Schwacher Rubel macht reiche Russen zu Schnäppchenjägern

Reiche Russen decken sich in der Wirtschaftskrise mit westlichen Nobelkarrossen ein. Dank Rubelverfall sind sie günstig. Wer nicht über das nötige «Kleingeld» verfügt, muss sein Leben einschränken – und der Unmut wächst. Es gibt bereits erste Proteste.

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Schnäppchenjagd trotz Wirtschaftskrise

1:43 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.12.2014

Findige und vor allem reiche Moskauer wissen die schwerste Wirtschaftskrise der Ära Putin zu nutzen. Sie haben ihr Vermögen in Dollar oder Euro angelegt. Jetzt wechseln sie die harten Währungen in Rubel – und gehen damit auf Schnäppchenjagd – auch im Luxus-Preissegment westlicher Automarken. Da die Autopreise nächstes Jahr steigen werden, sind diese eine gute Investition.

Und es gibt noch weitere Gründe, weiss Thomas Stärtzel von Porsche Moskau. In der Krise seien eben Wertstabilität und ein guter Wiederverkaufswert gefragt, sagt er.

«Alles wird teurer»

Für die meisten Russen sind Investitionen in Luxuswaren jedoch illusorisch. Der Währungscrash schürt sogar bei vielen Existenzängste. Innerhalb eines Jahres hat der Rubel gegenüber dem Euro rund 90 Prozent an Wert verloren.

Wie sich die Wirtschaftskrise unmittelbar auswirkt, erklärt die Juristin Natalia Logwinenko «Ich wollte über Silvester Urlaub in Westeuropa machen. Das geht nicht, weil ich es mir nicht mehr leisten kann. Alles wird teurer. Flüge, Hotels. Viele müssen jetzt auf Urlaube verzichten.»

Ein Ende ist noch nicht abzusehen, denn der Rubel fällt und fällt. Die Gründe: Niedriger Ölpreis, marode Wirtschaft, Sanktionen des Westens und hohe Verschuldung russischer Konzerne. «Firmen haben Kredite im Ausland in Dollar aufgenommen. Jetzt tauschen sie Rubel in Dollar um Schulden zurückzuzahlen. Das drückt den Kurs», ergänzt Dmitrij Oreschkin vom Institut für politische Institutionen.

Anfang einer Protestwelle?

Die Krise treibt schon klamme Moskauer auf die Strasse. Sie verlangen ein Umschuldungsprogramm für Hypotheken. Wenn der Staat den Währungsabsturz nicht in den Griff kriegt, werden die Proteste wohl bald ganz andere Dimensionen erreichen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Russlands Regierung verkauft Devisenreserven

    Aus Tagesschau vom 17.12.2014

    Russlands Regierung stemmt sich gegen den Rubelverfall. Die russische Zentralbank fängt nun an Devisenreserven zu verkaufen, um den Rubel zu stützen. Sofort hat der Rubel fünf Prozent zugelegt gegenüber dem Dollar. Seither wechseln sich Kursgewinne- und Verluste ab. Einschätzungen von Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.

  • Russischer Rubel auf Talfahrt

    Aus 10vor10 vom 16.12.2014

    Trotz einer kräftigen Zinsanhebung befindet sich die russische Währung im freien Fall: Seit Januar hat der Rubel im Verhältnis zum Euro rund 60 Prozent seines Wertes verloren.