Schlamm und Kälte vertreiben Flüchtlinge aus Idomeni

Erneut haben rund 800 Flüchtlinge wegen der schlechten Bedingungen und der Kälte das Aufnahmelager in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze verlassen. Weitere dürften folgen.

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Hölle Idomeni

2:01 min, aus Tagesschau vom 10.3.2016

Seit Mittwoch ist die Flüchtlingsroute über die Balkanstaaten fast vollkommen zu. Nach Slowenien, Serbien und Kroatien hat auch Mazedonien alle Grenzübergänge geschlossen.

Schlamm und Kälte in Idomeni

In Griechenland sind deshalb viele Flüchtlinge in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien gestrandet. Viele von ihnen verliessen das Lager wieder, in dem katastrophale Verhältnisse herrschen: Der Regen hat die Erde aufgeweicht, die Flüchtlinge waten durch Schlamm, sie frieren und sind durchnässt. Viele auch krank.

Und sie haben kaum Chancen, von Idomeni aus nach Mitteleuropa zu gelangen. Nur noch Personen mit gültigen Reisedokumenten und Visa dürfen passieren.

Vorstellbar ist aber auch, dass einige versuchen mit Hilfe von Schleppern weiterzukommen. Dies sagt Ärzte ohne Grenzen auf Anfrage von SRF News. Andere würden aber zurück nach Athen gehen oder in andere Lager.

Ärtze ohne Grenzen zur Lage in #Idomeni

Vorerst keine Räumung geplant

So reisten in der Nacht auf Freitag etwa 200 Menschen wieder ab, wie Reporter vor Ort berichten. Rund 600 Flüchtlinge, unter ihnen viele Familien, hatten bereits am Donnerstag ihre Sachen gepackt.

Trotzdem harrten am Freitagmorgen noch immer mehr als 12'500 Menschen in Idomeni aus. Die Regierung in Athen plant vorerst aber nicht, das Aufnahmelager in Idomeni gewaltsam zu räumen. Die Flüchtlinge werden in ihren Landessprachen informiert, dass die Westbalkanroute nun endgültig geschlossen ist. Den Menschen wird geraten, in organisierte Aufnahmelager südlich der Grenze sowie im Raum Athen zu fahren.

Griechenland rechnet mit weiteren Abreisen

Die Behörden rechnen damit, dass auf diese Weise eine grosse Zahl von Asylsuchenden freiwillig Idomeni verlassen werde. Sollte dann noch ein «harter Kern» von Migranten bleiben, solle dieser ohne Gewaltanwendung aus Idomeni weggebracht werden.

An einem Treffen mit dem EU-Kommissar für humanitäre Hilfe in Athen bezeichnete der griechische Regierungschef Alexis Tsipras die humanitäre Krise im Lager bei Idomeni am Freitag als europäisches Problem, das als solches angegangen werden sollte. Der EU-Kommissar versicherte, die EU werde rasch Hilfe leisten.

Wöchentlich neue Auffanglager für 10'000 Menschen

Angesichts des steigenden Drucks durch die Schliessung der Balkanroute versucht Griechenland, Tausende Flüchtlinge unterzubringen. Athen baue trotz finanzieller Schwierigkeiten wöchentlich Aufnahmelager für 10'000 Menschen, sagte Tsipras weiter.

Weitere Flüchtlinge kommen an

Die Zuwanderung von Flüchtlingen von den griechischen Inseln im Osten der Ägäis zum Festland hält an. Am Morgen kamen rund 900 Menschen von Lesbos und Chios in Piräus an. Eine weitere Fähre mit etwa 200 Menschen wird laut Küstenwache für den Nachmittag erwartet. Hunderte setzen zudem täglich mit Schlauchbooten von der Türkei auf die Inseln über.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • FOKUS: Flüchtlingselend in Idomeni

    Aus 10vor10 vom 11.3.2016

    Die Grenzen auf der sogenannten Balkanroute sind dicht. Über 12‘000 Menschen harren in der griechischen Grenzstadt Idomeni unter unzumutbaren Bedingungen aus.