Schweizer Hilfe in Nepal wird rege genutzt

Rund drei Monate ist es her, dass ein schweres Erdbeben Teile Nepals in Schutt und Asche legte. Das Rote Kreuz errichtete unter anderem eine Feldklinik im Bergdorf Singati. Durch die Präsenz der Hilfsorganisation fühlen sich die Leute sicherer – doch die Nothilfe hat Grenzen.

Die Arbeit des Roten Kreuzes in Singati

Singati liegt in den nepalesischen Bergen kurz vor Tibet. Mit seinen 1000 Einwohnern, dem kleinen Spital und den Läden, war es das Zentrum für Tausende von Bewohnern in der Umgebung. Doch nach dem schweren Erdbeben im Mai haben hier mehr als Hundert Menschen ihr Leben verloren und noch mehr ihr Zuhause.

Auch die lokale Klinik wurde so sehr beschädigt, dass sie nicht mehr benutzt werden kann. Viele verliessen Singati. Anfang Juni errichtete das Rote Kreuz dort deshalb eine Feldklinik. Das schweizerische Rote Kreuz (SRK) ist für die gesamte Logistik der internationalen Rotkreuz-Operationen in Nepal verantwortlich. Dafür hat es von der Glückskette mehr als eine Million Franken bekommen.

Weite Fussmärsche für Gratis-Behandlung

Nicht alle der zirka 100 Patienten, die in der Rotkreuz Klinik in Singati täglich gratis verarztet werden, kommen mit Verletzungen, die sie sich beim Erdbeben zugezogen haben. Aber alle sind vom Erdbeben betroffen.

Eine ältere Frau steht lachend im «Warteraum» der Feldklinik

Bildlegende: Täglich werden in der Einrichtung des Roten Kreuzes rund 100 Patienten behandelt. Im Bild: der «Warteraum» der Klinik. SRF/Karin Wenger

Viele der Dörfer liegen weit weg in den Bergen. In stundenlangen Fussmärschen tragen Angehörige Patienten in Körben zur Feldklinik. Auch Hochschwangere, bei denen Komplikationen erwartet werden.

Augusta Theler, eine Hebamme aus dem Wallis, hat bereits bei der Geburt von zwei Kindern geholfen. Sie unterstützt die lokalen Hebammen einen Monat lang. «Die Präsenz des Roten Kreuzes hier, brachte den Leuten mehr Sicherheit. Sie wissen, sie werden hier gut betreut. Ich war gestern auf der anderen Flussseite, da ist alles zerstört. Viele Leute gingen weg. Seit das Rote Kreuz hier ist, bleiben sie wieder.»

Moderne Geräte erfordern Schulungen

Doch Nothilfe hat Grenzen. Vor wenigen Tagen war eine Hochschwangere ins Feldspital gekommen, um zu gebären. Das Kind wollte nicht kommen. Die Frau legte sich schlafen. Am Morgen war ihr Ungeborenes tot. In der Feldklinik fehlten die Mittel es aus dem Bauch zu holen, so wurde der tote Embryo in einer grösseren Klinik per Kaiserschnitt aus dem Leib operiert.

Für Augusta Theler sind das die schwierigen Momente. Sie werfen Fragen auf zu einer Nothilfe mit modernsten Geräten, Ultraschall und mobilen Röntgen-Apparaten in einem der ärmsten Länder der Welt. «Das ist ein riesiger Spagat: Was bringt man und wie geht man danach damit um? Wenn man etwas bringt, dann muss man eine Schulung machen, aber das ist in der kurzen Zeit, die wir hier sind, nicht möglich.»

Die Rotkreuz Klinik soll im September an die lokalen Angestellten übergeben werden. Die meisten Geräte kommen dann wahrscheinlich in ein grösseres Spital.

Hilfe kommt mit grosser Verspätung an

Auch drei Monate nach dem Erdbeben haben die Menschen die Hilfe dringend nötig. Das wird, wenige Kilometer von der Feldklinik entfernt, sofort klar. Ein Rotkreuz Team verteilt hier Decken, Kochtöpfe und Werkzeugkisten an die lokale Bevölkerung.

Die Verteilung hätte schon vor Wochen stattfinden sollen, aber es habe Probleme gegeben, seufzt der dänische Rotkreuz-Mitarbeiter Pablo Villanueva: «Die Werkzeugkisten steckten an der nepalesisch-indischen Grenze fest. Sie waren dort just in dem Moment angekommen, als die nepalesische Regierung beschlossen hatte, dass die Zeit der Nothilfe vorbei sei und sie deshalb ab sofort hohe Steuern auf alle ankommenden Güter erheben wollte.» Die Diskussionen dauerten einen Monat, dann erst lenkten die Beamten ein.

Nun ist die Hilfe da und auch Hunderte von Nepalesen, die geduldig darauf warten sie in Empfang zu nehmen.