Präsidentenwahl in Serbien Sieg von Pro-EU-Regierungschef Vucic

Serbien hat gewählt – und schon nach dem ersten Wahlgang steht der klare Sieger fest: Der jetzige Regierungschef Aleksandar Vucic erreichte 55 Prozent der Stimmen und wird neuer Präsident des Landes.

Video «Sieg für Aleksandar Vucic» abspielen

Sieg für Aleksandar Vucic

1:29 min, aus Tagesschau vom 3.4.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic hat die Wahl zum Staatspräsidenten klar gewonnen.
  • Der 47-Jährige erreichte 55 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission mitteilte.
  • Damit ist dem EU-freundlichen Vucic schon nach der ersten Runde das Präsidentenamt sicher.

Der Präsident hat in Serbien zwar überwiegend zeremonielle Aufgaben. Doch es wird erwartet, dass Vucic einen Vertrauten zu seinem Nachfolger ernennt und sich so die Macht auch als Staatsoberhaupt sichert. Er will das Balkan-Land in die EU führen, was angesichts der traditionell engen Verbindungen zu Russland einem Balance-Akt gleichkommt.

Einschätzungen Georg Häsler, SRF-Korrespondent Belgrad

«Aleksandar Vucic ist im ersten Wahlgang durchmarschiert – und zieht in den Präsidentenpalast ein. Dies dank einer zerstrittenen Opposition, gleichgeschalteten Medien – und dem Support aus Brüssel und Berlin. Heute gibt sich Aleksandar Vucic bescheiden. Doch die demokratischen Verhältnisse des EU-Beitrittskandidaten Serbien verdienen ebensoviel Aufmerksamkeit wie die Stabilität auf dem Balkan.»

Die Opposition kritisierte bereits im Vorfeld des Votums die sich anbahnende Machtfülle Vucics. Seine Gegner werfen ihm einen Hang zum autoritären Führungsstil vor. Ende der 1990er-Jahre war er als serbischer Informationsminister gefürchtet, der Kritik an der Regierung während des Kosovo-Kriegs im Keim zu ersticken versuchte. Seinen Anhängern gilt Vucic heute dagegen als ein kühler Kopf, der in einer politisch instabilen Region Kurs hält.

Zersplitterte Opposition

Vucic setzte sich gegen zwei Rivalen durch, die schon in den Umfragen weit abgeschlagen waren. Der ehemalige Menschenrechts-Ombudsmann des Landes, Sasa Jankovic, kam auf rund 16 Prozent der Stimmen. Die anderen Bewerber blieben bei der Abstimmung vom Sonntag im einstelligen Bereich. Neben Vucic bewarben sich insgesamt zehn Kandidaten der völlig zersplitterten Opposition um das fünfjährige Mandat.

Die Wahlbeteiligung lag laut dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos bei rund 50 Prozent – und damit etwas niedriger als bei der Präsidentenwahl 2012. Zur Wahl aufgerufen waren zusammen mit den im Ausland lebenden Serben etwa sieben Millionen Stimmberechtigte.

Video «Georg Häsler über die Unterstützung für Vucic» abspielen

Georg Häsler über die Unterstützung für Vucic

2:06 min, aus Tagesschau am Mittag vom 3.4.2017