Schmutzige Deals bei sauberem Geschäft

Kriminalität macht auch vor Umweltschutz nicht Halt: Der Handel mit Emissionsrechten wird zunehmend zum Tummelplatz von Kriminellen. Interpol schlägt nun Alarm.

Luftaufnahme eines Kohlekraftwerks in Deutschland mit rauchenden Schloten.

Bildlegende: Für den CO2-Ausstoss müssen Unternehmen Zertifikate erwerben. Keystone

Kriminelle Machenschaften und zwielichtige Finanzoperationen bringen den weltweiten Markt der Emissionszertifikate zunehmend in Verruf. Die internationale Polizeibehörde Interpol macht darauf in einem Report aufmerksam.

Trickbetrüger und Kriminelle würden wohlwollende Investoren zunehmend ausnützen, heisst es von Interpol. Nötig seien deshalb auf globaler Ebene mehr übergreifende Überwachung und entsprechende Regulierungen im Emissionsrechte-Handel.

Betrügerische CO2-Zeugnisse

Der erste Schwindel mit Emissionszertifikaten flog schon 2009 auf. Darin verwickelt war auch die Schweizerische Materialprüferin SGS. Sie hatte zusammen mit anderen Prüfern mehreren Unternehmen zu gute CO2-Zeugnisse ausgestellt, worauf diese mehr Zertifikate verkaufen konnten als ihnen eigentlich zustanden.

Im April 2010 durchsuchte dann die deutsche Polizei Filialen der Deutschen Bank. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Steuerbetrug, Geldwäsche und Vertuschung von Straftaten. Die Bank soll vor allem in Grossbritannien mit dubiosen englischen Firmen zusammengearbeitet haben. Diese sollen die Steuerbehörden mit dem Ankauf von Verschmutzungsrechten betrogen haben. Noch immer sind die Ermittlungen im Gang.

Handel mit nicht-existierenden Zertifikaten

Laut Interpol tauchten auch Schneeballsysteme auf, bei denen nur vorgegeben wurde, in Emissionsrechte zu investieren. Oder es wurden über Strohfirmen Rechte mehrmals verkauft. Auch wurden Zertifikate gehandelt, die gar nicht existierten oder jemand anderem gehörten.

Die Behörde betont, es sei schwierig für die einzelnen Länder, den Handel zu kontrollieren. Denn gerade der internationale Handel über Grenzen hinweg sei eine der Grundideen der Zertifikate.

Würde eine zentrale Kontrolle etwas bringen?

Deshalb will Patrick Hofstetter – er ist Klimaexperte beim WWF Schweiz – eine Zentralisierung der Kontrolle. Die UNO müsse den Zertifikaten-Handel kontrollieren und diese Kontrolle auch finanzieren. «Nur so ist Unabhängigkeit gewährleistet», sagt er.

Tatsächlich habe das System mit dem Handel von Emissionszertifikaten einen Konstruktionsfehler, sagt auch Carsten Smid. Er ist Klimaexperte von Greenpeace Deutschland. Bei dem Handel seien viele Geschäftemacher aufgesprungen. Und nicht alle von ihnen würden mit sauberen Mitteln arbeiten.

Sowohl Hofstetter vom WWF wie auch Smid von Greenpeace begrüssen das Vorgehen von Interpol: Die illegalen Machenschaften aufzudecken sei ein erster Schritt zu deren Bekämpfung. Das ist auch nötig, denn das Potenzial für Betrügereien ist riesig: Für das Jahr 2011 schätzt die Weltbank das Volumen des internationalen Emissionsrechte-Handels auf total 176 Milliarden Dollar.

Emissionshandel

Seit 1997 verpflichtet das Kyoto-Protokoll die teilnehmenden Länder zur Reduktion des Treibhausgas-Ausstosses. Dafür wurde die Ausstossmenge über Rechte begrenzt. Diese können unter den Unternehmen gehandelt werden. Reduziert eine Fabrik also ihren CO2-Ausstoss, kann sie die freiwerdende Menge an Zertifikaten weiterverkaufen.