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Schweres Erdbeben in Mexiko Verzweifelte Suche nach Überlebenden

Legende: Video «Helfer suchen nach Überlebenden» abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.09.2017.
  • Ein Erdbeben der Stärke 7,1 hat am Dienstagabend Mexiko erschüttert. Das Epizentrum lag rund 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Mexiko-Stadt.
  • Laut dem mexikanischen Innenministerium kamen mindestens 230 Menschen ums Leben. Mindestens 700 Personen wurden verletzt, 400 davon schwer.
  • Mehr als 40 Gebäude stürzten ein.
  • Beim Einsturz einer Schule in Mexiko-Stadt starben mindestens 21 Kinder und 4 Erwachsene.

Aus der verschütteten Schule in Mexiko-Stadt konnten bisher elf Kinder lebend geborgen werden. Zwei Kinder und ein Erwachsener werden laut Medien noch vermisst.

Für rund 14 Millionen Kinder in Mexiko fällt der Unterricht vorerst aus. Die Schulen in insgesamt neun Bundesstaaten und in der Hauptstadt bleiben vorerst geschlossen.

Wettlauf gegen die Zeit

An den Rettungsarbeiten nahm neben Angehörigen der Feuerwehr, des Zivilschutzes und des Heeres auch die Marine teil.

Ausgerüstet mit Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln, aber auch mit blossen Händen halfen Hunderte Freiwillige in Mexiko-Stadt bei den Rettungsarbeiten mit. Im Licht von Taschenlampen und Scheinwerfern suchten sie während der ganzen Nacht zwischen den Steinen der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden.

Wegen der vielen Verschütteten rechneten die Behörden mit noch weiter steigenden Opferzahlen. Für die Retter wird die schwierige Suche nach Überlebenden zum Wettlauf gegen die Zeit.

Tote auch in Puebla

Neben der Hauptstadt sind besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen. Unweit von Mexiko-Stadt gab es zeitgleich mit dem Beben am Vulkan Popocatepetl einen kleinen Ausbruch. Am Hang des Bergs stürzte nach Angaben des Gouverneurs von Puebla, Jose Anonio Gali, während einer Taufe das Dach und die Kuppel einer Kirche ein, mindestens elf Menschen wurden hier getötet.

Das Beben der Stärke 7,1 hatte sich rund 130 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan im Bundesstaat Morelos ereignet. Nach Angaben von Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong kamen mindestens 226 Menschen ums Leben. Der nationale Zivilschutzkoordinator sprach dagegen von 217 Toten im gesamten Land.

Präsident kündigt Hilfsmassnahmen an

In einer Ansprache kündigte Staatspräsident Enrique Peña Nieto rasche Hilfsmassnahmen an. Im Vordergrund stehe die medizinische Versorgung und die Bergung von Verschütteten. Fast vier Millionen Menschen seien ohne Strom, teilte das nationale Elektrizitätsunternehmen mit.

Das Beben hinterliess schwere Schäden an hunderten Gebäuden in den Bundesstaaten Morelos und Puebla sowie in Mexiko-Stadt. Dort sind rund 40 Gebäude eingestürzt und mindestens 500 zum Teil schwer beschädigt worden. Wie Bürgermeister Miguel Ángel Mancera am Mittwoch mitteilte, müssten diese erst untersucht und repariert werden, bevor Bewohner zurückkehren können.

Betroffen waren in der Hauptstadt vor allem das Stadtzentrum mit den touristischen Vierteln. Der internationale Flughafen musste geschlossen werden. Es soll untersucht werden, ob die Infrastruktur Schaden genommen hat, teilte ein Flughafensprecher mit.

Laut dem seismologischen Institut Mexikos gab es zudem mehrere Nachbeben, unter anderem im südöstlich von Mexiko-Stadt liegendem Bundesstaat Oaxaca. Das schwerste Nachbeben hatte die Stärke 4,9.

Jahrestag eines der schwersten Erdbeben in der Geschichte Mexikos

Das Erdbeben ereignete sich genau am Jahrestag eines der schwersten Beben in der Geschichte des Landes: Am 19. September 1985 starben 10’000 Menschen bei einem Erdbeben.

Zwei Stunden vor dem jüngsten Beben hatte es noch eine grosse Katastrophensimulation mit Evakuierungen gegeben, um das Verhalten für den Fall eines erneuten Erdbebens zu trainieren.

Erst am vergangenen 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen in Mexiko umgekommen. Dabei lag das Zentrum vor der Westküste im Pazifik, in Mexiko-Stadt war es weniger stark zu spüren.

Legende: Das Epizentrum des Erdbebens lag rund 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Mexiko-Stadt. srf

Keine Schweizer Opfer bekannt

Auch dieSchweiz hat den mexikanischen Behörden angeboten, ein Team aus Bauingenieuren und Logistikern bereitzustellen, wie das Aussendepartement (EDA) auf Anfrage der sda mitteilte. Das Angebot werde derzeit durch die Mexikanische Regierung geprüft. Über Schweizer Opfer ist dem EDA derzeit nichts bekannt.

Azteken-Stadion beschädigt

Azteken-Stadion beschädigt

Das Beben beschädigte auch das Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt schwer. Dort wurden die Endspiele der Fussball-WM 1970 und 1986 ausgetragen. Die geplanten Fussballspiele wurden vorerst abgesagt. Die Arena bot beim WM-Endspiel vor 31 Jahren zwischen Argentinien und Deutschland 115'000 Zuschauern Platz.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Jedes Beben ist ein Unikat und hinterlässt seinen ganz individuellen Fingerabdruck. Nicht nur Magnitude, Tiefe des Hypozentrums, und Bebendauer sind das Mass für die Zerstörung von Bausubstanz. Je nach Position der Bebenherdes zum betroffenen Gebiet an der Oberfläche laufen die Bebenwellen jedesmal mit anderen Eigenschaften durch die vielschichtige Erdkruste. Der Grund, warum gerade historische Bauten oft Jahrzehnte bis Jh. starke Beben überstanden, bis es dann eines Tages auch sie trifft.
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Mexiko liegt am"pazifischen Feuerring"und da ist die Wahrscheinlichkeit am grössten,das Erdbeben&Vulkanausbrüche entstehen.Eine Begebenheit,die mal"ausnahmsweise"nicht vom Homo sapiens verursacht wurde.Aber man sollte sich vielleicht wieder einmal mehr"verinnerlichen",das die Natur den Takt vorgibt,wie lange wir als Spezies auf diesem Planeten verweilen dürfen.Klar ist es schade,das es dabei zuerst immer die Ärmsten trifft.
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Ob die erdbebensichere Hochhäuser haben, wie in Japan?
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    1. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Frau Helmers, die Hochhäuser jüngeren Datums durchaus. Zumindest auf den Bauplänen, um den mittlerweile viel strengeren Bauvorschriften zu genügen. Der begrabene Hund liegt dann aber oft in der Ausführung auf der Baustelle. Schlendrian und Korruption sind schwer zu überwinden. Unter anderen, ungenügend verdichteter Beton und weniger Moniereisen als geplant. Insofern sind die Japaner sicher Zuverlässiger als Lateinamerikaner. Ein Blick nach Italien, reicht diesbezüglich auch schon.
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