Zum Inhalt springen
Inhalt

International Schlecht oder schlechter: Zyperns Optionen

Plan A ist spektakulär gescheitert. Kleinsparer zur Kasse bitten – das wollte das zyprische Parlament nicht. Jetzt droht der Mittelmeerinsel die Pleite. Oder doch nicht? Das sind die möglichen Szenarien. Richtig gut ist keines.

SZENARIO 1: DAS BESTEHENDE MODELL MODIFIZIEREN 

Das bisherige Modell könnte überarbeitet werden. Es fordert von Zypern einen eigenen Sanierungsbeitrag in Höhe von rund sieben Milliarden Euro.

Denkbar wäre, dass sich das kleine Land dazu durchringt, die grossen Bank-Guthaben viel stärker zu belasten. Darauf hoffen viele Politiker in Europa.

Bislang sah die Zwangsabgabe auf Bank-Guthaben bei Vermögen oberhalb von 100'000 Euro einen Satz von 9,9 Prozent vor. Werden die Reichen stärker in die Pflicht genommen, könnte die Masse der Sparer mit Summen bis zu 100'000 Euro geschont – und der Volkszorn beschwichtigt – werden.

Eine solche Lösung hiesse jedoch, dass das Land seinen Ruf als attraktive Steueroase für ausländische Investoren verlieren würde.

Zypern könnte sich aber auch entscheiden, seinen eigenen Beitrag auf einem anderen Wege aufzubringen, etwa durchzusätzliche Privatisierungen oder Steuererhöhungen. Auch der Verkauf von Ausbeutungsrechten für grosse Rohstoffvorkommen des Landes wäre denkbar. 

SZENARIO 2: DIE EURO-GELDGEBER BEWEGEN SICH

Eine weitere Möglichkeit: Zypern muss selbst weniger beitragen. In diesem Fall müssten die Hilfen der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für den zyprischen Staat erhöht werden. Bisher lag dieser Betrag bei 10 Milliarden Euro.

Das würde allerdings die Schulden des Landes in die Höhe treiben – auf ein kaum tragfähiges Mass. In diesem Fall könnte der IWF nicht mitziehen wollen. Und das wiederum würde heissen: Für EU-Länder könnte die Belastung zu hoch werden. Auch sie könnten ganz aussteigen.

SZENARIO 3: DIE RUSSISCHE KARTE

Als Retter in der Not könnte Russland auftreten. Allerdings reichen die Streckung eines bestehenden Kredits über 2,5 Milliarden Euro sowie möglicherweise bessere Konditionen für das Darlehen nicht aus. Denn spätestens im Juni, wenn eine grosse Anleihe in Zypern fällig wird, braucht das Land noch mehr Geld.

Ein neuer Kredit aus Russland könnte helfen, würde die Verschuldung des Landes aber ebenfalls in die Höhe treiben. Ein Ausweg könnte eine Art Verpfändung von Gasvorkommen an Russland sein, vielleicht auch an andere Investoren aus dem Ausland. Damit würde Zypern aber den Wohlstand von morgen verschenken.

SZENARIO 4: DIE STAATSPLEITE

Das schlechteste Szenario: Zypern rutscht ungeordnet in die Staatspleite. Rechnungen im In- und Ausland würden nicht mehr beglichen, Anleihen nicht mehr bedient. Leidtragende wären all jene, die Forderungen an den Staat und seine Banken hätten.

Und was hiesse das für die Eurozone? Zypern steht lediglich für knapp 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone. Manche Experten hoffen deswegen, dass eine Pleite verkraftbar wäre. Allerdings haben die massgeblichen Akteure immer argumentiert, bei der Überwindung der Schuldenkrise gehe es vor allem um Vertrauen.

Wenn nun mit dem Fall Zypern das Vertrauen in der Welt erschüttert wird, dass die Euro-Zone mit all ihren Mitgliedern stabil und verlässlich zusammensteht, könnte das an den Finanzmärkten Glaubwürdigkeit kosten. Und das würde wohl wieder höhere Zinsen, weniger Wachstum und mehr Arbeitslosigkeit bedeuten.

Legende: Video Zypern: Oligarchen-Finanzparadies in Geldnot abspielen. Laufzeit 06:56 Minuten.
Aus ECO vom 18.03.2013.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von jc.heusser, erstfeld
    Das "Finanzdessaster der EU" wird noch zunehmen mit den Beitritten von Rümänien, Bulgarien, Kroatien sowie weiteren Balkanstaaten ! ! !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Es wird ein Mix aus den Opt. 1-3 dem zypriot. Parlament präsentiert. Da ja nicht nur die Troika involviert ist, sondern auch strateg. Interessen der NATO, USA u. der TK involviert sind, glaube ich dass die ins Bootnahme von Russl. sehr wohl im Interesse der zypriot. Regierung sein kann. Russl. wird so oder so seinen Einfluss stärken und zwangsläufig wird derjenige der EU geschmälert. Zwar nicht eben eine Win-Win Situtaion für Russland und Zypern aber besser als der Regime aus Brüssel allem...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hanspeter Liebermann, Zürich
    Wie lange wird es noch dauern, bis die EU von der CH Milliarden fordert, um ihren maroden Staaten wie Italien, Spanien, Griechenland, Zypern, etc. Geld zukommen zu lassen. Wäre die EU ein Objekt, dann sollte man die EU privatisieren und verkaufen. Doch niemand wird eine EU kaufen. Viel zu hoch verschuldet und viel zu risikoreich. Und die Sessel-Parlamentarier in Brüssel, werden um nichts in der Welt, ihren arbeitsarmen und hochbezahlten Job, mit n-zusätzlichen Zulagen aufgeben wollen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen