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International «Sewol»-Crew war offenbar völlig überfordert

Neuste Aufzeichnungen zeigen, wie kopflos die Crew der «Sewol» gehandelt hat. Ein Mitglied attestiert per Funk, das Schiff sei kurz vor dem Sinken – trotzdem wartet die Crew mit der Evakuierung. Das kritisiert auch die südkoreanische Präsidentin. Sie wirft dem Kapitän gar mörderisches Verhalten vor.

Legende: Video Präsidentin kritisiert «Sewol»-Crew abspielen. Laufzeit 01:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.04.2014.

Die Aufzeichnung des Funkverkehrs zwischen der verunglückten südkoreanischen Fähre «Sewol» und der örtlichen Schifffahrtskontrolle haben Chaos und Panik auf der Brücke des Schiffes offenbart.

Aufzeichnungen des Funkverkehrs zeigen, wie kopflos die Crew der «Sewol» gehandelt hat. Ein Crew-Mitglieder sagt am Funk: «Wir neigen uns. Wir sind kurz davor unter zu gehen. Es neigt sich so sehr, wir können uns kaum bewegen.»

An einer anderen Stelle in der Funk-Aufzeichnung sagt das Besatzungsmitglied, die Sicherheitsanweisungen hätten nicht an die Passagiere durchgegeben werden können, da das Lautsprechersystem nicht funktionierte.

Lassen Sie sie schwimmen. Jetzt!
Autor: Vertreter der KontrollbehördeAuszug aus Funkverkehr

Der Vertreter der Schifffahrtskontrolle erwiderte, sie sollten die Passagiere dennoch anweisen, ihre Rettungswesten und möglichst viele Lagen Kleidung anzuziehen. «Werden die Passagiere sofort nach der Evakuierung gerettet werden?», fragte daraufhin das Crew-Mitglied. «Lassen Sie sie wenigstens einen Rettungsring tragen und lassen Sie sie schwimmen. Jetzt!», drängte der Vertreter. Doch auch zu diesem Zeitpunkt wartet die Crew noch immer zu mit der Evakuierung.

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye hat dafür kein Verständnis – und findet deutliche Worte: «Das Verhalten des Kapitäns und einiger Crew-Mitglieder ist unfassbar. Das verstösst gegen jeden gesunden Menschenverstand und kommt Mord gleich.»

Besonders stossend sei zudem: Während die Crew den Passagieren gesagt hätten, sie sollten an Ort und Stelle bleiben, seien sie selbst unter den ersten gewesen, die sich gerettet hätten.

Das Verhalten des Kapitäns kommt Mord gleich
Autor: Park Geun-hyePräsidentin Südkorea

Die Präsidentin fordert harte Strafen für den Kapitän und vier weitere Crew-Mitglieder, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen. Sie will aber auch klären lassen, ob beim Betrieb der 20 Jahre alten Fähre alles mit rechten Dingen zuging.

Weitere Verhaftungen

Am Montag sind vier weitere Besatzungsmitglieder der «Sewol» festgenommen worden. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete, wurden drei Offiziere und ein Mechaniker in Polizeigewahrsam genommen. Am Samstag waren bereits der Kapitän, der Steuermann und die dritte Offizierin festgenommen worden, die zur
Zeit des Unglücks das Kommando auf der Brücke hatte.

Suche mit Unterwasserfahrzeugen

Fünf Tage nach dem Untergang des südkoreanischen Fährschiffs «Sewol» suchen die Bergungsmannschaften weiter nach vermissten Insassen. Neben Tauchern wurden auch ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge für die Suche in dem Wrack eingesetzt, wie südkoreanische Sender berichteten.

An den beiden vorangegangenen Tagen war es Tauchern erstmals gelungen, ins Innere des Schiffs vorzudringen. Die Zahl der bestätigen Todesopfer erhöhte sich bis zum Vormittag (Ortszeit) auf 64, mehr als 240 werden noch vermissten.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Kramer, ZH
    Wen wundertt's? Die fernöstliche Kultur, dass alles von oben herab kommen muss, und dabei kein Vorfall nach oben gemeldet wird, was auf eine Kritik an der Obrigkeit hinausläuft, zeigt hier ihre Früchte. Man verliert eher sein Gesicht, als dass man verantwortungsvoll handeln würde. Meine eigenen Erfahrungen mit diesem Kulturkreis haben gezeigt, dass nicht genaustens einstudierte Situationen aus dem Ruder laufen, wenn das kleinste Detail nicht dem Drehbuch entspricht. Man steht daneben und wartet.
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  • Kommentar von Lukas Rauber, Affoltern am Albis
    Eine etwas seltsame Altersstruktur herrschte auf diesem Schiff. Der Captain ist bereits 69, also eigentlich bereits im Pensionsalter. Die 3. Offizierin hingegen ist erst 26 und hatte wohl noch kaum Erfahrung.
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  • Kommentar von Ein Hinseher, Kleinbösingen
    Der Mordvorwurf der Präsidentin kommt einer Vorverurteilung gleich und ist inakzeptabel. Selbstverständlich hat der Kapitän an Bord zu bleiben und seine Angestellten zu leiten. Das Verdikt über sein Verhalten ist Sache eines Gerichtes, nicht die eines Politikers der oder die Ihre Wiederwahl im Auge hat.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Dieser Mordvorwurf ist sehr weit her geholt! Mord wäre es, wenn dieser Unfall vorausgeplant & absichtlich herbei geführt worden wäre um Menschen zu töten. Traurige Tatsache aber ist, dass viele Menschen bei einem Unglück verstorben sind & Rettungskräfte jetzt die traurige Aufgabe haben Menschen zu bergen. Und eine genaue Abklärungen sollte man Menschen überlassen die etwas davon verstehen & das braucht seine Zeit & erledigt sich nicht innerhalb weniger Tage. Alles andere ist nur Spekulation.
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    2. Antwort von Andy Zumstein, Alpnach Dorf
      Wenn die beiden Herrschaften "[...] kommt Mord gleich" und "[...] ist ein Akt des Mordes" vergleichen, werden Sie feststellen dass es einen Unterschied gibt. In Koreanischen Medien wie auch beispielsweise im CNN wurde das Verhalten als 'akin to murder' betitelt was 'kommt Mord gleich' bedeutet, sich also um einen mordähnlichen Fall handelt. Ausserdem wird der Kapitän wegen Unterlassung seiner Dienstpflicht sowie Nothilfe, Verletzung des Marinerechts und nicht wegen Mordes beschuldigt.
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