruppe nicht in Schutz? Ich werde den Gedanken nicht los, dass die Vorgeschichte zu diesem Exodus viel gewichtiger ist, als in den Medien dargestellt.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "Die Buddhisten" sind eben nicht friedlicher oder bedachter als andere Menschen. Das ist ein (ausnahmsweise mal positives) Vorurteil hier im Westen, wo nur wenig über den Buddhismus bekannt ist. "Das andere Gesicht des Buddhismus" von srf Juli 2016 und der Artikel "Gewalttätiger Buddhismus" von Peter Achten im Journal 21 helfen Ihnen weiter in Ihren Fragen.
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Mueller - Im Gegensatz zu den Biblisten und Koranisten usurpieren die Budis keine staatliche Macht. Es steht sogar jedem Moench frei, nach Belieben aus- und wieder einzutreten. Straffaellige Moenche werden entrockt und der staatlichen Polizei uebergeben. Die einzige budistische Theokratie konnte sich im Tibet bilden, als sich die Chinesen noch mit der Oberhoheit begnuegten und die - brutale - Verwaltung den Theokraten ueberliessen....
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Auf http://www.deutschlandfunkkultur.de/myanmar-was-steckt-hinter-der-flucht-von-430-000-rohingya.979.de.html?dram:article_id=396781 erfahren Sie die Ursache dieser schrecklichen Tragödie.
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    1. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Ich frage mich, wieso einige den Beitrag von Frau Zelger ablehnen? Dabei stimmt das, man sollte sich immer fragen was die Ursache ist. Ein weiterer Bericht: "Amnesty berichtet von Massaker militanter muslimischer Rohingya an Hindus – vor allem Kinder getötet".
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