Zum Inhalt springen

International Schuldzuweisungen, Trauer und Wut nach MH17-Absturz

Zwei Tage nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine herrschen an der Unfallstelle chaotische Zustände. Ermittler werden bei ihrer Arbeit behindert, in der Region wird weiter gekämpft.

Legende: Video Chaos an der Absturzstelle abspielen. Laufzeit 00:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2014.

Ausländische Ermittler in der Ostukraine klagen über massive Behinderungen durch die Separatisten. Ein Sprecher der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte, bewaffnete Rebellen hätten die Arbeit der etwa 20 OSZE-Vertreter am Absturzort erheblich eingeschränkt.

Der OSZE-Sprecher sagte, dem Team sei erneut der vollständige Zugang zur Absturzstelle verwehrt worden. Die Gruppe habe aber zumindest mehr Bewegungsfreiheit als am Vortag bekommen. Am Freitag konnten sich die Beobachter nur etwa 70 Minuten lang an der Absturzstelle aufhalten.

Die ukrainische Regierung beklagte sich ebenfalls über Beschränkungen ihrer Experten. Fachleute aus Kiew hätten sich lediglich 30 Minuten unter Aufsicht bewaffneter Aufständischer an der Absturzstelle nahe Grabowo aufhalten dürfen, sagte der ukrainische Vize-Regierungschef Wladimir Groisman.

Beweise vernichtet

Die ukrainische Regierung warf den prorussischen Separatisten ausserdem vor, am Absturzort Beweismaterial zu vernichten. Die Aufständischen wollten mit Lastwagen Wrackteile über die russische Grenze bringen, hiess es in einer am Samstag in Kiew veröffentlichen Mitteilung. Die Separatisten wollten «Beweise ihrer Mitwirkung an dem Unglück vertuschen». Zudem hätten die militanten Gruppen 38 Leichen von der Absturzstelle in die Grossstadt Donezk gebracht.

Leichen abtransportiert

Auch der OSZE-Sprecher sagte, die Mitarbeiter der Organisationen hätten beobachtet, wie Leichen von Unbekannten in Plastiksäcke gepackt und an den Strassenrand gebracht wurden.

Legende: Video OSZE-Beobachter inspizieren Absturzstelle abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2014.

Die prorussischen Separatisten räumten den Abtransport sterblicher Überreste von der Absturzstelle ein. «Einige Dutzend Leichen», die mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen hätten, seien «in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern» nach Donezk gebracht worden, sagte der Rebellensprecher Sergej Kawtaradse am Samstag.

«Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen», sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben. Zuvor hatten die Separatisten den Abtransport der Leichen abgestritten.
Den Vorwurf der Vernichtung von Beweismaterial wiesen die Separatisten aber zurück. Sie sagten den Experten eine Zusammenarbeit zu. Die Separatisten wollen weiterhin im Absturzgebiet bleiben, um vor Ort eine «objektive Untersuchung» zu gewährleisten.

Keine Hinweise auf Schweizer Opfer

Beim Absturz der Boeing mit der Flugnummer MH 17 am Donnerstag waren alle 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen - unter ihnen 193 Niederländer. Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines hat inzwischen auch eine Namensliste der Opfer veröffentlicht.

Schweizer scheinen keine unter den Opfern gewesen zu sein: «Dem EDA liegen bislang keine Hinweise vor, dass sich unter den Todesopfern Schweizer Staatsangehörige befinden», teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Es würde weiter abgeklärt, ob sich unter den Todesopfern Schweizer Doppelbürger befänden.

Von mehr als 100 Absturzopfern fehlte auch zwei Tage nach dem Unglück weiter jede Spur. Bislang seien 186 Leichen geborgen worden, teilte der staatliche ukrainische Rettungsdienst am Samstag mit. Die Suche nach den übrigen Opfern gestalte sich sehr schwierig, da die Wrackteile über etwa 25 Quadratkilometer verstreut seien.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

36 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Ich finde es mehr als stossend, wie in Kindergartenmanier über Schuld und Unschuld geschwafelt wird. Kein Wort der TRAUER oder des BEDAUERNS für die fast 300 unschuldigen Opfer. Keine Nachfrage wie es den Hinterbliebenen geht. Beiträge dieser Art werden von den Medien totgeschwiegen oder zensuriert. Es ist widerlich im höchsten Grad!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M.Krebser, Thun
    "Die ukrainische Regierung warf den prorussischen Separatisten ausserdem vor, am Absturzort Beweismaterial zu vernichten". Unglaublich, wie unglaubwürdig diese Aussage ist. Ausgerechnet die Kiever Junta ist an Vernichtung an Beweismittel interessiert weil sie wissen dass sie hinter diesem Verbrechen stehen. Es gibt Hinweise, dass SBU die letzten Gespräche zwischen Air Traffic Control und MH17 verschwinden gelassen und zudem wurden immer noch keine Internationale Kommission aus Kiev geschickt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Eigenartig ist daß die USA angeblich den Abschuß der Rakete via Satellit erfaßt haben, aber den Abschuß - Ort nicht bekannt geben. Was steckt dahinter ? War die Abschußrampe am falschen Ort ? War es doch ein Fehlschuß der UKR? Die ukrainische Regierung würde niemals zugeben das Flugzeug irrtümlich abgeschossen zu haben. Und die Aufständischen waren technisch nicht in der Lage eine solche Tat zu begehen und warum sollten sie ein mit FII Transponder abgesichertes Flugzeug zerstören ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Sie haben auch den Ort genannt! Bin immer mehr fassungslos, wie einfachste Dinge, einfach ignoriert werden und dann das wildeste Zeug zusammengebastelt wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen