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International Schleppern das Handwerk legen, statt Flüchtlinge zurückweisen

Immer mehr Flüchtlinge aus dem Nahen Osten stranden im norditalienischen Friaul. Weil die Seewege strenger kontrolliert werden, wählen sie den Weg über den Balkan. Die Situation sei dramatisch, sagt Staatsanwalt Raffaele Tito in Udine. Er versucht, Schleppern das Handwerk zu legen.

Ein Wachturm mit türkischer Flagge ist hinter einem Zaun mit Stacheldrahtrollen zu sehen.
Legende: Mit einem 12,5 Kilometer langen Stacheldrahtzaun an der Grenze zur Türkei will Griechenland die Flüchtlinge stoppen. Reuters

Weil der Weg über das Mittelmeer strenger kontrolliert wird, versuchen immer mehr Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten über die Balkanroute von der Türkei über Griechenland, Bulgarien und Ungarn nach Europa zu kommen. Viele dieser Migranten landen schliesslich in Italien, vor allem in der Region Friaul im Nordosten des Landes. «Die Situation hier ist dramatisch», sagt Raffaele Tito. Er ist Staatsanwalt in Udine und versucht, Schleppern das Handwerk zu legen.

Zurückweisen ist zu kompliziert

Udine liegt nahe der Grenze zu Slowenien, aber auch Österreich ist nicht weit. Jeden Tag kämen Migranten aus Afghanistan, Pakistan und Bangladesch an, sagt Tito. Sie waren wochen-, gar monatelang unterwegs. Fast alle seien von Schleppern mit Autos oder Lieferwagen oben in Tarvisio – also im Dreiländereck Italien, Österreich, Slowenien – über die Grenze gebracht worden. «Allein würden sie den Weg gar nicht finden», sagt Tito.

Eigentlich könnte Italien diese Migranten laut Tito zurückweisen. Denn der Vertrag von Schengen/Dublin bestimmt, dass sie dort bleiben müssen, wo sie in den Schengen-Raum eingereist sind. Bei der Route über den Balkan ist das meist Ungarn. Doch so einfach ist das nicht: «Wir müssten die Migranten nach Österreich zurückschaffen. Aber das ist nicht korrekt, denn auch Österreich ist ja nicht zuständig. Sie aber direkt nach Ungarn zurückzubringen ist schwierig, weil wir keine gemeinsame Grenze haben», stellt Tito fest.

Stattdessen Schlepper stoppen

Die Migranten, die von Schleppern nach Tarvisio gebracht werden, bleiben in Italien – zumindest vorübergehend. Den aufgegriffenen Schleppern aber macht Tito den Prozess: «Unsere Gerichte sind streng: Allein in den letzten Wochen haben wir 60 Schlepper verhaftet.» Der Staatsanwalt hofft ganz offensichtlich auf eine abschreckende Wirkung.

Die Schlepper kommen aus Rumänien, Serbien oder Ungarn. Viele sind selber Verzweifelte: «Wer ein Auto hat, fährt zu einem Migrantenlager, lädt einige auf, verlangt ein paar hundert Euro und macht sich auf den Weg.» Es gebe aber auch Hinweise, dass das organisierte Verbrechen das Geschäft mit den Flüchtlingen gewittert hat. Darum mahnt Tito zur Vorsicht: «Die Politik, und nicht das Verbrechen sollte die Migration organisieren!», sagt er in Udine und hofft wohl, dass es in Brüssel gehört wird.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Die Italiener im Friaul werden es - wie auch die Schweizer - von den Ungarn lernen müssen: Da hilft nur noch ein hoher (elektrischer) Grenzzaun. Wenn vorallem Illegale aus Afghanistan, Pakistan und Bangladesch kommen, wo ausser in Teilen Afghanistans kein Krieg herrscht, dann reden wir hier zu 99.9% von Wirtschaftsmigranten. Vorallem in Pakistan explodiert die Bevölkerung geradezu - dieser Strom von Illegalen Richtung Europa wird nicht abreissen. Es ist Zeit, Europa zu einer Festung zu machen!
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  • Kommentar von Niederhauser Heinz, Eger
    Da wird über Flüchtlingsquoten geredet in Brüssel.Ungarn weigert sich,aber ungarische Schlepper verdienen an den mittellosen Asylanten eine goldene Nase.Vielleicht werden sie noch von V.O. Und Anhang ünterstüzt.Die Polizei wird auch geschmiert so haben die Schlepper freie Fahrt.
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  • Kommentar von Jürg Sand, Zürich
    Es sind Millionen auf der "Flucht" nach Europa und Zehntausende (allein aus der Schweiz) sind auf Urlaub in jenen Ländern von denen sie geflüchtet sind. Im Jahr ca. 13'000 vom Amt für Migration bewilligte Reisegesuche beweisen diese Merkwürdigkeit. Der Urlaub wird unter anderem in Eritrea und Syrien verbracht. Mitunter kommt auf der Heimreise auch noch ein Zweitperson mit in die Schweiz (aktuelle Weltwoche).
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      J.S./Zudem weiss man auch nicht,ob hier heimlich hinten herum bestens ausgebildete "Privat-Armeen"eingeschleust werden.Gerade die Eriträer sollen angeblich einen ausserordentlich effizienten und lange andauernden Militärdienst leisten.In wessen Diensten würden dann diese Söldner bei uns stehen?Es sind vor allem Katholiken die da kommen.Würde bedeuten,dass wir mit unseren Sozialleistungen allenfalls Söldner und dessen Familien alimentieren,die sich später gegebenenfalls gegen uns richten.Toll?
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    2. Antwort von Margot Helmers, Bülach
      Ein Reisebericht: Giessener Zeitung.de "Warum eine Bildungsreise nach Eritrea". Vor allem die enthaltenen Links von den Organisatoren vor Ort beachten Wir sollten in Eritrea Urlaub machen um uns selber ein Bild zu machen. Es ist relativ einfach ein Visum zu bekommen. Herr Blocher machte diesbezüglich einen Fehler und wollte auch noch über Erzfeind Äthiopien einreisen. So geht das natürlich nicht.
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