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Schlappe für Republikaner Doug Jones gewinnt überraschend Nachwahl in Alabama

Doug Jones schüttelt Hand eines Unterstützers.
Legende: Überraschung: Der Demokrat Doug Jones gewinnt die Senats-Nachwahl in Alabama. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Senatswahl im konservativen US-Staat Alabama hat der demokratische Kandidat Doug Jones gewonnen.
  • Er setzte sich gegen den umstrittenen republikanischen Kandidaten Roy Moore in einem Kopf-an-Kopf-Rennen durch.
  • Der frühere Richter Moore war in Bedrängnis geraten, weil ihm mehrere Frauen sexuelle Belästigung vorwarfen.
  • Laut Medienberichten hat Moore seine Niederlage noch nicht anerkannt. Sein Wahlkampfmanager erwägt, eine Neuauszählung zu fordern.

Die Nachwahl für einen Sitz im Senat im US-Bundesstaat Alabama hat der Demokrat Doug Jones gewonnen. Der Menschenrechtsanwalt lag nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen um 1,5 Prozentpunkte vorne.

Im Endspurt des Wahlkampfes hatten mehrere Frauen dem republikanischen Kandidaten Roy Moore vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben, als sie noch Teenager waren und er in den Dreissigern. Moore bestreitet diese Vorwürfe.

Klar republikanische Hochburg

Die Wahl galt als Testwahl für US-Präsident Donald Trump, der Moore unterstützte. Das Ergebnis ist überraschend: Alabama ist eigentlich eine klar republikanische Hochburg. Der letzte Sieg eines Demokraten liegt 25 Jahre zurück. Bei den Präsidentenwahlen holte Trump dort 62 Prozent der Stimmen.

Die Nachwahl war nötig geworden, weil Justizminister Jeff Sessions seinen Senatssitz in Alabama frei gemacht hatte. Die republikanische Mehrheit in der Kammer schmilzt damit auf nur noch eine Stimme zusammen. US-Präsident Donald Trump hat Doug Jones unterdessen auf Twitter zum Sieg gratuliert.

Die Republikaner würden in sehr kurzer Zeit noch einmal eine Chance bekommen, den Sitz im Senat zu erobern, schrieb Trump. «Es endet nie!»

Moore hofft noch auf Wende

Laut übereinstimmenden Berichten in US-Medien hat Roy Moore seine Niederlage noch nicht anerkannt. «Es ist nicht vorbei!», sagte er bei einem kurzen Auftritt vor Unterstützern.

Es ist nicht vorbei!
Autor: Roy MooreSenats-Kandidat der Republikaner

Sein Wahlkampfmanager erwägt, eine Neuauszählung zu fordern. Das Wahlrecht von Alabama sieht eine solche vor, wenn der Abstand zwischen Sieger und Zweitplatziertem weniger als ein halbes Prozent beträgt.

Einschätzung von USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi

Es ist wahrlich ein knapper Sieg, den der Demokrat Doug Jones in Alabama feiert. Und doch grenzt er fast an ein politisches Wunder. Alabama ist einer der konservativsten Gliedstaaten der USA, fast die Hälfte der Wähler sind evangelikal geprägt. Seit Jahrzehnten gab es im Südstaat keinen seriösen demokratischen Kandidaten für ein überregionales Amt.
Es war vor allem die hohe Stimmbeteiligung im demokratischen Lager, die Jones zum Senatssitz verhalf. Die Afroamerikaner sowie die städtische Wählerschaft zogen in Scharen an die Urne, um einen Sieg des umstrittenen Republikaners Roy Moore zu verhindern. Der Ex-Richter und christliche Fundamentalist musste gegen Anschuldigungen kämpfen, er habe mehrere Frauen im Teenagealter belästigt. Er streitet solche frühere Übergriffe ab.
Auch Trumps Schützenhilfe konnte Moore nicht helfen. Seine Niederlage schwächt die republikanische Mehrheit im Senat und gilt als Signal für die Kongresswahlen im kommenden Jahr.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    2. Versuch: Dem weltweiten Hurra folgend, scheint in den USA die Stunde der "bösen" Republikaner und dem noch unbeliebteren und noch "böseren" Präsident Trump schon geschlagen zu haben! Es zeigt bloss einmal mehr, dass Leute in urbanen Agglomerationen und eingebürgerte Migranten an die Urnen gingen! Etwas, das auch bei uns (zB. in Bern jeweils bei der Reitschul-Abstimmungen!) genau gleich festzustellen ist: Die Bürgerlichen bleiben zu Hause und überlassen die Urnen den linksgerichteten Leuten!
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Endlich mal eine positive Nachricht aus den USA.:))
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  • Kommentar von Timotheus Widmer (Timotheus Widmer)
    Ich mag diesen erzkonservativen Mister mit seinen fragwürdigen Einstellungen auch überhaupt nicht. Aber so kurz vor einer entscheidenden Wahl mit Missbrauchsvorwürfen zu kommen, die 40 Jahre zurückliegen, ist schon sehr verdächtig und unfair.
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    1. Antwort von Tom Steinemann (Tom Steinemann)
      Besser nichts melden als einen Schwachsinn. So ein Typ muss mit allen Mitteln verhindert werden. Und all die Frauen als potenzielle Lügnerinnen hinzustellen ist schon ziemlich unverfroren.
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