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International «Schadstoff-Tests im Labor braucht es schon lange nicht mehr»

Axel Friedrich arbeitete fast 28 Jahre im deutschen Umweltbundesamt. Später war er Mitbegründer des Forschungsinstituts ICCT (International Council on Clean Transportation). Im Interview mit der «Rundschau» sagt er: Schadstoff-Tests im Labor seien nutzlos.

VW, Testgeräte im Hintergrund.
Legende: Tests im Labor: Sinnlos, sagt der Experte. Über den wahren Schadstoff-Ausstoss sage das gar nichts aus. Reuters

SRF News: Herr Friedrich, Sie haben sich mit den Päpsten der Automobilindustrie angelegt. Sehen Sie sich als Gegenpapst?

Axel Friedrich: Nein. Ich sehe mich nur als Anwalt jener Menschen, die die hohe Belastung der Luftschadstoffe einatmen müssen. Es kann nicht sein, dass die Menschen belastet werden, weil Vorschriften umgangen werden.

Sie kritisieren Vorschriften und Messzyklen, die von den Regierungen abgesegnet sind.

Die Frage ist, ob wir bei der modernen Technik überhaupt im Labor zu messen brauchen. Denn entscheidend ist, was auf der Strasse emittiert wird. Unsere Messgeräte sind in der Lage, mit hoher Genauigkeit auf der Strasse zu messen. Wir bräuchten schon lange keinen Prüfstands-Test mehr.

In der EU sind Emissionstests auf der Strasse angedacht. Sind Sie zuversichtlich?

Die Messung auf der Strasse muss so gemacht werden, dass sie das reale Fahrverhalten eines Menschen abbildet. Beim sogenannten Real-Driving-Emissions-Test ist zurzeit angedacht, dass man 100 Kilometer fahren muss. Das ist aber keine alltägliche Distanz, denn die meisten Menschen fahren am Tag 20 bis 30 Kilometer.

Sie werfen einer ganzen Industrie vor, dass sie die Öffentlichkeit belügt.

Ich sage nur: Die Werte, die im Labor ermittelt werden und die Werte, die dann auf der Strasse emittiert werden, passen nicht zusammen. Die Behörden müssen dafür sorgen, dass diese Diskrepanz auf null gebracht wird.

Ein Argument der Autoindustrie ist, dass sie Messwerte wollen, die untereinander vergleichbar sind.

Wir müssen die Autos sauber machen. Und zwar nicht im Labor, sondern auf der Strasse. Die Fahrzeuge müssen in allen möglichen Bewegungszuständen die Abgas-Emissionswerte nicht überschreiten; mich interessiert weder das Labor noch die Vergleichbarkeit. Mich interessiert am Schluss der Mensch. Wenn wir am Rand der Strasse stehen, bekommen wir diese Abgase ab. Und das ist inakzeptabel.

«Rundschau»

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Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20:55 Uhr.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Huber (Raffi)
    Wie einfach ist es denn um selber mal den Verbrauch seines Autos zu testen. Volltanken, Tages Kilometerzähler auf null stellen. Fahren. Wieder Volltanken. Rechnen. Ergebnis mit dem Test Verbrauch vergleichen. Basta. Wenn man Lust hat, den Test einmal im Stadt/Agglo Betrieb und einmal Autobahn/Langstrecken machen. Und schon wäre einem klar geworden, dass natürlich der grosse, schwere Wagen, der zudem noch mindestens doppelt so viele PS hat wie nötig wären, den Testverbrauch deutlich übersteigt.
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    1. Antwort von Franz Huber (Raffi)
      Schon klar es geht hier um den Schadstoff Ausstoss. Aber die Augenwischerei der ganzen Branche, die immer mehr grosse, schwere Fahrzeuge, die oft auch noch völlig Uebermotorisiert sind, produziert. Und uns dann vormacht, und auch durchschnittliche Verbrauchszahlen veröffentlicht, die kaum zu erreichen sind. Auch wenn man das Gaspedal nur sehr sehr sehr vorsichtig benutzt. Bei normalem Fahrstil schnellen diese veröffentlichen Werte ganz schön nach oben. Hauptsache unser Gewissen ist erleichtert.
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  • Kommentar von Olivier Schreier (Olivier49)
    Alle Automobilisten (so auch alle Ämter und Organisationen) wissen seit Jahren, dass die Laborwerte mit der Realität nicht übereinstimmt. Dass nun allerdings noch zusätzlich manipuliert wurde und das alles einmal mehr aus Gier (Geld oder Erfolg) -- na Ja, wenn wunderts? Den realen Ausstoss aller Autos zu eruieren düfte wohl sehr schwierig sein; noch bedienen die Autos Menschen, d.h. viele unterschiedliche Leute.
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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Recht hat er ... Die Industrie kann ja für ihre Entwicklungsarbeiten firmeninterne eigene Tests entwickeln, um so Fortschritte in der Entwicklung messbar zu machen. Diese internen Tests sollten dann aber (im eigenen Interesse) so ausgelegt sein das die Grenzwerte im realen Fahrbetrieb nicht überschritten werden. Die Zulassungsbehörden ihrerseits müssen über eigene, unabhängige Testmethoden für die Sicherstellung der Einhaltung während der Lebenszeit eines Fahrzeuges verfügen.
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