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International Sanktionen gegen Russland wirken

Die westlichen Sanktionen schwächen die russische Wirtschaft stark – weil der Ölpreis so tief ist. Ein Experte skizziert drei mögliche Wege aus der Misere.

Russlands Präsident Wladimir Putin an einer orthodoxen Weihnachtsfeier.
Legende: Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag an einer orthodoxen Weihnachtsfeier in Woronesch. Keystone

Die Sanktionen westlicher Länder gegen Superreiche aus dem engsten Umfeld von Wladimir Putin, gegen russischen Banken oder russische Energiefirmen brächten nicht viel, sie würden die russische Wirtschaft kaum schwächen: Das sagten viele Experten noch vor Kurzem. Jetzt zeigt sich: Die Sanktionen schwächen die russische Wirtschaft stark, weil der Ölpreis so tief ist.

Der Ölpreis ist im letzten halben Jahr um fast die Hälfte eingebrochen: Von 100 auf gut 50 Dollar pro Fass. Das allein ist schon sehr hart für Russland: Öl und Gasexporte sind für das Land überlebenswichtig – die Hälfte der Staatseinnahmen stammen aus dem Energiesektor.

Die westlichen Sanktionen aber hätten die Auswirkungen des tiefen Ölpreises noch verstärkt, sagt Peter Rutland. Der renommierte Russland-Experte hat eine Studie zu den Wirkungen der Sanktionen veröffentlicht. Diese zeige, dass die Sanktionen es für die russische Regierung viel schwieriger gemacht haben, mit dem tiefen Ölpreis umzugehen.

Der tiefe Ölpreis reisst ein Riesenloch in die Staatskasse. Um dieses Loch zu stopfen, bräuchte Russland Kredite. Wegen der Sanktionen ist es für den Staat aber sehr schwierig geworden, Geld an den Finanzmärkten aufzunehmen.

Die Sanktionen seien damit für Russlands Präsident zu einem grossen Problem geworden, sagt Rutland. Putin blieben nur drei Möglichkeiten:

  • Erste Möglichkeit: Russland zapft seine Währungsreserven an. Diese sind im Moment noch gross: rund 400 Milliarden Dollar. Da aber die Einnahmen aus den Rohstoffexporten sinken, sei es riskant, sich allzu sehr an diesen Währungsreserven zu bedienen.
  • Zweite Möglichkeit: Russland lässt Rubel drucken. Dies sei nicht sehr empfehlenswert, jetzt, wo der Rubel sowieso schon auf Talfahrt sei.
  • Bleibt als dritte Möglichkeit: Russland leiht sich Geld von Staaten, die bei den Sanktionen nicht mitmachen, allen voran China. Das sei sicher ein möglicher Weg, sagt Russland-Experte Rutland – einzelne Kredite seien auch schon abgemacht. Nur: Kredite im grossen Stil gebe es von China nicht einfach so. China strebe im Gegenzug für seine Kredite Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern in Russland an. Und bis jetzt habe Russland dies China immer verwehrt.

Durchhaltewillen gefragt

Der tiefe Ölpreis und die westlichen Sanktionen zusammen haben Russland also in eine äusserst schwierige Lage gebracht. Um da wieder herauszukommen, brauche Russland Durchhaltewillen: «In den nächsten zwei, drei Jahren steigt der Ölpreis bestimmt wieder und dann fliesst auch wieder mehr Geld in die russische Staatskasse.»

Möglich sei auch, dass schon bald die Sanktionen gelockert würden. Im Juli laufen die EU-Sanktionen aus, und er könne sich vorstellen, so Rutland, dass nur die USA dann die Sanktionen verlängern, die EU aber nicht.

Immerhin hätten die Sanktionen gegen Russland für viele EU-Staaten auch Bumerang-Effekte; da müsse sich die EU gut überlegen, ob sie mit den Sanktionen noch weitermachen wolle. In den USA gebe es diese Bumerang-Effekte kaum, da könne man die Sanktionen gut verlängern.

Beide Szenarien – ein steigender Ölpreis oder ein Ende der EU-Sanktionen – könnten Russland helfen, wieder aus der Krise herauszufinden. Bis dahin steht der russischen Wirtschaft aber eine äusserst schwierige Zeit bevor.

65 Kommentare

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  • Kommentar von Anton Leger, Küsnacht
    Putin führt immer wieder an, die NATO hätte sich entgegen Absprachen mit den Glasnost Russen immer mehr Osterweiterung gesichert. Nehmen wir ihm beim Wort, es wäre ein Kompromiss / Win Win der auch Putins Gesicht wahren liesse, wenn alle russlandangrenzenden Länder aus der NATO gehen müssten und im Gegenzug die Ostukraine und die Krim ihre regionale föderative Rolle in der Ukraine wieder zurückbekämen - unter UNO Aufsicht. Und dann braucht es ökonomische und ökologische Wettbewerbsfähigkeit!
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  • Kommentar von C. Eugster, Bern
    @Srf. Das wäre doch ein Thema. Der offensichtliche Angriff der OPEC auf die, auf pump, mit Krediten aus dem Boden gestampften Fracking Öl Förderanlagen in den USA. Dass die OPEC sein Öl nach EU/USA günstiger als nach Asien verkauft sollte einem auch nachdenklich stimmen. Soweit ich es beurteilen kann, ist der Öl- Preissturz für die USA auf lange Sicht viel schädlicher als für Russland. Auch wenn es im Moment den Eindruck macht es wäre umgekehrt. Wirtschaftsmagazine erkennen bereits die Gefahr...
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  • Kommentar von Anton Leger, Küsnacht
    Wird eine Rückgabe der Krim etc. überhaupt nicht mehr erwogen? Schadenersatz? Russland soll 100 Mrd. seiner Reserven für den Kauf aufwenden. Dann komme ich als Tourist und respektiere die Russen wieder. Wofür habe ich diese Sprache gelernt? Als ich bewusst keine südafrikanischen Produkte und Dienstleistungen mehr kaufte, kam bald ein Wechsel der Regierung und Ende der Apartheit. Bei uns gibt es noch russische Supermärkte, wir nehmen noch Studenten auf und wir beauftragen russische IT Firmen.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @A. Leger: Glauben Sie tatsächlich daran, dass würde Russland für die Krim bezahlen, die Regierung in Kiew, die Amerikaner & die EU dann Ruhe geben würden? Schon damals beim Rücktritt des Präsidenten nach dem Putsch habe ich gesagt, dass die Putschisten jetzt an der Macht keine Ruhe geben würden. Folge davon jetzt dieser Bürgerkrieg in der Ost-Ukraine. Fazit: Amerika will Europa nicht als 3. Weltmacht, sonst wäre man schon längst auf die versöhnlichen Gesten seitens Russland eingegangen.
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    2. Antwort von N.Belg, Luzern
      Ukraine hat auf Kosten Russlands gelebt und noch Gaz immer stiehlt, für Krim muss Russland nichts zahlen, eher umgekehrt.
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