Schweiz und Nordkorea: Austausch auf tiefem Niveau

Kaum Verbindungen nach aussen, kaum Handel, nur wenig Fremdenverkehr: Nordkorea ist schon seit geraumer Zeit isoliert. Und doch pflegt die Schweiz einen Austausch mit dem kommunistischen Reich. Von einer Begegnung auf Augenhöhe kann aber nicht die Rede sein.

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Nordkorea setzt weiter auf Provokation

1:41 min, aus Tagesschau vom 5.4.2013

In Korea stehen Schweizer Soldaten im Einsatz – schon seit sechs Jahrzehnten. Es handelt sich um Militärbeobachter, die das Waffenstillstandsabkommen zwischen Nord- und Südkorea überwachen. Das Abkommen beendete 1953 den Koreakrieg. Derzeit sind fünf Schweizer Offiziere in der sogenannten entmilitarisierten Zone stationiert. Die Zone bildet die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden, gehört aber formell zu Südkorea.

Die Schweizer Soldaten spürten die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel bisher kaum. Das sagt Sandra Stewart von Swissint in Stans (LU), wo die Auslandeinsätze der Schweizer Armee koordiniert werden. Laut Stewart wird die Lage aber intensiver als sonst geprüft.

Schweiz leistet Hilfe für die Bevölkerung

Die Schweiz steht aber nicht nur an der Grenze, sie engagiert sich auch direkt in Nordkorea. Sie versucht, die Not der Bevölkerung zu lindern. Der Bund unterhält dazu in Pjöngjang ein Büro, von wo aus er im Rahmen der humanitären Hilfe Entwicklungshilfe leistet.

Die Schweiz hilft in einzelnen Dörfern, die Wasserversorgung zu verbessern. Zudem arbeitet sie mit Bauern zusammen, um die Erosion an gerodeten Berghängen zu stoppen. Und schliesslich leistet die Schweiz auch Nahrungsmittelhilfe: Sie exportiert tonnenweise Magermilchpulver, mit dem die Versorgung der Bevölkerung verbessert wird.

Handel mit Nordkorea ist kaum der Rede wert

Geschäfte macht die Schweiz nur sehr wenige mit Nordkorea. In den letzten Jahren importierte die Schweiz jeweils Waren im Wert von knapp einer Million Franken. Der grösste Teil sind Textilien. Nordkorea seinerseits führte Schweizer Waren im Wert von etwa 3 Millionen Franken pro Jahr ein, meist Landwirtschaftsprodukte. Dies zeigt ein Blick in die Schweizer Aussenhandelsstatistik. Das kleine Handelsvolumen dürfte wenigstens zu einem Teil an den strengen Sanktionen liegen, welche die UNO 2006 gegen das Land verhängt hat.

Vor dem Embargo hatte Schweizer Technologie in Nordkorea immer wieder dankbare Abnehmer gefunden. Das Land kaufte der Schweiz in den 1990er-Jahren vier Kurzwellensender ab. Darunter war auch die Anlage, mit dem Schweizer Radio International vom luzernischen Beromünster aus sein Programm in alle Welt sendete. Die vier Sender dürften nach wie vor in Betrieb sein.

Schweizer Telefone scheinen in Nordkorea ebenfalls sehr beliebt zu sein. Jüngst zeigten Bilder aus der Atomanlage in Yongbyong ein Tritel Flims. Dieses Telefon wurde von der Berner Ascom hergestellt und war hierzulande einst weit verbreitet.  Die Apparate stünden in Nordkorea nach wie vor zu Tausenden im Einsatz, sagt Katharina Zellweger. Sie leitete bis vor wenigen Jahren die Mission der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit in Nordkorea.

Tourismus kommt nur langsam in Fahrt

Reisen nach Nordkorea sind schwierig. Lange Zeit gab es für Touristen kaum Gelegenheit, in das abgeschottete Land einzureisen. Inzwischen fördert die Regierung den Tourismus aber zögerlich, wie André Lüthi berichtet. Lüthi ist Chef eines Zürcher Reiseveranstalters, der auch Reisen nach Nordkorea anbietet. Frei bewegen dürfen sich Ausländer aber nicht, ein Aufpasser der Regierung ist immer mit dabei.

Lüthi ist selbst mehrmals in das kommunistische Reich gereist. Er war es auch, der ein «10vor10»-Team im Jahr 2011 nach Nordkorea begleitet hat. Es war das erste Mal seit mehreren Jahren, dass ein westliches TV-Team das abgeschottete Land bereisen und Filmen durfte.