Schonzeit zu Ende: Den Haag ruft serbischen Nationalisten zurück

Er soll im Balkankrieg schwere Verbrechen begangen haben und sass dafür über 11 Jahre in Den Haag im Gefängnis: der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj. Seit November genoss der 60-Jährige aufgrund eines Krebsleidens Haftverschonung. Damit soll nun Schluss sein.

Vojislav Seselj

Bildlegende: Vojislav Seselj benutzte den Gerichtssaal in Den Haag mehrfach als Bühne für seine verbalen Ausbrüche. Reuters

Der wegen schwerer Verbrechen in Bosnien und Kroatien während der Jugoslawienkriege angeklagte serbische Ultranationalist Vojislav Seselj muss erneut in Haft. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien hat die vorläufige Haftverschonung für Seselj aufgehoben.

«  Ich werde ganz sicher nicht freiwillig nach Den Haag zurückkehren. »

Vojislav Seselj
Serbischer Ultranationalist

Das Gericht hatte den 60-Jährigen im November vorläufig auf freien Fuss gesetzt, damit er sich in Serbien einer Krebsbehandlung unterziehen kann. Seither griff der Angeklagte das Tribunal mehrfach verbal an und erklärte, er werde nicht zur Urteilsverkündung erscheinen und auch eine mögliche Haftstrafe nicht antreten.

Seselj sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Entscheidung des UNO-Tribunals interessiere ihn nicht. «Ich werde ganz sicher nicht freiwillig nach Den Haag zurückkehren.» Seselj betrachtet den Haager Gerichtshof als «illegales Gericht».

Wird Serbien Seselj ausliefern?

Mit der Aufhebung der Haftverschonung ist es nun Aufgabe der serbischen Behörden, Seselj festzunehmen und nach Den Haag zu überstellen. Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic kündigte eine Entscheidung über eine eventuelle Verhaftung und Überstellung Seseljs für die nächsten Tage an. Vucic war über Jahre einer der engsten Mitarbeiter des serbischen Ultra-Nationalisten Vojislav Seselj.

Seselj werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Zeit der Jugoslawienkriege Anfang der 1990er-Jahre vorgeworfen. Der serbische Ultranationalist stellte sich im Februar 2003 freiwillig dem Tribunal, weil er «eine Schau, wie sie dieses Gericht bietet», nicht verpassen wollte. Die Anklage fordert 28 Jahre Haft; Seselji plädiert auf unschuldig.

Während des Verfahrens wurde der 60-Jährige bereits mehrfach wegen Missachtung des Gerichts zu Haftstrafen verurteilt. Der Prozess ist abgeschlossen, nach einem Richterwechsel wurde die Urteilsverkündung jedoch verschoben. Mit einem Urteil wird frühestens Mitte 2015 gerechnet.

Ziel: Ethnische Säuberung?

Die Anklage wirft Seselj vor, zwischen 1991 und 1993 an gemeinschaftlichen kriminellen Unternehmen teilgenommen zu haben, welche die «ethnische Säuberung» von Teilen Kroatiens, Bosniens und der serbischen Provinz Vojvodina von Nicht-Serben zum Ziel gehabt hätten.