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International Sawiris Ägypten: Die Schere im Kopf der «guten Muslime»

Weniger Besucher, unsichere Aussichten: In Ägypten darbt nun auch der Tourismus. Auch in Samih Sawiris Stadt El Gouna. Die Angestellten machen sich Sorgen.

Revolution, Bürgerkrieg, religiöser Konflikt – in Ägypten brennt seit Wochen die Luft. Die Wirtschaft liegt schon seit Jahren am Boden, der Tourismus brachte noch Devisen, wenn auch immer weniger. Noch. Denn spätestens seit den Warnungen diverser Länder, darunter die Schweiz, buchen Reisende nun um.

«Game over»

El Gouna ist eine heile Welt. Die Stadt wurde als Retorte am Strand nördlich von Hurghada aus dem Wüstensand gestampft. Das Projekt ist von Orascom geleitet, Samih Sawiris damit der «Erfinder» des Ortes. Tausende Ägypter leben dort, ausschliesslich vom Tourismus. Damit das so bleibt, steht vor der Ortseinfahrt ein Checkpoint mit Schlagbaum. Uniformierte sorgen dafür, dass nur reinkommt, wer reindarf. Innerhalb der Stadt bekommt man das Gefühl, sein Portemonnaie sei sicherer als in Zürich. Sicherheitsmänner mit Waffe im Halfter patrouillieren unauffällig.

Die Angestellten haben mehr Zeit, als ihnen lieb ist. Das kommt dem Service für den einzelnen Touristen zugute, die Besucher werden aber weniger. Zeigt man den Einheimischen, dass man Zeit hat für ein Gespräch, und nur dann, reden sie. «Mubarak? Game Over.» «Mursi? Game Over.» «Der Militär-General? Meia meia», sehr gut. El Baradei, der Hoffnungsträger für viele westliche Staaten? «Meia», na ja.

Drohungen, Demokratie, Religion

Egal ob Ramadan oder morgens um 2 Uhr: Jeder Wunsch wird von den Angestellten erfüllt. Genau dies ist das Dilemma für die hiesigen Ägypter. «Einerseits faste ich einen Monat auch unter diesen klimatischen Umständen, weil ich ein guter Moslem bin», so der Fahrer des Golfcarts. Ohne Essen und Trinken bei gut 40 Grad im Schatten. «Andererseits: Wenn die Muslimbrüder könnten, würden sie mich einen Kopf kürzer machen, weil ich den Ungläubigen diene, also nicht muslimisch genug bin.» Die Formulierung «einen Kopf kürzer» meint der Mann in Uniform wörtlich.

Legende: Video Ägypten: Die Rückkehr der Unternehmer abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.08.2013.

Sawiris hat Heldenstatus in El Gouna. Man ist informiert, dass er in Andermatt baut. Deshalb ist selbst das Resultat der Abstimmung zur Zweitwohnungsinitiative bekannt. «Wir müssen in den kommenden zwei Jahren lernen, wie Demokratie funktioniert. So wie bei euch. Nicht wie die Muslimbrüder, welche Analphabeten mit Geldgeschenken zum Wählen brachten.»

Abends bei einem Kaffee im Clubhaus des Golfplatzes schaut der Träger der Schläger einen lange an, und sagt: «Ich bin Christ.» Die Reaktion des Besuchers ist ein etwas verwirrter Gesichtsausdruck. Er zeigt auf die Zigaretten auf dem Tisch. «Ich darf rauchen, nicht wie die Muslime.» Die Muslime arbeiten während dem Fastenmonat nur sechs Stunden täglich. Zugehörige anderer Religionen müssen einspringen. Man bietet ihm eine Zigarette an. Und ab diesem Moment jedes Mal, wenn man ihn wieder sieht. Von wem sonst sollte er sich auch eine Zigarette schenken lassen. Man hat den Golfplatz die ganze Woche beinahe für sich allein.

(Der Autor war eine Woche in El Gouna. Er kam kurz vor der blutigen Eskalation der Demonstrationen Mitte August zurück.)

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Wahrlich, Herr Sawiri hat Grund genug, sich zu sorgen, in seiner Heimat läuft es so, wie es eigentlich nicht anders zu erwarten war, und der früher so todsicher geglaubte Standort 'Schweiz' ist zunehmend damit beschäftigt, sich selbst zu demontieren. Er, der auf die gloriose Reduit-Idee 'Andermatt' für den Reichen dieser Welt 'gebaut' hat, sieht sich mit Veränderungen konfrontiert, die im weder 'hier' noch 'dort' so wirklich gefallen können. Agypten könnte so für Andermatt zum Desaster werden...
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  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Zitat: «Andererseits: Wenn die Muslimbrüder könnten, würden sie mich einen Kopf kürzer machen, weil ich den Ungläubigen diene, also nicht muslimisch genug bin.» Die Formulierung «einen Kopf kürzer» meint der Mann in Uniform wörtlich. Mein Vorschlag: Unser Rassismuskomitee soll bitte einmal genau abklären, wie es mit dem Rassismus unserer lieben muslimischen Immigranten in der Schweiz bestellt ist. Oder ist das Komitee nur da, um Schweizer zu drangsalieren und diskreditieren?
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    1. Antwort von M. Hufschmid, Kt. Zürich
      So sehen das viele Schweizer mitlerweile. Nur die "Eigenen" sollen sich an alles halten. Das Komitee für Rassismus schaut den (eher Rechten) Bürgern genau auf die Finger. Genau so wie beim Thema Gleichstellungsbüro. Dort schaut man nur auf fehlbare Männer... So ist die schweizer Welt heute.
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