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International Schiffbruch vor Lampedusa: Mindestens 133 Tote

Bei einem Bootsunglück vor der Mittelmeerinsel Lampedusa sind 133 Migranten ums Leben gekommen. Die Opferzahl könnte weiter steigen – noch werden Hunderte vermisst.

Legende: Video Verheerendes Flüchtlingsdrama vor Italien abspielen. Laufzeit 5:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.10.2013.

Das Unglück spielte sich vor Lampedusa ab: Ein 20 Meter langes Boot mit 500 afrikanischen Flüchtlingen an Bord fing Feuer. Die Passagiere des Schiffes mussten ins Meer springen. Das Boot ging unter, mindestens 133 Menschen sind ums Leben gekommen. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder, sagte Bürgermeisterin Giusi Nicolini.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Philipp Zahn abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.10.2013.

155 Menschen wurden von den Rettungsmannschaften in Sicherheit gebracht. Eine grosse Anzahl von Menschen befindet sich noch immer im Wasser, berichten italienische Medien. Hunderte Flüchtlinge werden noch vermisst.

Feuer selbst entfacht?

«Es ist ein Horror», sagte Nicolini. Die Flüchtlinge sollen Medienberichten zufolge aus Eritrea stammen. Sie waren etwa zwölf Stunden vor dem Unglück an der libyschen Küste aufgebrochen.

Knapp tausend Meter vor der Küste war der Motor ausgefallen. In ihrer Not hatten die Einwanderer Decken angezündet. So hätten sie auf ihre Lage aufmerksam machen wollen, sagte SRF-Korrespondent Philipp Zahn. Noch seien Leichen unter dem Boot, diese wolle man am Freitag bergen.

Die Justiz leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf mehrfachen Mord sowie die Organisation illegaler Einwanderung ein. Einer der mutmasslichen Schleuser wurde zufolge festgenommen. Aussenminister Angelino Alfano kündigte an, nach Lampedusa zu reisen. Regierungschef Enrico Letta bezeichnete den Tod der Migranten als «ungeheure Katastrophe».

Immer mehr Flüchtlinge

Seit der Zunahme der Gewalt in Syrien und Ägypten ist die Zahl der Flüchtlinge stark gestiegen. Viele nehmen die gefährlichen Überfahrten nach Lampedusa und Sizilien auf sich. Erst am Montag waren 13 Menschen vor der italienischen Küste ertrunken. «Jetzt hofft man, dass Europa in dieser dramatischen Lage hilft», so Zahn. «Italien und die EU schieben sich die Verantwortung für die schlechten Kontrollen auf dem Meer zu.»

Karte von Italien.
Legende: Die Insel Lampedusa liegt zwischen Tunesien und Sizilien. SRF

Auf dem Weg nach Europa seien in den vergangenen zehn Jahren 6200 Menschen ums Leben gekommen, geht aus Schätzungen der Hilfsorganisation Fortress Europe hervor. Das dramatischste Jahr war 2011, als 1800 Menschen ertranken.

14 Kommentare

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  • Kommentar von S.Frehner, Matzingen
    Bei der jüngsten Tragödie handelt es sich um Kinder, Frauen und Männer aus Eritrea, die aus einem Land flüchten, wo die Zustände mit Nordkorea vergleichbar sind. Die Menschenverachtung der von der SVP bezahlten Kommentatoren widert mich an.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @S.Frehner/Haben die Nordkoreaner ihr Regime selbst zu verantworten?Diktaturen und alle Regime und ideellen Konstrukte entstehen weil sie erdacht,unterstützt und geduldet werden.Sie können nur entstehen und überleben wenn sich eine gewisse Mehrheit in ihnen,ihnen gegenüber solidarisch verhält und sie unterstützen.Opposition gegen eine Mehrheit wird(wie die Geschichte beweist)oftmals mit dem Leben bezahlt.So gesehen hat jedes Volk(solidarisch)die Umstände,die es toleriert oder verdient.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Bis vor 2 Jahren sorgte das Gaddafi-Regime dafür - gegen Bezahlung versteht sich - dass solche Flüchtlingsströme über das Mittelmeer gar nicht erst möglich waren. Jetzt wo er weg ist und Libyen im Chaos versinkt, haben diese Afrikaner freie Fahrt. Zeit, dass diese Boote bereits in Nordafrika riguros abgefangen werden bis sich in Afrika herumspricht, dass diese Route keine Option mehr ist. Wer in Lampedusa ankommt, sollte eh nach Afrika zurückgeschafft werden anstatt sie nach Italien zu bringen.
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  • Kommentar von G. Niedermann, Zürich
    Mit jedem Flüchtling, den man als Asylant aufnimmt, wird den daheimgebliebenen schmackhaft gemacht, auch eine solche Barke zu besteigen! Stoppt diese Schlepper, nimmt Verhandlungen mit diesen Ländern auf, bringt denen bei, zu ihren eigenen Bürgern zu schauen, wenn's die Bürger nicht selbst schaffen. Alles andere ist eine zutiefst verlogene Politik von Europa! Meine Klage richtet sich auch gegen die Schweizer Asylpolitik!
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