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Saudischer Kronprinz bei Trump Kleiner Golf-Staat bietet grossen Nachbarn die Stirn

Legende: Audio Katars Emir Tamim al-Thani trotzt den Kontrahenten. abspielen.
2:14 min, aus HeuteMorgen vom 19.03.2018.
  • Wegen seiner Nähe zum Iran und den Verbindungen zur Muslimbrüderschaft boykottieren einige arabische Staaten Katar seit fast einem Jahr.
  • Doch das Emirat hat dem Druck seiner Kontrahenten, die von den USA mehr oder minder deutlich unterstützt werden, bisher nicht nachgegeben.
  • Man darf gespannt sein, ob der heutige Besuch des saudischen Kronprinzen Mohammed in Washington einen Weg aus dem Konflikt aufzeigt.

Wenn der starke Mann Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed, heute in Washington eintrifft, stehen drei Themen im Vordergrund: Rüstungsgeschäfte, der Iran und die Katar-Krise. Bloss: Katar-Krise – war da was?

Im vergangenen Jahr ein ganz grosses Thema, ist dieser Konflikt heute aus den Schlagzeilen fast verschwunden. Das Mini-Emirat Katar ist nicht eingeknickt. Einlenken müssen am Ende eher die mächtigen Staaten Saudi-Arabien und die USA.

Boykottallianz erreichte Ziele bisher nicht

Als im vorigen Juni Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten ihre Beziehungen zu Katar abbrachen und Sanktionen verhängten, stand der Sieger eigentlich schon fest. Das kleine Gas-Emirat, dem die Unterstützung des Terrorismus und zu enge Beziehungen zum Iran vorgehalten wurden, werde rasch nachgeben müssen, so die vorherrschende Meinung.

Ein Dreivierteljahr später kann davon keine Rede sein. Weder kappte Katar seine Beziehungen zum Iran, noch sagte es sich von der Muslimbrüderschaft los. Und der bei arabischen Potentaten verhasste katarische Sender al-Jazeera verstummte nicht.

«Wir haben unsere Souveränität nicht preisgegeben»

Emir Tamim al-Thani ignorierte also die meisten Bedingungen der Boykottallianz und findet: «Katar ist heute gar stärker als zuvor.» Es gibt zwar negative Konsequenzen für das superreiche Katar. Die Fluggesellschaft Katar Airways fliegt teure Umwege, weil für sie der saudische Luftraum gesperrt ist. Der Tourismus aus den Golfstaaten brach ein.

Doch wirtschaftlich ist das Emirat zäher als gedacht. 2018 dürfte das Wachstum mit 2,5 Prozent gar höher ausfallen als in den beiden Vorjahren. Und vor allem, so der Emir: «Wir haben unsere Souveränität nicht preisgegeben.»

Peinliche Situation für Saudis

Die USA halten an ihrer riesigen Luftwaffenbasis in Katar fest, obschon Präsident Donald Trump im Katar-Konflikt klar hinter den Saudis steht. Und der Energiesektor ist vom Boykott ohnehin ausgenommen, weil die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten auf katarisches Erdgas angewiesen sind.

Umgekehrt waren die Katarer klug genug, nicht ihrerseits Gaslieferboykotte zu verhängen. Katar sitzt also die Sanktionen aus. Was für die Saudis peinlich ist. Deren Aussenminister Adel al-Jubeir redet nun die Katar-Krise klein: «Katar ist ein ganz kleines Problem. Es gibt wichtigere. Wir alle sollten uns nicht so viel mit Katar befassen.»

Konfliktende nicht absehbar

Doch ein baldiges Konfliktende ist nicht absehbar. Kuweit bemühte sich zwar darum, ebenso der abgehalfterte US-Aussenminister Rex Tillerson. Bloss tat er dies ohne Rückendeckung von Trump.

Aber alle Vermittlungsbemühungen liefen ins Leere. Denn es geht nicht nur um sachliche Differenzen, sondern ebenso um die Macho-Rivalität zwischen Golfstaaten-Monarchen und um deren Ego. Vor allem der neue starke Mann Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed, gibt sich unnachgiebig. Entsprechend unwahrscheinlich ist, dass jetzt sein Besuch in Washington einen Durchbruch bringt.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Ob wohl Trump bis zum Ende seiner Amtszeit mit dem Vertreter des wahhabitischen Königshauses Gespräche führen muss bis er begreift, dass der schiitische Iran mit wahhabitischen Terrormilizen unmöglich etwas zu tun haben kann? Seitens der Medien wäre eine kritischere Beleuchtung der Vorwürfe an Katar und Iran insofern wünschenswert, als sie die Interessen der beiden grossen Blöcke aufschlüsseln und kontextualisieren würde.
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    1. Antwort von Roman Knoepfel (winglet55)
      Wenigstens ein Staatschef, der sich nicht von 300 mio. Amis in Geiselhaft nehmen lässt. Wo bleiben die Andern, die immerhin 7. Mia. Erdenbürger vertreten? Ich hoffe mal auf die Chinesen, vielleicht aber auch vergeblich
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