Sicherheitsbeamte im Vatikan als Priester verkleidet?

Italien wappnet sich gegen den Terror. Die Polizei-Präsenz im Vatikan ist verstärkt und in jüdischen ‹Hot Spots› der Hauptstadt ein Fahrverbot verhängt worden. Ungeachtet dessen betonen die Behörden, dass es im Hinblick auf mögliche Anschläge keine konkreten Verdachtsmomente gibt.

Eine Menschenmenge hat sich auf dem Petersplatz versammelt.

Bildlegende: Vatikan Der Petersdom bedarf besonderen Schutzes. Keystone

Nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» und den koscheren Supermarkt in Frankreich sind auch im benachbarten Italien die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. Dies zeigt sich am Hauptbahnhof Termini, am Flughafen Fiumicino und vor allem auf dem Areal rund um den Vatikan, wo jetzt – uniformiert, aber auch in zivil – sichtlich mehr Polizisten verkehren. Was die offensichtliche oder verdeckte Polizeipräsenz in der ewigen Stadt betrifft, kursiert ebenda auch ein Gerücht: Einige Sicherheitsbeamten würden sich, um den Vatikan zu sichern, gar als Priester verkleiden.

Ein italienischer Polizist auf Streife im jüdischen Viertel.

Bildlegende: Römisches Ghetto Ein Carabiniere patrouilliert im jüdischen Viertel. Keystone

Fahrverbot im jüdischen Viertel

Im jüdischen Viertel herrscht neuerdings Fahrverbot, was zu einer gewissen Anspannung führt. Konkret muss um die Synagoge, das Museum und die jüdische Schule auf das Auto verzichtet werden.

Politische Konsequenzen im praktischen Sinn haben die Pariser Anschläge gemäss SRF-Korrespondent Zahn bis dato keine gezeitigt. Das Gegenteil scheint der Fall: Wiewohl die italienischen Behörden die Sicherheitsbemühungen intensiviert haben, betonen sie doch in der Öffentlichkeit, «dass es in Italien keine konkreten Verdachtsmomente gibt.»

Lega Nord versucht, aus der Affäre Kapital zu schlagen

Einfluss auf die nationale Politik haben die islamistischen Angriffe in Paris bis anhin nur bedingt. Die Parteien würden dem Vorgehen von Polizei und Staatsschutz bis jetzt den Rücken stärken. «Nur die Lega Nord versucht aus den Anschlägen politisches Kapital zu schlagen und fordert ein härteres Vorgehen gegen Flüchtlinge, mehr Abschiebungen und dichtere Grenzen.»

Dass die Bekämpfung des Terrors grundsätzlich auf verschiedenen Ebenen ansetzen kann, zeigt sich in den Bestrebungen des Innenministers Angelino Alfano einerseits und des Justizministers Andrea Orlando andererseits. Ersterer will den Terror mit einem «besseren Austausch der Ermittlungsdaten der europäischen Geheimdienste und Polizeibehörden» bekämpfen. Letzterer ist um die Einrichtung einer «speziellen Staatsanwaltschaft gegen Terrorismus» bestrebt, die nach dem Muster der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft nicht gegen das organisierte Verbrechen, sondern namentlich gegen den Terror vorgeht.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Massnahmen gegen den Dschihad

    Aus 10vor10 vom 9.1.2015

    Die Überwachung von potentiellen Terroristen und deren Reisen ist zentral bei der Terror-Bekämpfung. Nicht nur Frankreich hat deshalb seine Anti-Terror-Massnahmen verschärft – ganz Europa versucht die Situation mit neuen Gesetzen in den Griff zu bekommen. «10vor10» zeigt, wie die Schweiz und andere Länder vorgehen.