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International Schotten drohen erneut mit Abspaltung von Grossbritannien

Vor eineinhalb Jahren entschieden sich Schottland dafür, im Vereinigten Königreich zu bleiben. Das Thema schien vom Tisch. Doch nun droht die schottische Chefministerin, Nicola Sturgeon, erneut mit der Abspaltung – falls die Briten im Juni für einen Austritt aus der EU stimmen sollten.

Nicola Sturgeon am Rednerpult.
Legende: In Schottland regiert die Nationalpartei SNP, hier Chefministerin Nicola Sturgeon, mit absoluter Mehrheit. Reuters

Die amtierende und aller Voraussicht nach künftige Chefministerin von Schottland, Nicola Sturgeon, führt ihre schottische Nationalpartei (SNP) in die Regionalwahlen vom 5. Mai. Gleichzeitig droht sie, das Vereinigte Königreich zu verlassen, falls England im Juni für einen Austritt aus der EU stimmen sollte.

Schottische Nationalisten siegessicher

Nicola Sturgeon war schon in Siegerlaune, als sie am Nachmittag in Glasgow vor ihren Parteidelegierten sprach. Labour und die Konservativen balgten sich um den zweiten Platz im künftigen schottischen Parlament in Holyrood. Die SNP wolle regieren, mit ihr an der Spitze, so Sturgeon. Und das wird nach dem 5. Mai auch geschehen.

Die schottischen Nationalisten bereiten sich auf ihre dritte Legislaturperiode vor, nachdem sie im letzten Mai bei den Unterhauswahlen 56 von 59 schottischen Sitzen errungen hatten. Danach folgt gleich das britische EU-Referendum am 23. Juni.

Die SNP und Schottland wollen keinen Brexit. Sturgeon meint, Schottlands Zugehörigkeit zur EU dürfe nicht einem bitteren Zwist innerhalb der Konservativen Partei (Tories) zum Opfer fallen. Labour und die Tories hätten den Schotten vor anderthalb Jahren gedroht, sie müssten die EU verlassen, falls sie für die Unabhängigkeit stimmten.

Selbständigkeit käme Schotten teuer zu stehen

Dass dieselbe Partei Schottland nun an den Rand des Austritts führe, sei nicht bloss verantwortungslos, sondern in höchstem Masse heuchlerisch. Doch Sturgeon hütet sich, ihren Anhängern für diesen Fall die sofortige Unabhängigkeit zu versprechen. Statt dessen kündigte sie an, die Partei werde sich die Konditionen der erhofften Selbständigkeit neu überlegen, um Zweifler zu überzeugen.

Zur Begeisterung der Parteidelegierten im Saal stellte sie allerdings einen neuen Propagandafeldzug in Aussicht: Schon diesen Sommer wolle die SNP wieder für die Unabhängigkeit werben.

Legende: Video Schotten drohen erneut mit Abspaltung abspielen. Laufzeit 1:22 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 12.03.2016.

Das ist wohlfeil. Und muss es wohl auch sein. Denn diese Woche stellte sich heraus, dass Schottland im letzten Steuerjahr ein Defizit von nahezu zehn Prozent seiner Wirtschaftsleistung verzeichnet hatte. Sinkende Öleinnahmen und grosszügigere Ausgaben als England haben die Bilanz tiefrot gefärbt.

Auf sich selbst gestellt müssten die Schotten mit saftigen Steuererhöhungen rechnen. Das mag sie nicht daran hindern, nach einem Brexit diesen Weg zu wählen, aber es käme sie teuer zu stehen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Typische für jede BREXIT Diskussionen wird es sein, den BREXIT eigentlich abzuwürgen. Die Schotten gehen da genau in die Richtung, die Cameron eigentlich auch geht.
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  • Kommentar von Heiner Zumbrunn (Heiner Zumbrunn)
    Eine klare sehr nachvollziehbare Drohung. Schottland in England ohne EU ist dem Untergang gewidmet. Das ist wie der Kanton Appenzell Innerrhoden ohne die Schweiz. Geht halt nicht. Es ist schön, dass es Menschen gibt, die die vielen Vorzüge von einem nahe zusammen gerückten Europa sehen. Dass die EU zur Zeit nicht optimal funktioniert ist auch auf die vielen nationalistischen Parteien zurück zuführen, die für jedes Dorf noch eine Sonderwurst haben wollen. Ähnlich wie wir in der Schweiz.
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    1. Antwort von u. Felber (Keule)
      nein, es ist die zunehmende Fremdbestimmung das Problem, welches die Staaten dermassen auseinander driften lässt. Man nimmt kaum mehr Rücksicht auf regionale unterschiede!
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  • Kommentar von Jonathan Faye (Jonathan Faye)
    Wie kann man freiwillig in der EU bleiben?
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    1. Antwort von Johannes Schwärzel (Joe Black)
      Weil - man weiss, dass man in einer globalisierten Welt lebt. - Nationalismus und Nationalstaaten seit dem 1. Weltkrieg überholt sind. - man weiss, dass es sich besser miteinander statt gegeneinander leben lässt. - etc.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Johannes Schwärzel, Sie glauben das was Sie da schreiben nicht wirklich, oder doch? - NB: Auch Nationalstaaten könnten, wenn sie den wollen friedlich nebeneinander leben. - Heute haben sog. supranationale Bündnisse, die sogar einen wesentliche Gefahr für den Frieden angesehen werden müssen. Einer vermag all die anderen ins Verderben mitzureissen. (NB:) Es besteht wieder ein politischer Automatismus innerhalb einer Zwangsgemeinschaft. Wie damals ja auch vor dem 1.WK !!!
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Hr Schwärzel, wir leben in einer globalisierten Welt, wo diverse Bündnispolitik-Strukturen einander rivalisierend gegenüber stehen. Ein konstruktives Zusammenleben ist unter solchen Bedingungen kaum wirklich zu erwarten. Der Konflikt ist die Normalität, einvernehmliche Regulierungen zum Wohle aller, eher die Ausnahme. Es geht um Vorherrschaft und Einfluss sowie wirtschaftliche Machtinteressen. Die Wirtschaft ist instrumentalisierter Teil des Machtanspruches und Grundlage für die Machtausübung.
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