Schweizer Kurden in Kobane: Politik ist sich über Umgang uneins

40 bis 50 Kurden, so schätzt die Sonntagspresse, sollen sich bisher von der Schweiz Richtung Nahost aufgemacht haben. Sie wollen ihre kurdischen Angehörigen mit der Waffe in der Hand zu unterstützen. Sollen sie gleich behandelt werden wie IS-Terroristen?

Video «Kurdische Kämpferinnen aus der Schweiz» abspielen

Kurdische Kämpferinnen aus der Schweiz

4:37 min, aus 10vor10 vom 13.10.2014

Dieses Wochenende fanden in mehreren Städten in der Schweiz und ganz Europa grosse Sympathie-Kundgebungen für die kämpfenden Kurden im Norden Syriens statt.

Manche in der Schweiz wohnhafte Kurden sollen es nicht beim Demonstrieren belassen haben: 40 - 50 Kurden, so schätzt die Sonntagspresse, sollen sich bisher von der Schweiz Richtung nahem Osten aufgemacht haben, um ihre kurdischen Angehörigen mit Waffengewalt zu unterstützen.

Personen in Reih und Glied stehend.

Bildlegende: In der Schlacht um Kobane kämpfen auch zahlreiche Kurdinnen – zum Teil auch aus der Schweiz – an vorderster Front. Reuters

Der Nachrichtendienst des Bundes bestätigt heute zwar nur wenige Einzelfälle. Nachdem die Terrororganisation IS vergangene Woche in der Schweiz verboten wurde stellt sich trotzdem die Frage: Dürfen Kurden von der Schweiz aus in den Krieg ziehen? Müsste deren Organisation nicht ebenso verboten werden?

Für die Sicherheitspolitikerin Ida Glanzmann-Hunkeler (CVP/LU) machen sich Rekrutierte aus der Schweiz ebenso strafbar wie Leute, die sich der verbotenen Terrorgruppe IS anschliessen. Denn der Dienst an der Waffe in einem fremden Land sei verboten.

Etwas anders sieht dies Nationalratskollegin Corina Eichenberger-Walther (FDP/AG) – kurdische Kämpfer aus der Schweiz hätten ein gewisses Recht zu gehen. Die Kurden hätten einen Grund sich zu verteidigen.

Kurdische Kämpferinnen erhalten in Olten Asyl

Illegales Kriegstreiben oder pure Selbstverteidung? Wie sehen es Direktbeteiligte? In Olten erhielten drei ehemalige kurdische Kämpferinnen vor einigen Monaten Asyl. Die drei Geschwister, 19, 20 und 21 Jahre alt, dienten bei der kurdischen Miliz YPG in Syrien.

Drei Jahre lang kämpften sie in Aleppo, Kobane und an der Grenze zum Irak. Die jüngere Schwester – eine ehemalige Kommandantin – erinnert sich bei «10vor10», warum sie zur Waffe griff: «Ich war erst 16, als ich mich als Kämpferin meldete. Ich wollte mit meinem Beispiel den anderen Frauen ein Vorbild sein: Dass wir Frauen uns nicht einfach von den Kämpfern der IS oder von Assads Schergen vergewaltigen oder erschiessen lassen.»

«YPG-Kämpfer schlitzen keine Kehlen auf»

Die YPG ist eine bewaffnete kurdische Miliz in Nordsyrien. Nach ihren eigenen Angaben sind rund ein Drittel der Mitglieder Frauen. Gegründet im syrischen Bürgerkrieg sieht die YPG ihre Aufgabe darin, die kurdische Bevölkerung vor den Angriffen islamistischer Gruppen und den syrischen Regierungstruppen zu verteidigen. Laut eigenen Angaben verfügt sie über mehrere 10'000 Kämpfer – viele davon sind derzeit in die Schlacht um Kobane verwickelt.

Die YPG sei nicht mit islamistischen Gruppen vergleichbar, sagt eine der ehemaligen Kämpferinnen gegenüber «10vor10». «Die YPG verteidigt sich nur und beschützt Zivilisten». Zudem würde man keine Bilder von YPG-Kämpfern finden, auf denen sie anderen die Kehle aufschlitzen.

Juristisch gesehen ist die YPG tatsächlich anders einzuschätzen, sagt der emeritierte Strafrechtsprofessor Stefan Trechsel. Das Entscheidende sei, dass die Kämpfer sich vor terroristischen Angriffen schützen. «Und dann sind sie Opfer und werden als solches geschützt.»