Schweizer IKRK-Mitarbeiter in Libyen erschossen

Unbekannte haben in der nordlibyschen Hafenstadt Sirte einen Schweizer Mitarbeiter des Internatonalen Komitees vom Roten Kreuz erschossen.

Kartenausschnitt.

Bildlegende: Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Sirte. SRF

Der Leiter der Unterdelegation des IKRK in Misrata ist in der nordlibyschen Hafenstadt Sirte erschossen worden.

Das IKRK in Genf bestätigte die Tötung ihres Schweizer Mitarbeiters.

Der Angriff auf den IKRK-Delegierten sowie zwei Begleiter erfolgte, nachdem diese an einem Arbeitstreffen in Sirte teilgenommen hatten. Entgegen ersten Informationen seien die Rot-Kreuz-Mitarbeiter nicht auf dem Weg zu ihrem Fahrzeug, sondern im Auto beschossen worden, erklärte ein Sprecher des IKRK.

Der Mitarbeiter verstarb im Spital von Sirte. Die Stadt liegt etwa 500 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis.

«Die Männer gerieten gegen Mittag in einen Hinterhalt», sagte der Sprecher. Sie befanden sich auf dem Weg zu ihrem Auto, das gemäss den Vorgaben des Roten Kreuzes in Libyen nicht als IKRK-Fahrzeug gekennzeichnet war.

Die Angreifer hätten aus «allernächster Nähe» auf die humanitären Helfer geschossen, erklärte Saugeron. Die beiden Begleiter seien unverletzt, stünden aber unter Schock.

Didier Burkhalter reagiert betroffen

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Tödliche Schüsse auf IKRK-Mitarbeiter

0:44 min, aus Tagesschau vom 4.6.2014

Mit «Konsternation und grosser Betroffenheit» habe Bundespräsident Didier Burkhalter auf den Tod des IKRK-Delegierten reagiert. Burkhalter habe der Familie des Opfers und dem IKRK «seine aufrichtige Anteilnahme und sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt», teilte das Eidgenössische Departement für Äusseres (EDA) mit.

Burkhalter nehme «mit Beunruhigung die Nichtrespektierung der mutigen Arbeit zur Kenntnis, welche die Mitarbeiter auf dem Feld zugunsten der Schwächsten leisten».

Die Schweiz verurteile jeden Verstoss gegen das Humanitäre Völkerrecht und die humanitären Prinzipien mit grösster Entschlossenheit.

Gefährliche Arbeit

Angehörige des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz geraten in Konfliktgebieten immer wieder zwischen die Fronten. Auch Schweizer Delegierte haben für ihren Einsatz schon mit dem Leben bezahlt:

  • 19. Januar 1990: Der IKRK-Delegierte Walter Berweger und ein einheimischer Helfer geraten auf der philippinischen Insel Mindanao in einen Hinterhalt. Sie werden bei einem Fluchtversuch erschossen.
  • 5. Oktober 1990: Bei einem Anschlag auf vier IKRK-Mitarbeiter in Nordwest-Somalia kommt der Delegierte Peter Altweg ums Leben.
  • 19. Mai 1992: Bei einer Explosion in Sarajevo wird der Delegierte Frédéric Maurice tödlich verletzt.
  • 14. Januar 1993: Der Delegierte Kurt Lustenberger wird in Somalia erschossen.
  • 28. August 1993: Die IKRK-Krankenschwester Susanne Buser, ihre einheimische Kollegin und ein Fahrer werden in Sierra Leone in einem Hinterhalt getötet.
  • 4. Juni 1996: Im ostafrikanischen Burundi werden die Delegierten Reto Neuenschwander, Cédric Martin und Juan Ruffino bei einem Überfall auf ihr Auto getötet.
  • 12. Dezember 1996: In Tschetschenien werden bei einem Angriff auf ein Spital sechs ausländische IKRK-Mitarbeiter getötet und ein Schweizer schwer verletzt.
  • 26. April 2001: Im Nordosten des Kongo kommen sechs IKRK-Mitarbeiter ums Leben. Darunter die Berner Krankenschwester Rita Fox.

Libyen versinkt in Anarchie

Die Sicherheitslage hat sich seit dem Sturz des ehemaligen Machthabers Gaddafi zunehmend verschlechtert. Unbekannte haben am Mittwoch das Büro von Ministerpräsident Ahmed Maitik mit einer Panzerfaust beschossen. Verletzt wurde niemand. Zuvor wurde der Ex-General Khalifa Haftar attackiert. Er überlebte den Anschlag unverletzt.