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International Schlagabtausch zwischen Moskau und Ankara geht weiter

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets an der syrischen Grenze spricht der russische Aussenminister Sergej Lawrow von einer «geplanten Provokation». Russland droht mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Derweil wurde der zweite Pilot des abgeschossenen Jets gerettet.

Legende: Video Absturz und Rettung – in Bildern dokumentiert (unkomment.) abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.11.2015.

Russland wertet den Abschuss seines Kampfflugzeugs durch das türkische Militär als «geplante Provokation». «Wir haben ernsthafte Zweifel daran, dass dies unbeabsichtigt war», sagte Aussenminister Sergej Lawrow in Moskau.

Russland habe genügend Informationen, dass der Abschuss im türkisch-syrischen Grenzgebiet am Vortag geplant gewesen sei, sagte er nach einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Feridun Sinirlioglu. «Dies war ganz offensichtlich ein Hinterhalt: Sie warteten, beobachteten und haben einen Vorwand gesucht», meinte Lawrow. Die Atommacht Russland werde jetzt aber nicht mit dem Nato-Land Türkei Krieg führen.

Putin rasselte mit dem Säbel bereits kurz nach dem Abschuss

Legende: Video Säbelrasseln aus dem Kreml abspielen. Laufzeit 01:39 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.11.2015.

Dafür droht Moskau mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Als Reaktion könnten wichtige gemeinsame Projekte gestoppt werden, teilte Ministerpräsident Dmitri Medwedew in einer Erklärung auf der Internetseite der Regierung mit. Türkische Unternehmen könnten zudem Marktanteile in Russland verlieren.

Bereits kurz nach dem Abschuss am Dienstag hatte Präsident Wladimir Putin erklärt, der Vorfall werde ernste Konsequenzen für die Beziehungen beider Staaten haben. Aussenminister Sergej Lawrow sagte einen für Mittwoch geplanten Türkei-Besuch ab und rief seine Landsleute auf, nicht mehr in das Land zu reisen.

Die Türkei hatte das Flugzeug am Dienstag abgeschossen. Zum Hergang machen beide Seiten unterschiedliche Angaben. Nach türkischer Darstellung hat das Flugzeug den Luftraum des Nato-Landes verletzt. Die Piloten seien mehrfach gewarnt worden, ohne jedoch den Kurs zu ändern. Russland erklärte dagegen, der Jet sei über syrischem Gebiet abgeschossen worden. Die Türkei sei in keiner Form bedroht gewesen.

US-Wärmedaten stützen russische Version

Ein Vertreter der US-Regierung, der nicht namentlich genannt werden wollte, berichtete später, dass der abgeschossene russische Kampfjet innerhalb des syrischen Luftraums getroffen wurde. Die Maschine sei zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum gewesen, dort aber nicht getroffen worden. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Jets, meinte der Vertreter weiter.

Dem entgegnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass der Kampfjet an der Grenze zu Syrien auf türkischem Boden abgeschossen wurde. Die Maschine stürzte dann auf syrischem Territorium ab. Trümmer seien dabei auf türkisches Hoheitsgebiet gefallen und hätten zwei türkische Staatsbürger verwundet. Zudem betonte Erdogan, er wolle die Lage nicht zusätzlich eskalieren lassen.

Legende: Video Wut über Kampfjet-Abschuss abspielen. Laufzeit 03:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.11.2015.

Irans Präsident Hassan Rohani kritisierte das Vorgehen Ankaras. «Raketen sind doch keine Spielzeuge, mit denen man so einfach in der Luft rumballert», sagte er. Der Vorfall sende ein «falsches Signal» an Terroristen und bedeute einen Dämpfer im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Zweiter russischer Pilot in Sicherheit

Derweil brachte eine Kommandoeinheit der syrischen Armee laut einem Medienbericht den zweiten Piloten des abgeschossenen russischen Jets in Sicherheit. Er sei bei einer Aktion «hinter den Linien der Bewaffneten (Rebellen)» gerettet worden, meldete die libanesische Nachrichtenseite Al-Mayadeen, die gute Kontakte zu Syriens Regierung hat. Demnach wurde der Pilot zu einem Militärstützpunkt in der Nähe der Stadt Latakia gebracht.

Der erste Pilot sei verletzt worden, als er mit dem Fallschirm absprang, und dann von Dschihadisten in der Gegend auf grausame Art ermordet worden, erklärte der russische Botschafter in Frankreich. Eine syrische Rebellengruppe hatte bereits am Tag zuvor erklärt, dass einer der Piloten tot sei.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem neue russische Luftangriffe auf Rebellen nahe der Grenze zur Türkei im Nordwesten Syriens. Dort war das russische Flugzeug abgeschossen worden. Es gebe seit dem Morgen auch heftige Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern des Regimes, hiess es weiter. In dem Gebiet leben Angehörige der Minderheit der Turkmenen, mit denen sich die Türkei sehr verbunden fühlt.

Moskau: Proteste vor Botschaft

Aus Wut über den Abschuss haben Hunderte Menschen vor der türkischen Botschaft in Moskau protestiert. Einige der rund 900 Demonstranten bewarfen das Gebäude mit Steinen, Eiern und Farbbeuteln, wie die Agentur Tass meldete. Mindestens 15 Fenster wurden demnach zerschmettert. «Erdogan Mörder» war unter anderem auf Plakaten zu lesen.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von c jaschko (politically correct player)
    Dawotuglu hat ausgesagt das er persönlich angeordnet hat den Angriff auf das russische Flugzeug :-) Damit hat er eigentlich bestätigt Russlands Aussage das der Angriff einen Tag vorher vorbereitet wurde :-) Er kann wohl nicht in 10 Sekunden einen Anruf erhalten, Lage beurteilen und Befehl geben :-) Die NATO muss schnellstens aufgelöst werden den die bieten Schutz für Geld sogar Wahnsinnigen :-) Die Mutti muss jetzt auch schnell weg , Visas für Kampflustige Türken dürfen nicht mehr passieren :-)
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    @Vogt Wieso echauffieren Sie sich? Umgekehrt ist es genau so. Die Flugzeuge der griechischen Luftwaffe fliegen auch über türkisches Territorium, was die Türken wieder dazu veranlasst, ihre Abfangjäger hochzuschicken. Das passiert tagtäglich. Außerdem sollten Sie differenzieren, dass sich der Russe in einem gefährlichen Kampfeinsatz, bereit zum Bombenabwurf, befindet. Und dass Erdogan darüber giftet, dass Putin seinen turkmenischen "Brüdern" den Garaus machen will, ist wohl verständlich.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Putin will jetzt dringend die Grenze zwischen der Türkei und Syrien schliessen, um damit dem IS Nachschub, den Zugang zu ärztlicher Behandlung und Pflege sowie das floriernde Ölgeschäft zu vermiesen. Sollte dieser Schritt gelingen, ist ein wichtiger Schritt zu einem möglichen Waffenstillstand oder gar zu Verhandlungen getan.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Ihr Wort in Gottes Ohr. Wie will Putin denn das anstellen, ohne Erdogan? Genauso brauchen wir Erdogan in der Flüchtlingskrise. Hätte Putin allerdings dem Mordbuben Assad nicht jahrelang die Stange gehalten und ihm geholfen, bräuchten wir den Putin nicht. Das was Putin jetzt macht, Kampf gegen die Gegner Assads wie dieTurkmenen und nicht mit Volldampf gegen den IS, ist kontraproduktiv. Und jetzt Waffenstillstand und Wahlen für eine ferne Zukunft von oben oktroyieren zu wollen, ist eine Luftnummer
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    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Die Welt irrt mE, wenn sie glaubt, Syrien in Richtung Frieden bewegen zu können ohne Assad, M.Chauvet. Offenbar hat Assad in seiner Bevölkerung mehr Rückhalt als wir - oder sagen wir "der Westen" glauben machen will - offenbar werden auch die "freie syrische Armee", Al-Nusra Front" und andere "gemässigte Rebellen" von vielen ganz normalen Menschen in Syrien als Terroristen wahrgenommen. Assad zur Rechenschaft zu ziehen ist etwas anderes als ein ganzes Land zu zerstören (s.Irak, Libyen)
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