Separatist: «Wir hatten Buk-Raketen»

Ein ostukrainischer Kommandant bestätigt erstmals, dass die pro-russischen Kämpfer über operable Buk-Luftabwehrraketen verfügten. Gleichzeitig macht er der Regierung in Kiew schwere Vorwürfe.

Ein Mann in grüner Kleidung sitzt an einem Tisch

Bildlegende: Alexander Chodakowski: «Ich würde eine Buk nicht ablehnen. Aber ich würde sie nur zu meiner Verteidigung nutzen.» Reuters

Ein einflussreicher Rebellenkommandant in der Ostukraine, Alexander Chodakowski, hat in einem Reuters-Interview erstmals eingeräumt, dass die Separatisten über Buk-Luftabwehrraketen verfügt haben.

Die USA bezichtigen die Separatisten, sie hätten mit ebensolchen Raketen die malaysische Passagiermaschine mit 298 Menschen ab Bord vergangene Woche abgeschossen.

«Buk möglicherweise nach Russland zurückgebracht»

Der Kommandant des Wostok-Bataillons sagte, das Buk-System stamme möglicherweise aus Russland. Es könne sein, dass es dorthin zurückgebracht worden sei, um zu verschleiern, dass die pro-russischen Rebellen über es verfügt hätten.

Chodakowski ist ein früherer Chef der Anti-Terror-Einheit «Alpha» des Sicherheitsdienstes in Donezk. Zwischen ihm und anderen Rebellenkommandanten wie dem aus Moskau stammenden Igor Strelkow ist es in der Vergangenheit zu Reibereien gekommen. Strelkow hatte sich zum Kommandant aller Rebelleneinheiten in der Provinz Donezk erklärt.

«Ich weiss, dass ein Buk-System von Luhansk gekommen ist»,sagte Chodakowski. Man habe ihn darüber informiert, dass dieses Raketenabwehrsystem unter die Flagge der Volksrepublik Luhansk gestellt werde. Dies ist die grösste Rebellengruppe, die in der Region um die Stadt Luhansk in der Provinz Donezk operiert.

In der Region in der Ostukraine war Flug MH17 abgestürzt. Vor dem Absturz hatten Rebellen damit geprahlt, sie verfügten über Buk-Raketensysteme. Doch seither hat die Volksrepublik Donezk, die wichtigste Separatistenorganisation in der Ostukraine, den Besitz solcher Abwehrwaffen bestritten.

«Ich weiss von diesem Buk-System», sagte der Rebellenkommandant. «Ich habe davon gehört. Ich denke, sie haben es zurückgeschickt. Denn ich habe genau in dem Moment davon erfahren, als diese Tragödie geschehen ist. Sie haben es vermutlich zurückgeschickt, um den Beweis seiner Existenz zu beseitigen.»

«Kiew hat den Angriff provoziert»

Chodakowski macht auch die ukrainische Führung in Kiew für den Flugzeugabsturz verantwortlich. Diese habe zeitig gewusst, dass die Separatisten über eine solche Raketentechnologie verfügten. Die Regierung in Kiew habe «nicht nur nichts getan, um die Sicherheit zu gewährleisten, sondern sie hat den Einsatz eines solchen Waffentyps gegen ein Flugzeug mit Zivilisten an Bord provoziert».

Denn sie habe einen Luftangriff just in dem Moment gestartet, als das zivile Flugzeug das Gebiet überflogen habe. «Sie wussten, dass dieses Buk-System existiert hat, dass es auf dem Weg nach Sneschnoje war», sagte Chodakowski unter Verweis auf ein zehn Kilometer westlich der Absturzstelle gelegenes Dorf.

«Sie wussten, dass es dort stationiert werden würde, und sie provozierten den Einsatz dieses Buk-Systems, indem sie einen Luftangriff auf ein Ziel begonnen haben, der nicht nötig war», so Chodakowski. Die Luftwaffe habe dort seit einer Woche keinen Angriff mehr geflogen.

Auch der Vizeregierungschef der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, Andrej Purgin, machte einen Buk-Angriff als Absturzursache aus. Dafür sprächen entsprechende Spuren an den Trümmern der Boeing, sagte er der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

«Lage des Cockpits weist auf Buk hin»

«Eine Eigenschaft von Systemen wie Buk ist, dass sie den vorderen Teil eines Flugzeugs attackieren», sagte Purgin in Donezk. «Dabei wird das Cockpit vom Rest des Rumpfes abgerissen, was wohl auch in diesem Fall so war, weil das Cockpit viel eher abgestürzt ist und sich weit vom Rest der Trümmer befindet.»

Raketen, die aus der Luft abgeschossen werden, zielten eher auf die Triebwerke eines Flugzeugs. Das in der Sowjetunion konstruierte System Buk, Nato-Codename SA-11, feuert Boden-Luft-Raketen ab.

Purgin äusserte sich in diesen Zitaten aber nicht dazu, welche Konfliktpartei vergangenen Donnerstag die Boeing 777-200 abgeschossen haben soll.

Black Box nicht manipuliert

Der Flugschreiber ist nach Angaben des niederländischen Sicherheitsrates nicht manipuliert worden. Das habe eine gründliche Untersuchung des Stimmrekorders ergeben. «Der Cockpitrekorder war beschädigt, aber die Speicher waren intakt.» Internationale Spezialisten analysieren die Aufzeichnungen nun in Grossbritannien.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Flugzeuge mit Opfern von Flug MH17 gelandet

    Aus Tagesschau vom 23.7.2014

    Sechs Tage nach der Flugzeugkatastrophe in der Ostukraine sind die ersten Toten in die Niederlande überführt worden. Dort sollen sie identifiziert und beerdigt werden. Im ganzen Land ist heute ein Tag der Trauer. Währenddessen haben pro-russische Separatisten im Osten der Ukraine zwei Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe abgeschossen.