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International Schwedens lange Tradition mit der Integration

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich heute mit dem schwedischen Regierungschef Kjell Stefan Löfven. Von ihm könne sie lernen, wie man Flüchtlinge langfristig integriert, sagt Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann.

SRF News: Was kann Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch von den Schweden lernen?

Bruno Kaufmann: Sie kann einerseits lernen, dass ein Land nicht untergeht, wenn es konsequent auf eine offene Einwanderungspolitik setzt. Schweden hat das in den letzten 30 Jahren immer wieder durchgezogen und mehr Flüchtlinge aufgenommen als irgendwelche anderen Länder. Auch bei Schengen hat Schweden keine Übergangslösung gewählt. Davon hat das Land wirtschaftlich sehr profitiert. Andererseits kann Merkel hier sehen, dass es nicht nur einen politischen Konsens braucht, um eine solche Politik durchzusetzen, sondern auch viel gesellschaftliche Kleinarbeit, die bis in die Vereine und die Kirchen hineingeht. Das ganze Land muss mitmachen, damit es funktioniert.

Was tut denn Schweden konkret, um die Flüchtlinge möglichst rasch zu integrieren?

In Schweden hat man den Flüchtlingen immer von Anfang an klar kommuniziert, ob sie eine Möglichkeit haben, zu bleiben oder nicht. Im Falle der syrischen Flüchtlinge hat man schon vor drei Jahren entschieden, dass alle eine permanente Aufenthaltbewilligung erhalten. Das führt dazu, dass die Unsicherheiten viel weniger gross sind. Und es führt auch dazu, dass die Integrationsprogramme viel schneller einsetzen können. Man schaut mit den Flüchtlingen, wo und wie sie arbeiten können. Es gibt keine Beschränkung der Arbeitsbewilligungen.

Wo leben die zugewanderten Leute vor allem?

Sie sind verteilt über ganz Schweden. Man versucht, gerade auf dem Land, wo die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten ständig zurückgegangen ist, für Flüchtlinge Plätze zu schaffen. Dort gibt es tatsächlich grössere Möglichkeiten in vielen Bereichen. Deshalb ermuntert man Flüchtlinge, in kleineren Orten sesshaft zu werden. Auch die Integrationsmöglichkeiten sind besser als in grossen Städten, wo es – vor allem in Vorstädten – teils zu Ghettobildungen kommt.

Schweden ist vor allem an Nachwuchs interessiert. Wo profitiert die Wirtschaft?

Ein Mäschen mit einer Diddlemaus in der rechten Hand lächelt, links von ihr eine Frau mit Kopftuch auf einem Stuhl.
Legende: Schwedens Umgang mit Flüchtlingen könnte beispielhaft sein für Deutschland. Keystone

Einerseits besteht im öffentlichen Dienst ein sehr grosser Bedarf. Es fehlt an Arbeitskräften im Sozial- und Gesundheitswesen, namentlich auf dem Land. Auch in der in Schweden wichtigen Waldindustrie fehlen zum Beispiel Arbeitskräfte. Dort kommen Zugewanderte zum Einsatz. Sie werden gezielt ausgebildet und bekommen damit auch eine Chance, schnell ein eigenes Einkommen zu haben. In den Städten betrifft es mehr das Kleingewerbe, Geschäfte und Läden – also eine Vitalisierung von Bereichen, die in den letzten Jahren eher geschrumpft sind.

Ohne Probleme geht es aber auch in Schweden nicht: Letzten Monat hat eine Asylunterkunft gebrannt. Und die rechtspopulistischen Schwedendemokraten sind drittstärkste politische Kraft im Land geworden. Eine heile Welt sieht anders aus...

Das stimmt. In Schweden gibt es momentan ganz viel Widerstand gegen diese wachsende Zuwanderung. Sie manifestiert sich in diesem Erstarken der genannten Partei, aber auch in extremistischen Ausbrüchen. Das hat vielleicht damit zu tun, dass man in Schweden wirklich zu wenig über die Vor- und Nachteile der Einwanderung diskutiert hat. Man hat es einfach als Konsens genommen und die kritischen Stimmen ausgeblendet. Eine breitere Debatte darüber ist erforderlich.

Ist es in Schweden kein Thema, die Grenzen zu schliessen?

Nein. Das manifestiert sich auch darin, dass man hier – unabhängig davon, ob nun die Bürgerlichen oder die Sozialdemokraten am Regieren sind – immer gesagt hat, dass man offene Grenzen haben möchte. Man sei ein Land, das davon profitiere. Daran ändert sich jetzt nichts. Vielleicht verstärkt die internationale Lage aktuell sogar diesen Kurs. Schweden hat das Gefühl, auf dem richtigen Dampfer zu sitzen.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann lebt in Schweden und berichtet als freier Korrespondent für Radio SRF über die nordischen und baltischen Staaten. Der Politikwissenschaftler forscht ausserdem zu Fragen der modernen Demokratie.

Die Glückskette ruft zu Spenden für die Flüchtlinge auf. Diese können auf das Konto 10-15000-6 (Vermerk «Flüchtlinge»), auf www.glueckskette.ch oder via App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Johnny Torturo (Johnny T.)
    Genau Voellmy, bin ihrer Meinung, ganz schlimm das ganze, und jetzt noch mein Lieblingssatz von der Antwort vom Herr Kaufmann: Auch die Integrationsmöglichkeiten sind besser als in grossen Städten, wo es – vor allem in Vorstädten – teils zu "Ghettobildungen" kommt.HAHA Ghettobildungen, UND GENAU SO IST ES! und so wird es aussehen, das habe ich schon immer gesagt. Muss man mehr dazu sagen? Wenn die Schweiz das will, dann bitte;) Selbstschuld. Deutschland hat es auch schon.
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  • Kommentar von K Käser (Vedic.Hindu)
    Die meisten Vergewaltigungen (nicht nur) in Schweden finden hinter verschlossen Türen zwischen Paaren statt. Bei ca. 2,7% Muslims sind das wohl zum grössten Teil Schweden. Die Aussage, d. Muslims den grössten Teil der Täter bei Vergewaltigung ausmachen, wurde im nachhinein dahingehend korrigiert - Bei den aufgeklärten Vergewaltigungsfällen waren die meisten Täter hellhäutig, blondhaarig und sprachen schwedisch, nämlich Schweden. Mittlerweile ist die Zahl noch weiter gestiegen. Rise Europe
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  • Kommentar von J. Voellmy (voe)
    In Schweden gibt es inzwischen Vororte, die von der Polizei als no-go-areas bezeichnet werden, wo Polizei-Autos von Banden attakiert und vertrieben werden, wo Vergewaltigungen und Kriminalitätsraten in die Höhe schiessen. Wenn man ein bisschen in den Medien zu diesem Thema liesst, ist es höchst erschreckend zu sehen was da läuft und es ist unbegreiflich, dass das in hier mit keinem Wort kritisch erwähnt wird.
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    1. Antwort von Christa lohmann (Saleve2)
      Kann man nicht erwähnen, denn Deutschland hat jetzt Unterstützung bekommen.
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