Secret Service will das Weisse Haus kopieren

Die Skandale um den Secret Service brechen nicht ab: Sicherheitslücken, betrunkene Beamte, Bordellbesuche. Der neue Direktor des Secret Service will wieder Disziplin in die Truppe bringen – und ist dafür bereit, auch zu unkonventionellen Massnahmen zu greifen.

Die Pannen des Secret Service

Der Polit-Alltag in Washington ist immer wieder für eine Überraschung gut. Ungläubig fragte der langjährige Kongress-Abgeordnete Henry Cuellar aus Texas während einem Hearing: «Sie wollen, um Ihre Agenten besser trainieren zu können, eine Kopie des Weissen Hauses für acht Millionen Dollar bauen lassen?»

So sei es, bestätigte der Direktor des Secret Service, Joseph Clancy. Und legte eine gravitätische Pause ein. Schliesslich gehe es um den Schutz und das Leben des Präsidenten. Das sei nicht zum Lachen.

Bisherige Trainingsanlage «unrealistisch»

Die Kopie des Weissen Hauses soll auf der Trainingsanlage des Sicherheitsdienstes in Maryland entstehen, dreissig Kilometer vom echten Weissen Haus entfernt. Dort üben die Agenten schon heute – aber eher improvisiert, wie Clancy erklärte: «Wir trainieren auf einem Parkplatz. Wir stellen Gitter auf, messen die Abstände, damit die Distanzen gleich gross sind wie in Wirklichkeit.»

Doch auf diesem Parkplatz gebe es keine Büsche, keine Brunnen, die Übungsanlage sei nicht realistisch. Für die Agenten, aber nicht nur für sie: Auch die Wachhunde müssten auf Beton laufen statt auf Rasen, führt der hagere Mann mit der Glatze am Hearing aus.

Pensionierter Direktor soll Secret Service auf Kurs bringen

Seit Oktober ist Joseph Clancy im Amt. Er blickt auf eine lange Secret-Service-Karriere zurück. Obama holte ihn aus der Pensionierung zurück. Sein Auftrag: Die Damen und Herren mit den Sonnenbrillen und dem Knopf im Ohr wieder diskret in den Hintergrund zu rücken, aus dem grellen Licht der Medien hinaus, wo sie in den letzten Monaten für negative Schlagzeilen gesorgt hatten.

Eine weiss getünchte Übungsanlage soll also den dringend benötigten Kulturwandel herbeiführen. Und Joseph Clancy scheut keinen Aufwand, um seine Leute für die Wirklichkeit fit zu machen. Laut Budgetantrag möchte der Sicherheitsdienst auch Geld, um eine künstliche Häuserzeile auf seiner Trainingsanlage zu renovieren, um so für die Beamten täuschend echte Strassenszenerie zu schaffen.

Direktor unter Beschuss

Der neue Secret-Service-Direktor Joseph Clancy hat sich nach der jüngsten Panne einem äusserst scharfen Verhör im US-Kongress stellen müssen. Zwei Agenten hatten vor zwei Wochen vermutlich angetrunken mit ihrem Auto eine Sicherheitsbarriere vor dem Weissen Haus gerammt. Clancy hatte davon erst fünf Tage später erfahren – durch eine anonyme E-Mail.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Chefin von Obamas Leibwache tritt zurück

    Aus Tagesschau vom 2.10.2014

    Nach einer schweren Pannenserie rund um die Bewachung von US-Präsident Barack Obama ist die Chefin seiner Leibwache, Julia Pierson, zurückgetreten. Pierson arbeitete 30 Jahre für den Secret Service.