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International Schottlands Separatisten holen auf – London ist alarmiert

Das Unabhängigkeitsvotum Schottlands wird zur Zitterpartie. Zehn Tage vor dem Referendum liegen die Befürworter der Unabhängigkeit erstmals in einer Umfrage vorn. Die britische Regierung versucht nun in letzter Minute Gegensteuer zu geben – mit Versprechungen.

Legende: Video «Schottland liebäugelt mit der Unabhängigkeit» abspielen. Laufzeit 2:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.09.2014.

Es wird doch noch knapp in Schottland: Zehn Tage vor der Abstimmung über eine Abspaltung von Grossbritannien erhalten die Separatisten in einer Umfrage erstmals mehr Stimmen als die Gegner. Noch vor einem Monat lagen sie in Umfragen 22 Prozentpunkte hinter den Anhängern eines einigen Grossbritanniens.

51 Prozent der Befragten erklärten, sie würden für eine Unabhängigkeit Schottlands von England, Wales und Nordirland stimmen. 49 Prozent waren dagegen. Das ergab eine Umfrage des Instituts «YouGov» für die britische Sonntagszeitung «Sunday Times».

Keine positive Botschaft

«Der Wind ist nun im Rücken der Separatisten», meint Martin Alioth, SRF-Korrespondent in Grossbritannien, zu der «YouGov»-Umfrage. «Das bildet diese heutige Umfrage unverkennbar ab.» Die Trendwende habe auch mit der Natur der gestellten Frage zu tun. «Die Separatisten vertreten möglicherweise ein idealistisches Projekt, haben aber eine positive Botschaft zu verkünden. Die Gegner, die den Status quo befürworten, müssen fast zwangsläufig zu Drohkulissen greifen. Das geht den Stimmbürgern mit der Zeit auf den Wecker.»

In einer zweiten Umfrage lagen die Unionisten unterdessen weiterhin knapp vorn. 52 Prozent wollten weiter zu Grossbritannien gehören, 48 Prozent lieber eigenständig sein, wie das Meinungsforschungsinstitut «Panelbase» im Auftrag der «Yes»-Kampagne ermittelte.

«Mehr steuerliche Autonomie»

London will den Schotten nun offenbar neue Zugeständnisse machen, um sie zum Verbleib in Grossbritannien zu bewegen. Laut Martin Alioth geht es dabei darum, den Schotten weitgehende steuerliche Autonomie zu gewähren und um neue Kompetenzen in der Sozialpolitik.

«Nach dem Willen des schottischen Regierungschefs Alex Salmond hätte dieses Paket ursprünglich auf dem Stimmzettel als dritte Option stehen sollen. Aber die britische Regierung wollte eine klare Ja/Nein-Frage.» Und jetzt komme wegen dieser neuen Meinungsumfrage notfallmässig dieses Angebot. Es wäre besser gewesen, dies auf dem Stimmzettel auszumachen, sagt Alioth.

Hinzu käme, dass im Moment in London eine konservativ geführte Regierung am Ruder sei. Die Konservativen in Schottland blieben nicht wählbar. Dies mache es den Separatisten leicht, derartige Zusatzangebote abzuwerten und sie als unglaubwürdig einzustufen, so Alioth.

Pfund, EU und Öl

Die Volksabstimmung über Schottlands Unabhängigkeit findet am 18. September statt. Sollte eine Mehrheit der vier Millionen Schotten mit «Ja» stimmen, würde das Land im Frühjahr 2016 unabhängig werden. Das Vereinigte Königreich würde einen seiner vier Teile verlieren.

Die britische Regierung warnt die Schotten unter anderem davor, dass Schottland im Fall einer Loslösung das Pfund nicht behalten könne. Und dies hätte wohl tiefgreifende Auswirkungen auf die schottische Wirtschaft.

Die schottischen Nationalisten werfen der britischen Regierung insbesondere vor, den Reichtum des Landes zu verschwenden: Statt in die armen Regionen Schottlands flössen die Einnahmen aus den schottischen Öl-Vorkommen vor allem nach London.

Unklar ist, ob Schottland als eigenständiger Staat automatisch Mitglied der Europäischen Union bleibt.

Die Argumente

Die Argumente

Schottland steht vor einem historischen Entscheid: Am 18. September könnte das Land unabhängig werden. Ein Überblick über die Argumente der beiden Lager.

Schwerpunkt Schottland

SRF 4 News hat das Land vor der Abstimmung unter die Lupe genommen: Weiter zum Themenschwerpunkt.

23 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    HOPP SOTTLAND, ihr schafft es ! Macht es der Schweiz nach , weg von den lästigen Blutsaugern. Ihr benötigt wie wir, keinen Krümmungsradius der Gurken .
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    1. Antwort von M. Hediger, Aarau
      Ja der Krümmungsradius der Gurken! Dann waren die Glühbirnen dran, welche beim Zerbrechen gefährlich sind. Jetzt folgen die Staubsauger... Gut hat die EU keine andere Probleme ;-)
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Also ehrlich, ob ich von Brüssel oder von Bern aus unterdrückt und ausgesaugt werde, kommt für mich auf das Gleiche heraus. Das mit den fremden Vögten ist an den Haaren herbeigezogen. Als Gessler & Co. vertrieben wurden - doch, ich glaube an den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte -, war das zwar gut für Stauffacher & Co., weil sie danach ohne Fremde regieren konnten, aber für die Armen hat sich faktisch nichts geändert, und zwar bis heute. Wer Augen hat zu sehen, der sehe! (Bibel)
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    3. Antwort von M. Wyrsch, Luzern
      M.Kaiser, Rebstein; Da liegen sie völlig falsch. Die schottischen Separatisten wollen bei einem Ja in der EU bleiben oder neu beitreten, wie auch immer. Schottland, insbesondere ihre Agrarwirtschaft, profitiert von der EU!! Das sind Facts, Herr Kaiser!
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    4. Antwort von markus riedberger, schönenberg
      Herr wirsch auch wier würden. Von der eu provitieren aber das merken die ewig gestrigen ja nicht.so bezahlen wir nur und haben nichts zu sagen.
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  • Kommentar von Werner Wyssmann, 4552 Derendingen
    Bei der Aufteilung Jugoslawien machten die Engländer fleissig mit, betreffs der Ukraine sind sie gegen eine Föderalisierung und jetzt vergiessen sie Tränen wegen Schottland. Möglicherweise werden sie die Abstimmung als völkerrechtswidrig taxieren....!?
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Na dazu fehlt ihnen eine M.Thatcher.........;-)
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Falls sich die Schotten für die Unabhängigkeit entscheiden, höre ich die Queen schon heute sagen: "I'm not amused!". Aber ein böser Gedanke. Hat dann das weisse Andreaskreuz von Schottland neben dem roten von Irland im Georgskreuz der Nationalflagge des Vereinigten Königreichs Grossbritannien und Nordirland, dem "Union Jack" noch was zu suchen? Uiuiui, könnte das eine weltweite Umdruckerei der Fahnen bedeuten, wenn ich da an die Kolonien und Commonwealth denke. Vielleicht weiss es jemand ;-)
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    1. Antwort von S.Zulauf, Chur
      Nicht nur das weisse Andreaskreuz, sondern auch der blaue Hintergrund müsste weg!
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