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International Schweizer Spuren eines russischen Bankbetrügers

Er gilt als einer der grössten Bankenbetrüger Russlands: Alexey Alyakin. Sein Wohnort ist offiziell unbekannt, seit zwei Jahren ist er in Russland zur Fahndung ausgeschrieben. SRF-Recherchen zeigen nun, dass er im Tessin eine Adresse hat.

Legende: Video «Lebt im Tessin ein russischer Banken-Betrüger?» abspielen. Laufzeit 4:20 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.05.2017.

Es ist ein unscheinbares Haus in Vico Morcote. Wenige hundert Einwohner haben von hier einen Blick auf den Luganersee und den Monte Generoso. Ein Briefkasten ist am lachsfarbenen Haus nicht zu finden, doch am Klingelschild steht der Name Alyakin. Die Post kennt unter dieser Adresse einen Alexey Alyakin.

Der Mann im Hintergrund

Hierzulande ein Unbekannter ist Alyakin seit Herbst 2015 in Russland zur Fahndung ausgeschrieben wegen Betrugs in besonders grossem Ausmass. Er wird verantwortlich gemacht für einen der grössten Bankencrashs der vergangenen Jahre.

Im Oktober 2013 entzog die russische Zentralbank der Bank «Puschkino» die Lizenz. Wenige Monate zuvor hat Alyakin seine Anteile verkauft. Doch russische Bankenexperten und Journalisten sind sich einig: Im Hintergrund fällte Alyakin alle wichtigen strategischen Entscheidungen. Umgerechnet 423 Millionen Schweizer Franken musste die russische Einlagenversicherung an Kunden ausbezahlen: Der grösste Schadenfall bis zu diesem Zeitpunkt.

Ein neues Zuhause

SRF-Recherchen zeigen nun, dass Alyakin noch vor dem Bankrott in Vico Morcote Geburtstag feierte und gegenüber Gästen von seinem neuen Zuhause sprach. Obwohl er offiziell nie angemeldet war. Im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist nicht Alyakin, sondern seine Frau.

Im Gegensatz zu ihm war sie bis Sommer 2015 bei den Behörden gemeldet. Innerhalb weniger Jahre hat sie Steuerschulden von über einer Million Franken angehäuft. Begleicht sie diese Schulden nicht bis Ende des Monats, wird das Haus in Vico Morcote gepfändet.

Die Gemeinde kann sich nicht erklären, wie Alyakin zu einer Postadresse kam. Weiter wollte sich der Gemeinderat von Vico Morcote nicht äussern. Gemäss den Tessiner Steuerbehörden gab es keine Möglichkeit die Frau Alyakins an der Abmeldung zu hindern, obwohl die Steuerschuld bekannt war.

Aus taktischen Gründen

Seit vergangenen Sommer soll nach Alyakin auch in der Schweiz gefahndet werden, mit Verweis auf das Amtsgeheimnis kann das Bundesamt für Justiz dies nicht bestätigen oder dementieren. Aus taktischen Gründen möchte sich die Kantonpolizei Tessin nicht äussern.

Recherchen zeigen, dass die Frau von Alyakin noch immer regelmässig in Vico Morcote anzutreffen ist. Ein Anwohner hat bestätigt, dass sie ihre Liegenschaft verkaufen wollte, doch der Fiskus im letzten Moment den Verkauf verhindert hat. In Russland hat sie derweil erfolglos versucht die Verpfändung des Eigentums ihres Mannes vor Gericht zu verhindern. Alyakins Frau ist in Russland offiziell von ihrem Mann geschieden, in Vico Morcote weiss die Gemeinde nichts davon.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Die bisherigen Kommentare sind ziemlich lahm (der Artikel wohl auch). Wenn gegen die Frau nichts vorliegt, können weder Gemeinde noch Polizei intervenieren. Und wenn kein internationaler Haftbefehl besteht, dann kann auch der Betrüger selbst frei ein- und ausreisen. In diesem Fall fragt man sich natürlich, warum die russischen Behörden den Mann nicht international suchen. Will man ihn überhaupt vor Gericht bringen?
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  • Kommentar von Samuel Tanner (Samuel Tanner)
    Möglich wäre auch, dass da ganz bewusst jemand bei der Gemeinde geschlafen hat. Das ist natürlich nur Spekulation !
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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
    Alles wie gehabt, der Schweizer/in wird in die Würgezange genommen und die andern ja die können sich alles erlauben, weil Sie sich auch alles erlauben können, die Schweiz eben.
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