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International Sarajevo gedenkt Attentat vor 100 Jahren

Exakt vor hundert Jahren wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet. Es war der Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Heute wird in der bosnischen Hauptstadt an das Attentat erinnert.

Legende: Video 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg abspielen. Laufzeit 2:13 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.06.2014.

Der 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo, das den Ersten Weltkrieg ausgelöst hatte, hat den Graben zwischen Bosniern und Serben noch mehr vertieft. Muslimische Bosnier und christlich-orthodoxe Serben begingen den Jahrestag der Ermordung des habsburgischen Thronfolgers Franz Ferdinand getrennt.

Die Bosnier gedachten in Sarajevo in Anwesenheit vieler ausländischer Gäste der Ermordung Franz Ferdinands und dessen Frau Sophie durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip. Die bosnischen Serben begingen den Jahrestag unter Mitwirkung von Spitzenpolitikern aus Belgrad getrennt in der Touristenstadt Andricgrad.

«Auf der Basis der Freiheitsideen Princips»

«Wir sind niemals zusammen gewesen, weder in Trauer noch in Freude», zitierten die Medien übereinstimmend den Präsidenten der serbischen Landeshälfte in Bosnien-Herzegowina, Milorad Dodik. Das sage alles über das heutige Bosnien, sagte der Politiker weiter.

Die bosnischen Serben, die rund ein Drittel der Bevölkerung stellen, streben die Abspaltung von Bosnien an. «Auf der Basis der Freiheitsideen Gavrilo Princips» wollen sie unabhängig sein.

Wiener Philharmoniker in Sarajevo

In Sarajevo wurde der Jahrestag des Attentats mit zahlreichen historischen Ausstellungen und Kunstvorstellungen begangen. Höhepunkt war das Konzert der Wiener Philharmoniker im wiederaufgebauten Rathaus.

Das zur Zeit der österreichischen Herrschaft (1878-1918) im neomaurischen Stil errichtete Gebäude war von Serben während des Bürgerkrieges in den 1990er-Jahren in Schutt und Asche gelegt worden. Mit internationalen Finanzhilfen war es über 18 Jahre restauriert worden. Die Bosnier sehen im Attentäter Princip einen Terroristen. Für die Serben ist er ein Volksheld und Freiheitskämpfer.

Die Wiener Philharmoniker eröffneten unter ihrem Dirigenten Franz Welser-Möst das Konzert mit der bosnischen Nationalhymne und schlossen es mit der Europa-Hymne Ludwig van Beethovens ab.

SRF anno 1914

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9 Kommentare

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  • Kommentar von B. Muller, Zurich
    Für viele gelten auch Karadzic und Mladic sogar nach dem Massaker von Srebrenica auch heute noch Helden.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Ist doch immer so. Für die einen ein Freiheitskämpfer und die Gegner ein Terrorist. Krieg ist der Terror der Reichen, Terror ist der Krieg der Armen. Schwarz-Weiss gibts nur in der Propaganda.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Trotzdem ist es pervers, dass für den Mörder eines mehrfachen Vaters und einer mehrfachen Mutter eine Statue eingeweiht wird. Dabei hatte gerade Franz Ferdinand für die Slawen viel mehr Verständnis als alle anderen österr. Politiker jener Epoche, wie ich das schon in einem anderen Blog geschrieben habe. Gerade deshalb, weil Bosnien-Hercegovina ethnisch immer noch so gespalten ist, würde ich jede Wette eingehen, dass diese Statue nicht allzu lange dort stehen wird.
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    2. Antwort von A. Zimmermann, Zürich
      @Juha Stump: Was heisst hier: Der "Habsburger Thronfolger Ferdinand hatte viel mehr Verständnis für die Slawen". Fakt ist, dass die Habsburger die Slawen als untertanen Zweitklassmenschen erniedrigten und ausbeuteten!!! Sorry, ein bisschen mehr Background-History wäre angebracht, bevor Sie Kommentare aus dem Zusammenhang herausreissen!
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      Waren die 17Mill.Toten nicht ebenso Söhne,Töchter,Eltern?Wiegt die Elternschaft,der Tod von"gewissen"Menschen mehr als jener von"anderen"?Sei Dank MUSS jeder Mensch mal seinen"verkrampften Biss"in seine physische Existenz"loslassen".Seinen Kiefer öffnen und seine Beute freigeben.Für andere ist der Tod allerdings die ersehnte Erlösung.Muss für Gavrilo Princip so gewesen sein.Die Torturen die er während seiner Haft erlitten hat,waren grausamster Art.Schande über jene die dies"verantworteten/taten"
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    4. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @A. Zimmermann: Sorry, wer von uns beiden braucht da wohl mehr Background-History? Wie ich schon in anderen Blogs geschrieben habe, machte sich Franz Ferdinand gerade dadurch, dass er den slawischen Völkern mehr Rechte zugestehen wollte, sowohl bei den Deutsch-Österreichern als auch bei den mitregierenden Ungarn verhasst. Stellen Sie sich vor, es gab tatsächlich Habsburger, die die Slawen nicht als Zweitklassmenschen betrachteten und behandelten! Der Thronfolger gehörte zu diesen.
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    5. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @A. Käser: Jeder einzelne Tote dieses Krieges war einer zu viel, aber das ändert nicht an der Tatsache, dass Franz Ferdinand und seine Frau die beiden ersten Opfer waren. - Was den "Freiheitshelden" Princip betrifft: Allein die Tatsache, dass er zum Zeitpunkt des Attentats noch nicht ganz volljährig war - damals 20 J. -, konnte er nach österr. Gesetz nicht hingerichtet werden. Wäre wohl das eine "Erlösung" gewesen? Es bleibt dabei: Er war ein Mörder, aber einer der bekanntesten.
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    6. Antwort von A.Käser, Zürich
      J.S./Es gibt Haftbedingungen und Haftbedingungen.Siehe auch Guantanamo.Jene,die Solches anordnen als auch jene die diese Anordnungen ausführen,laden sich eine ungeheure Hypothek auf.Der Augenblick in welchem sie dies in vollem Umfang erkennen werden, ist ihnen auf jeden Fall sicher.Wie sie damit umgehen werden,ist ihre Sache.Unser aller Urnatur ist Liebe.Nur in ihr sind wir frei.Wie sich solches Handeln damit vereinbaren lässt,muss jeder selbst urteilen.Gehört zum Weg der pers.Erlösung.
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    7. Antwort von A.Käser, Zürich
      J.S./Ja,eine Hinrichtung wäre viel"humaner"gewesen.Die Ungerechtigkeit seiner Leiden,sollte gleichzeitig ein Mahnmal sein.Durch sein Leiden wurde er zum Märtyrer.Dies ungeachtet seiner Tat.Denn schon allein der Tatbestand,dass ein so junger Mensch zu einer solchen Tat"animiert"wird,lässt dunkelste Schatten auf die ganze Gesellschaft,ihr Denken und Handeln,fallen.Für fast alles gibt es tieferliegende Ursachen.Lieblosigkeit ist eine der Ursachen für den grössten Teil des Leides,der Menschheit.
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