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International Saudis brechen Beziehungen zu Iran ab

Der Streit um die Enthauptung des schiitischen Geistlichen Al-Nimr zwischen Saudi-Arabien und Iran ist eskaliert. Riad hat seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran beendet, die Diplomaten müssen das Land verlassen. Teheran reagiert mit Unverständnis.

Legende: Video «Diplomatische Verstimmung zwischen Riad und Teheran» abspielen. Laufzeit 1:18 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 03.01.2016.

Die Hinrichtung des bekannten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien, Nimr al-Nimr, hat die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten massiv verschärft und unter anderem zu Tumulten in Iran geführt. Nun hat Saudi-Arabien die Beziehungen zu Teheran abgebrochen.

Iranische Diplomaten müssen Land verlassen

Die diplomatische Vertretung von Iran und alle mit ihr verbundenen Einrichtungen seien aufgefordert worden, Saudi-Arabien innerhalb von 48 Stunden zu verlassen, teilte der saudische Aussenminister Adel al-Dschubair mit.

Das Königreich werde es Iran nicht erlauben, seine Sicherheit zu untergraben, hiess es aus Riad. Das Botschaftspersonal werde aus Teheran abgezogen. Anlass sei die Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran am Vortag. Dieser Angriff sei ein «schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen», sagte al-Dschubair.

Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. «Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet.» Saudi-Arabien werde seinen Weg, Terrorismus zu vernichten, weitergehen.

Iran reagiert mit Unverständnis

In einer ersten Reaktion hat Iran den Entscheid Saudi-Arabiens als voreilig bezeichnet. «Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht», sagte Vizeaussenminister Hossein Amir-Abdollahian im staatlichen Fernsehen.

Kein saudiarabischer Diplomat sei zu Schaden gekommen. Sein Land sei für Diplomaten eines der sichersten der Region. Die Hinrichtung des prominenten Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudi-Arabien bezeichnete Abdollahian als grossen Fehler, der nicht mit dem Abbruch der Beziehungen vertuscht werden könne.

Eine Demonstrantin trägt ein Bild von Nimr Baker al Nimr (2012)
Legende: Wurde am Samstag hingerichtet: Nimr Baker al Nimr, hier auf einem Plakat bei einer Demonstration 2012. Reuters

Angriff auf saudische Botschaft in Teheran

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen hatte am Samstagabend eine wütende Menschenmenge in der iranischen Hauptstadt Teheran die saudische Botschaft angegriffen. Brandsätze flogen in das Gebäude.

Der iranische Präsident Hassan Rohani verurteilte wenig später den Angriff: «Der Angriff von Extremisten auf die saudische Botschaft in Teheran ist in keiner Weise zu rechtfertigen und hat negative Auswirkungen auf das Image von Iran.» Das Innenministerium, der Geheimdienst und die Polizei sollten konsequent gegen die Täter vorgehen.

Scharfe Worte aus Iran

Zuvor hatte Iran scharf gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudi-Arabien protestiert. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei warnte: «Die Hand Gottes wird Rache an der saudischen Führung nehmen». Al-Nimr habe lediglich öffentlich Kritik geäussert. Er haben niemanden zu bewaffnetem Handeln ermutigt, sagte Chamenei. Die einflussreichen iranischen Revolutionsgarden kündigten dem Königshaus derweil eine «scharfe Vergeltung» an.

Alte Konflikte brechen auf

Für Iran war der entschiedene Kritiker der Führung in Riad ein wichtiger Verfechter der Rechte der schiitischen Minderheit.

Al-Nimr war unter den 47 Menschen, die am Samstag in Saudi-Arabien hingerichtet wurden. Saudi-Arabien sah es als erwiesen an, dass Al-Nimr hinter den Anschlägen im Land stand.

Saudi-Arabien und Iran ringen um die Vormachtstellung in der Region. Während sich das Königreich als Schutzmacht der Sunniten sieht, betrachtet sich Iran als Interessenvertreter der Schiiten. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz IS in Syrien und dem Irak hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt.

Legende: Video «Weltweite Kritik an Saudi-Arabien» abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.01.2016.

Besorgnis auch im Westen

Nach der Hinrichtung al-Nimrs flammten Proteste unter Schiiten auch in anderen Ländern auf. Im Irak gingen in der Provinz Al-Wasit Hunderte auf die Strasse und forderten die Schliessung der saudischen Botschaft in Bagdad. Auch in Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs demonstrierten insgesamt Tausende gegen die Hinrichtung des 55-jährigen Geistlichen.

Die Hinrichtungen der Saudis stiessen auch im Westen auf Kritik. Die EU, UNO und die USA hatten sich am Wochenende besorgt über die jüngste Entwicklung gezeigt.

59 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Die Saudis sind Weltgewandt, sie bewegen sich auf internationalem Parkett selbstbewusst und wissen um ihre monitäre Macht. Wenn die Saudis ihre Investitionen weltweit einstellen würden, würden viele grosse Konzerne schnell pleite gehen. Fiat, VW, Ford u.a. würden innerhalb von sechs Monaten pleite gehen. Deshalb toleriert man im Westen die Steinigungen, das Handabhacken, das hinrichten durch den Strang und das Kopfabhacken.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Das gilt nicht nur für die Saudis. Sie kennen bestimmt das Sprichwort " Geld regiert die Welt"
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Und jetzt sprechen wir wieder das ganze Jahr über Muslime, Theran und Riat und den instrumentalisierten Gott/Allah/Tao/Isvara/Jehawe/Buddha. Ich glaube Gott hat seine Gesetze zuerst gemacht und dann die Schöpfung. Die Möglichkeit zur Dummheit und auch die Grenzen des Bösen sind schon längst festgelegt. Zwei Dinge hat er wohl ofen gelassen, die Wahl zu lernen und die Wahl zu lieben. http://youtu.be/kUFCJIlwsA0
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Im Namen Gottes gab es über alle Jahthunderte hinweg, die meisten Morde auf dieser Welt. wer ist der Gott, hinter dem man sich versteckt? Ein Alibi für Mord und Kriege. Und am Schluss vergibt dann dieser Gott all die Gräueltaten!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Als Christ muss man nicht einmal bis zum Ende durchhalten. Da genügt zur Vergebung der Sünden ein kurzes Gespräch mit dem Pfarrer durch einen Vorhang oder ein Gitter hindurch und zehn anschliessende Vaterunser. Danach kann man "gewissensbereinigt" erneut frisch draufloswerkeln.
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