Sanktionen für Russen spürbar – aber nicht katastrophal

In Russland zeigen die Sanktionen des Westens offenbar zunehmend Wirkung. Der Rubel sinkt auf einen Tiefststand, viele Lebensmittel werden teurer. Trotzdem halten die Russen weiter zu Putin.

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Auswirkungen der Russland-Sanktionen

2:09 min, aus Tagesschau vom 30.9.2014

Die Russen spüren die Auswirkungen von Sanktionen und Gegensanktionen im Zuge der Ukraine-Krise immer stärker: «Die Importpreise sind viel höher», stellt SRF-Korrespondent Christof Franzen in Moskau fest. Auch habe die Inflation in den letzten Monaten angezogen. Sie beträgt zur Zeit rund acht Prozent. Allerdings: «Die Auswirkungen der Sanktionen sind weit davon entfernt, für die Russen katastrophal zu sein.»

Sowieso spüre der Durchschnittsrusse weniger die Sanktionen des Westens, als vielmehr die Gegenmassnahmen Moskaus. So habe das von Putin verordnete Importverbot für westliche Lebensmittel das Angebot an Käse, Fleisch oder Früchten verschlechtert; sowohl was die Qualität als auch die Auswahl betrifft. Und dies bei steigenden Preisen.

«Schwerer Schlag für Russland»

Grösseren Schaden könnten die westlichen Sanktionen mittelfristig der russischen Wirtschaft zufügen: Wegen dem Lieferstopp von Ausrüstungsgütern im Bereich der Ölförderung könnten geplante Erschliessungen von neuen Erdgas- oder Erdölvorkommen nun ins Stocken geraten. «Das ist ein schwerer Schlag für Russland», sagt Franzen. Der Westen habe damit einen wunden Punkt getroffen.

Die Ölfelder in Sibirien werfen immer weniger Ertrag ab. Die Zukunft für die russische Rohstoffförderung liegt tief unter der Meeresoberfläche in der Arktis. Doch um dort nach Öl und Gas zu bohren, braucht es Know-how und viel Geld. Beides holte sich Russland bislang immer im Westen. Wegen den Sanktionen sind nun alle Joint-Ventures zwischen russischen und westlichen Ölbohrfirmen auf Eis gelegt.

Russen halten weiter zu Putin

Trotz den steigenden Importpreise und den westlichen Sanktionen im Industriebereich halten die Russen weiterhin zu Wladimir Putin. Die Zustimmungsraten zum Kurs des Präsidenten seien nach wie vor hoch, sagt Franzen. «Es ist viel Unterstützung da.» Er erlebe dies auf seinen Reisen durchs Land, wenn er mit den Russen spreche. Dies habe sicher auch mit der Propaganda tun, andererseits gehöre das Leiden irgendwie zum russischen Wesen.

Mittel- und langfristig allerdings könnte es gemäss Einschätzung des Korrespondenten durchaus zu einer Abkehr von Putin kommen – vor allem bei der Mittelschicht.

Rubel stürzt ab

Am Dienstag hat die russische Währung einen neuen Tiefststand erreicht: Ein Währungskorb aus Dollar und Euro verteuerte sich auf 44,47 Rubel. Ausgelöst wurde der neuste Absturz durch Gerüchte, die russische Zentralbank könnte Kapitalkontrollmassnahmen ergreifen, um den Abfluss von Kapital aus dem Land zu stoppen.