Selbstverbrennung schürt Angst vor neuen Unruhen in Tunesien

Das tunesische Übergangsparlament hat einer Umbildung der Regierung zugestimmt. Überschattet wurde dies allerdings vom Tod eines jungen Strassenhändlers. Er hatte sich selbst angezündet. Nun kommt wieder Angst vor grösseren Unruhen auf.

Männer mit Transparenten demonstrieren.

Bildlegende: Nach der Selbstverbrennung eines Kollegen demonstrieren tunesische Strassenhändler gegen die Regierung. keystone

In der sogenannten Verfassungsgebenden Versammlung Tunesiens sprachen 139 Abgeordnete dem Kabinett um Ministerpräsident Ali Larayedh das Vertrauen aus. Lediglich 45 waren dagegen. Damit wurde eine Regierungsumbildung bestätigt.

Hintergrund sind seit Monaten anhaltende politische Spannungen. Anfang Februar waren sie eskaliert. Damals wurde der Oppositionspolitiker Chokri Belaïd durch islamistische Extremisten ermordet.

Das neue Kabinett besteht nun zum Teil aus unabhängigen Experten. Sie besetzen wichtige Posten wie die des Aussen-, Innen-, und Justizministers.

Selbstverbrennung stand am Anfang der Revolution

Sorgen vor neuen Unruhen schürte allerdings der Tod eines jungen Strassenhändlers. Er hatte sich am Vortag in Tunis auf offener Strasse angezündet. Der Mann wollte mit der Tat offenbar auf die schlechte Lage von jungen Menschen in Tunesien hinweisen.

Eine Selbstverbrennung stand auch am Anfang des Sturzes des Ben-Ali-Regimes.  Im Dezember 2010 hatte sich in der Kleinstadt Sidi Bouzid ein junger Strassenhändler angezündet, weil er die Behördenwillkür und Perspektivelosigkeit in seiner Heimat nicht mehr ertragen konnte. Die Verzweiflungstat rüttelte Hunderttausende Tunesier auf.