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Schritte zur Versöhnung Kanada bereinigt Schandtat an sechs Tsilhqot'in-Häuptlingen

Legende: Audio Justin Trudeau entschuldigt sich im Namen der Nicht-Indigenen abspielen. Laufzeit 2:49 Minuten.
2:49 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der kanadische Premierminister Justin Trudeau entschuldigt sich beim Stamm der Tsilhqot’in für die Tötung von sechs Häuptlingen vor 154 Jahren.
  • Trudeau hatte sich 2017 bereits in Neufundland und Labrador für im 20. Jahrhundert an indigenen Kindern begangenem Unrecht entschuldigt.
  • Er hatte sich auch bei Militär- und Polizeioffizieren entschuldigt, deren Karrieren in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts verunmöglicht wurden, weil sie homosexuell waren.

Kanada macht einen weiteren Schritt, um das Verhältnis zu den Ureinwohnern zu verbessern. Vor versammeltem Parlament entschuldigte sich Premierminister Justin Trudeau beim Volk der Tsilhqot’in aus der Provinz Britisch Kolumbien für begangenes Unrecht. Sechs Häuptlinge des Volkes waren vor 154 Jahren als Mörder gehängt worden.

Die Führer der Tsilhqot’in hätten im Jahre 1864 etwas getan, was heute als normal angesehen werde, hiess es am Montag von Vertretern aller Parteien im kanadischen Parlament: Sie hätten ihr Land und ihr Volk verteidigt.

Es ging ums Gold

Goldsucher waren ins Gebiet der Tsilqot’in im Innern der Provinz Britisch Kolumbien eingedrungen. Sie bauten eine Zufahrt zu den vermuteten Goldvorkommen. Die Indianer setzten sich zur Wehr. 14 der Eindringlinge wurden getötet. Als die Häuptlinge mit den lokalen Behörden verhandeln wollten, wurden sie verhaftet und als Mörder gehängt.

Nun, 154 Jahre später, sprach Premierminister Justin Trudeau die Häuptlinge von jeder Schuld frei. Sie seien als Kriminelle behandelt worden zu einer Zeit, als die Kolonialregierung und das kanadische Gesetz die Rechte der Indigenen nicht respektiert hätten, sagte Premierminister Trudeau.

Ein neuer Weg

So wie den Tsilqot'in ging es in Britisch Kolumbien allen indianischen Völkern. Fast nirgends schlossen die Siedler einen Vertrag mit den Ureinwohnern ab. Sie nahmen deren Land einfach in Beschlag, was auch deshalb relativ leicht war, weil Seuchen Zehntausende Indianer dahinrafften.

Die Entschuldigung Kanadas sei wichtig für die Versöhnung, betonte der Häuptling der Tsilqot'in, Joe Alphonse. Kanada könne zu einem Vorbild für andere Staaten mit indigener Bevölkerung werden. Es sei ein neuer, ein besserer Weg, die Dinge zu regeln.

Noch längst nicht alles aufgearbeitet

2014 hielt das Oberste Gericht Kanadas fest, dass die Tsilqot'in Rechte auf rund 1’700 Quadratkilometer Land hätten. Wie das Urteil umzusetzen ist, darüber wird noch verhandelt. Erst mit acht der rund hundert indianischen Völker Britisch Kolumbiens haben die Regierung der Provinz und die Zentralregierung in Ottawa inzwischen die Landansprüche und das künftige Verhältnis geregelt.

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