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Kernwaffenbasen in Europa Schulz baut die Atomsprengköpfe taktisch in seinen Wahlkampf ein

Deutschland ist zwar keine Atommacht. Aber in Deutschland sind Atomwaffen der USA stationiert. Das wird sich auch mit Martin Schulz als Kanzler nicht ändern.

Legende: Audio Vor dreissig Jahren zogen die USA die Pershings aus Deutschland ab abspielen.
2:39 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland, Italien, Belgien, der Türkei und in den Niederlanden haben die USA Atomsprengköpfe stationiert. Es sind Relikte des Kalten Krieges.
  • Der deutsche Kanzlerkandidat Martin Schulz fordert den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland.
  • Doch angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage wird dies niemand ernsthaft in Erwägung ziehen.

Rund um die Atombomben in Deutschland ist fast alles geheim. Weder wo sie stationiert noch wie viele es sind, wird offiziell bestätigt. Trotzdem ist bekannt, dass auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel wohl um die 20 B61-Bomben gelagert sind, die von Tornados der Bundeswehr abgeworfen werden könnten. Sie sind ausgesprochen unpopulär.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verspricht: «Ich werde mich dafür einsetzen, dass in Deutschland gelagerte Atombomben aus unserem Land abgezogen werden.» Das Medienecho ist gross, wenn auch durchwachsen. Aus der Bevölkerung gibt es Applaus. Doch passieren wird rein gar nichts.

Atombomben in vielen Ländern Europas

Schon die früheren Aussenminister Joschka Fischer und Guido Westerwelle setzten sich für den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland ein. Tatsächlich sind sie ein Relikt des Kalten Krieges. Vielen ist gar nicht bewusst, dass es auch in den Nicht-Atommächten Deutschland, Italien, Belgien, in der Türkei und den Niederlanden Atombomben gibt, und zwar amerikanische.

Es sind sogenannte taktische Atomwaffen, gedacht für den gezielten Einsatz gegen militärische Ziele und nicht um ganze Städte in Schutt und Asche zu legen. Die B61-Bomben dienen also nicht der Abschreckung. Die meisten Militärs denken trotzdem nicht ernsthaft daran, sie tatsächlich in einem konventionellen Krieg einzusetzen.

Viele sagen gar mehr oder minder offen, sie seien militärisch überflüssig. Festgehalten an ihnen wird aus politischen Gründen. Sie gelten als symbolisch wichtiges Element der gemeinsamen Nato-Verteidigung, sagt Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Die Nato ist eine nukleare Allianz

Mit den B61-Bomben haben die Nato-Länder – und zwar nicht nur Grossbritannien und Frankreich, die eigene Atomwaffen besitzen – ein bisschen den Finger am Drücker, selbst wenn sie ohne US-Genehmigung diesen Drücker gar nicht betätigen könnten. Gern wird betont, die Nato sei eben eine nukleare Allianz.

Angesichts der politischen Grosswetterlage wird sich daran nichts ändern. Auch wenn Schulz Bundeskanzler würde, dürfte er seine Forderung kaum erfüllen. Die USA ihrerseits werden unter Präsident Donald Trump ihre Atomsprengköpfe nicht von sich aus Europa abziehen. Vielleicht brauche man sie ja mal, etwa gegen den IS.

Trump gilt als Anhänger von Atomwaffen. Die Vision einer atomwaffenfreien Welt seines Vorgängers Barack Obama hat er zügig begraben.

Deutschland kann nicht anders

Und Deutschland will nicht ausscheren, sagt Verteidigungsminister Ursula von der Leyen. «Deutschland bleibt Teil der nuklearen Teilhabe, das ist richtig.» Berlin würde sich sonst innerhalb der Allianz isolieren, ausgerechnet jetzt, da manche ohnehin um den Nato-Zusammenhalt bangen. Und andere es für undenkbar halten, Atomwaffen abzuziehen ohne irgendwelche Gegenleistung Russlands.

33 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Nun kann ja der gute Herr Schulz mal proklamieren was er will, frei nach dem Motto: was interessiert mich mein dummes Geschwätz von Gestern: Deutschland entscheidet nicht über die Stationierung von Atomwaffen, das tun andere mangels eines realen Friedensvertrages. Was sind Poltiker doch für tolle Typen.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Der macht sich zum Narren in diesem Wahlkampf, und er fühlt sich damit auch noch wohl und gut. Es wird immer sichtbarer warum Gabriel sich da zurückgezogen hat.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Obama bei seinen beiden letzten Reisen in D. ja irgendwie eine klare Ansage gemacht hat. "Wäre ich Deutscher, würde ich Merkel wählen." Gabriel dann seinen fähigsten Mann (Steinmeier), welcher diesmal echte Chancen gehabt hätte ins politische Aus geschickt, holt er dann den Brüsseler-Schulz, welcher bei Flüchtlingspolitik der Kanzlerin immer dieselbe Linie gefahren ist, soll jetzt gegen sie antreten. Diese ganze Wahlveranstaltung ist ein Fake, weil es wieder Merkel werden muss.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Kandidiert da jemand als Bundeskanzler, nur scheint er bis heute noch nicht rausgefunden zu haben, weshalb. Wie eine andere Kandidatin anderswo vor Jahresfrist scheint er keinerlei Programm zu haben, deshalb klammert er sich an jedes Luftzüglein, das grad aufkommt. Sich in die Riemen legen und Rudern, dazu müsste man eigenes Ziel und inneren Kompass haben. Kein Wunder fehlt ihm das, nach 25-jähriger "Karriere" in EU-Brussel scheint man von jeglicher Bodenhaftung längst amputiert zu sein.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nun, die Umfragewerte von jetzt Aussenminister Gabriel ja sehr schlecht waren, musste halt, um wenigstens einen Kandidaten gegen Merkel aufstellen zu können Schulz aus Brüssel herhalten. Den besten Mann, welche die SPD hat, haben sie ja selber ins politische Aus gestellt. Aber die Deutschen sind so träge geworden, dass sie dann lieber Merkel als das kleinere Übel wählen. Und selbst wenn viele nicht stimmen, wird sie durch freundliche Unterstützung der CSU wieder Kanzlerin werden.
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