Schweden läuft im Fall Assange die Zeit davon

Seit drei Jahren sitzt der Australier Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Der Wikileaks-Gründer soll in Schweden Sexualdelikte an zwei Frauen begangen haben. In einigen Tagen verjährt ein Teil der Vorwürfe. Schweden ist unter Zugzwang.

Assange (rechts) spricht in ein Mikrofon und gestikuliert, neben ihm sitzt ein Mann mit Brille, es ist der Aussenminister Ecuadors.

Bildlegende: Assange bei seiner letzten Medienkonferenz vor einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft. Reuters Archiv

Schweden hätte lange Zeit gehabt, um mit Wikileaks-Gründer Julian Assange in London zu sprechen. Bis jetzt hat Schweden mit der Begründung darauf verzichtet, ein Verhör zu derart schwerwiegenden Vorwürfen könne juristisch sauber nur in Schweden selbst durchgeführt werden.

Es geht um die Wahrung des Gesichts

Doch jetzt muss es schnell gehen, denn Teile der Anschuldigungen verjähren in den kommenden zwei Wochen. Es handelt sich um die Beschuldigung zweier Frauen, dass Assange sie sexuell belästigt und genötigt habe. Im Falle einer Verjährung werden diese Beschuldigungen ad acta gelegt.

Für Schwedens Justiz geht es nun also um sehr viel – nicht zuletzt auch um eine Gesichtswahrung. Und deshalb bemüht sich die zuständige schwedische Staatsanwältin seit Monaten darum, Assange doch noch in London, wo er sich seit drei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft aufhält, zu befragen.

Doch nun stellt sich die Frage, ob auch Ecuador, das mit dem politischen Asyl für Assange selbst klar Stellung bezogen hat, an einer solchen Lösung Interesse hat.

Höchstrichterlicher Spruch im Herbst

Klar ist, Schweden muss sich nun sputen. Denn für eine einvernehmliche Kompromisslösung ist es längst zu spät – für Assange selber, Schwedens Justiz, Grossbritanniens Polizei und Ecuadors Diplomatie. Mit der Teilverjährung in der kommenden Woche wird sich der schwierige Knoten um Julian Assange wohl kaum lösen lassen.

Denn noch bis zum Jahre 2020 kann Schweden verlangen, Assange wegen der Vergewaltigungsvorwürfe befragen zu wollen – während die Staatsanwältin daran festhalten dürfte, wird das höchste Gericht Schwedens im Herbst entscheiden, ob dem jahrelangen Seilziehen ein Ende bereit werden soll.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Julian Assange will raus

    Aus 10vor10 vom 18.8.2014

    Seit fast zwei Jahren geniesst Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London. Dort lebt er wie ein Gefangener. Beim Verlassen des Gebäudes würde er sofort festgenommen: Schweden verlangt die Auslieferung des gebürtigen Australiers. Heute kündigt er an, dass er die Botschaft bald verlassen wolle.