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Sexismus auf den Philippinen «Unter Duterte werden Frauen mit Füssen getreten»

Sexistische Sprüche eines engen Präsidenten-Beraters sorgen für Schlagzeilen. Kein Einzelfall, sagt SRF-Korrespondentin Karin Wenger. Die Frauenverachtung auf den Philippinen habe System.

Porträtaufnahme von Wenger.
Legende: Karin Wenger berichtet seit 2016 für Radio SRF aus Südostasien. SRF

Öbszöne Witze und sexuelle Anspielungen des höchsten Rechtsberaters von Präsident Rodrigo Duterte haben auf den Philippinen eine heftige Kontroverse ausgelöst. Salvador Panelo vergriff sich in einem Interview mit SRF-Korrespondentin Karin Wenger im Ton und spielt die Sache in den philippinischen Medien nun herunter.

SRF News: Karin Wenger, haben die Philippinen ein besonders virulentes Sexismus-Problem?

Karin Wenger: Eigentlich genau das Gegenteil: Die Philippinen sind führend, wenn es um Gleichberechtigung geht. Das sagen zumindest Ländervergleiche von Frauen auf Chefposten. Tatsache aber ist: Seit Duterte an der Macht ist, werden Frauen mit Füssen getreten, aber nicht nur sie.

Es geht nicht nur um eine Verachtung von Frauen, sondern von Menschen und Menschenleben.
Panelo mit rosa Spiegelbrille beim Interview mit SRF.
Legende: Von hoher Stelle vorgelebte Frauenverachtung: Salvador Panelo. SRF/Karin Wenger

Mein Interview mit Panelo drehte sich vor allem um den Drogenkrieg. Ich wollte wissen, wie er es als wichtigster juristischer Berater des Präsidenten rechtfertigen könne, dass diesem Krieg im letzten Jahr Tausende von meist armen Menschen zum Opfer gefallen seien. Er entgegnete mehr oder weniger, die Armen seien ja selbst schuld, wenn sie Drogen nähmen. Von der Polizei erhielt ich die Zahl der Drogenkriegs-Opfer: Mehr als 4000. Panelo meinte dazu, die Zahl sei übertrieben. Es geht also nicht nur um eine Verachtung von Frauen, sondern von Menschen und Menschenleben.

Auch Duterte hat bei öffentlichen Auftritten mit seiner sexuellen Potenz geprahlt. Die Staatsspitze lebt also Sexismus vor?

Absolut: Duterte hat auch schon öffentlich Vergewaltigungswitze gemacht. Zudem geht seine Regierung extrem hart gegen starke Frauen vor. Leila de Lima etwa, eine Politikerin, Menschenrechtsaktivistin und Duterte-Kritikerin, wurde unter sehr zwielichtigen Umständen ins Gefängnis gesperrt. Gegen die Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs, Maria Lourdes Sereno, und gegen die Ombudsfrau, Conchita Carpio-Morales, laufen Amtsenthebungsverfahren.

Wir haben es hier tatsächlich mit einer von oberster Stelle vorgelebten Frauenverachtung zu tun.

Auch am Stuhl der Vizepräsidentin wird gesägt: Duterte hat klar gemacht, dass er lieber den Sohn des ehemaligen Diktators als Vizepräsidenten hätte. Andere Frauen, die wichtige Positionen haben und kritisch gegenüber der Regierung sind, werden in den sozialen Medien regelmässig fertig gemacht. Wir haben es hier tatsächlich mit einer von oberster Stelle vorgelebten Frauenverachtung zu tun.

Jeder, der kritisch ist, wird fertig gemacht – insbesondere Frauen.

Bei den erwähnten Fällen geht es nicht nur darum, dass es sich um Regimekritikerinnen handelt?

Es geht nur darum, dass es Frauen sind. Und diese Haltung breitet sich aus. EU-Vertretern, die das philippinische Regime kritisiert hatten, warf der Kommunikationssekretär Dutertes gestern vor, sie seien sexbesessen. Jeder, der kritisch ist, wird fertig gemacht – insbesondere Frauen. Und wenn sie Frauen mit den Füssen treten, werden sie das auch mit anderen tun. Panelo sagte mir im Interview ganz offen: Er glaube, das Land brauche eine Diktatur, einen Diktator mit absoluter Macht. Man kann sich also vorstellen, wohin die Philippinen abgleiten.

Das Gespräch führte Andrea Christen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Sehr einseitiger Bericht über Duterte - vielmehr ist wahr , dass Duterte vielen Filipinas die in Saudi Arabien versklavt wurden, die kostenlose Heimkehr ermöglicht hat und nicht jedes Wort von ihm als Freuen -verachtend gedeutet werden darf. Wer die Sitten dieses Landes kennt, der weiss , dass die Männer dort noch in Machostrukturen verankert sind wie bei uns in CH noch bis 1970 - wo die Frauen noch oft sogar verprügelt wurden -also den Ball bitte flach halten bevor man andere Leute tadelt .
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  • Kommentar von Fabio Krauss (FabioK)
    Ich kann mir beim besten Willen NICHT vorstellen, dass es KEINEN Konsens darüber gibt, dass Frauenverachtung und Sexismus ein Problem sind, dass es zu beseitigen gilt. Ich habe jedoch den Eindruck, dass manchen (sic!) Frauen in gewissen (sic!) Situationen die nötige „dicke Haut“ fehlt. Zum Artikel: Meist geht es wohl darum, dass diese Frauen eine unerwünschte politische Position haben und nicht per se darum, dass es sich um Frauen handelt. Nicht alles dreht sich um das Geschlecht - auch hier!
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    1. Antwort von Melanie Araujo (Melania)
      Es gibt Menschen mit dünner Haut. Die haben dafür andere Stärken (nicht nur Frauen). Sie haben sicher Recht damit, dass es darum geht, die Posten anderweitig zu vergeben. Die Art und Weise, wie diese Menschen über den Drogenkrieg und über Frauen reden, zeigt, was in dem Land vor sich geht betreff Drogen und Menschenhandel.
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    2. Antwort von Melanie Araujo (Melania)
      Sie verdienen Geld mit Menschen, d.h.: Mensch = Ware. Übrigens wie auch der Rest der Welt. Das ist ein sehr grosses globales Problem. Da sind die Phillippinen nicht allein und die Bösen per se, da spielen viele andere auch mit. Eine Diktatur ist doch das beste Mittel, um absolut korrupt in den 3 am meisten Geld generierenden Wirtschaftszweigen möglichst optimal zu operieren. Drogen-, Menschen-, und Waffenhandel.
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