Schulanfang nach dem Erdbeben

Nach den Sommerferien gehen in Italien die Schulen wieder auf – heute auch in Amatrice, das beim Erdbeben vor drei Wochen zu einem grossen Teil zerstört worden ist. Die Schule stürzte ein. Doch nun werden die Schüler in einem Provisorium unterrichtet – für die Bevölkerung ein Zeichen der Hoffnung.

Bunte Container stehen nebeneinander.

Bildlegende: Zu den Schulcontainern sollen bald eine Turnhalle und ein Fussballplatz hinzukommen. SRF

Bis zuletzt haben die Bagger geschaufelt, damit die Kinder im mittelitalienischen Amatrice heute wieder eine Schule haben. Auf der noch morastigen Erde, neben Ruinen und vom Erdbeben schwer beschädigten Häusern, stehen etwa zehn bunt bemalte Schulcontainer. Ivo Erler vom Zivilschutz ist stolz: «Viele haben in kürzester Zeit super Arbeit geleistet.» Und das sei nur der Anfang. Eine Mittelschule, eine Turnhalle und ein Fussballplatz sollen bald hinzukommen.

Zivilschützer Erler nennt das «Normalität». Und auf genau die freut sich die 11-jährige Alessia – auch wenn diese Normalität Schule bedeutet. «Wir fahren mit dem fort, was wir vor dem Beben gemacht haben», sagt das Mädchen mit den Zöpfen aufgeregt. Seit dem Erdbeben lebt sie wie alle hier in einer Zeltstadt. «In der Schule sehe ich meine Freunde wieder.»

Viele haben den Ort verlassen

Für 200 Schülerinnen und Schüler hat das Provisorium Platz. Wie viele heute wirklich kommen, weiss niemand, denn viele haben das zerstörte Amatrice verlassen und leben nun bei Verwandten anderswo in Italien. Damit nicht noch mehr gehen und womöglich nie mehr zurückkehren würden, habe man als Erstes diese Schule wiedereröffnen müssen, sagt Schulpräsidentin Maria Rita Pitoni. «Mit dieser Schule wird die Gemeinschaft von Amatrice wiedergeboren.»

Ein teilweise zerstörtes Gebäude.

Bildlegende: Die alte Schule in Amatrice wurde vom Erdbeben schwer beschädigt. Reuters

Doch diese Gemeinschaft ist durch das Beben verunsichert. Ein Vater, der seine Tochter auf den Schultern trägt, zeigt auf die Trümmer der alten Schule. Sie brach zusammen wie ein Kartenhaus, obwohl sie eben erst saniert worden war. «Jetzt bin ich beruhigt, denn die neue Schule besteht aus Containern», sagt der Vater. «Diese Container werden das nächste Beben bestimmt überstehen.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Untersuchungen nach Erdbeben in Italien eingeleitet

    Aus Tagesschau vom 30.8.2016

    Eine knappe Woche nach dem Erdbeben findet in Amatrice eine Trauerfeier für die 230 Todesopfer statt. Derweil hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, weil öffentliche Gebäude offenbar nicht erdbebensicher restauriert wurden.

  • 43 Hunde sind nach dem Erdbeben auf der Suche nach Verschütteten.

    Erdbeben in Italien: Verzweifelte Suche nach Überlebenden

    Aus Rendez-vous vom 25.8.2016

    Die Rettungskräfte und Helfer in Mittelitalien haben in den letzten Stunden nur noch Tote aus den Trümmern bergen können. Die Retter graben vorsichtig weiter. Gibt es noch Hoffnung auf Überlebende? Gespräch mit SRF-Italienkorrespondent in Amatrice.

    Ivana Pribakovic