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International Silicon Valley will Lebensmittelbranche aufmischen

Im Silicon Valley in Kalifornien wird neuerdings auch an Lebensmitteln getüftelt. Startup-Firmen wollen die Branche aufmischen und die grossen Probleme derselbigen angehen: den grossen Energieverbrauch und die hohen Kosten der Lebensmittelherstellung. Die Idee dahinter ist einfach.

Kartons voller Eier
Legende: Eier seien infeffizient, sagen Startup-Firmen in den USA und wollen die Lebensmittelbranche umkrempeln. Keystone

Ein grosser, offener Raum in einem ehemaligen Industriegebäude: Vorne arbeiten zwölf Menschen an Laptops um einen viereckigen Tisch. Hinten tüfteln und experimentieren Chemiker und Köche. Es duftet nach Biscuit-Teig. Dan Zigmond, Chef Data der Firma Hampton Creek Foods, erklärt: «Hier entnehmen wir Pflanzen aus aller Welt Eiweiss und untersuchen es.»

Niemand will eine Legehenne essen.
Autor: Dan ZigmondChef Data der Firma Hampton Creek Foods

Hampton Creek Foods sucht nach pflanzlichen Alternativen für Eier und stellt daraus Mayonnaise und Biscuits her. Erste Erfolge verzeichnet die vor knapp drei Jahren gegründete Firma bereits: Ihre Mayonnaise steht in den Regalen der grossen Supermarktketten Walmart und Safeway. Statt Ei enthält sie gelbe kanadische Erbsen.

Pflanzliche Alternativen

Eier seien ein dankbares Beispiel, sagt Zigmond. Sie seien eine sehr ineffiziente Quelle von Eiweiss. «Die grössten Kosten sind die Ernährung des Huhns. Aber niemand will eine Legehenne essen. Fast jede pflanzliche Alternative, die wir ausfindig machen, ist deshalb billiger und nachhaltiger, braucht weniger Wasser und ist weniger CO2-intensiv.»

Ziel: Lebensmittelherstellung revolutionieren

Hampton Creek ist eine von vielen Startup-Firmen im Silicon Valley, die in letzter Zeit im Lebensmittelsektor tätig wurden: Andere Beispiele sind etwa die Fastfood-Kette Lyfe Kitchen oder die Firma Chirp, die Lebensmittel aus Insekten herstellen will. Viele tüfteln an einem künstlichen Fleischersatz.

Die Firma hat ein grosses Ziel: Die Lebensmittelherstellung von Grund auf neu zu erfinden. «Gesund und nachhaltig zu essen ist teuer und manchmal wenig schmackhaft. Das wollen wir ändern. Wir wollen Alternativen finden, die billiger und gesünder sind, besser schmecken und auch besser für den Planeten sind», sagt Zigmond.

Datenbank der Pflanzen

Dazu will Hampton Creek eine Datenbank aller pflanzlichen Eiweisse der Welt erschaffen. Das ist Dan Zigmonds Aufgabe – er war vorher Datenchef von Google Maps. «Meine Aufgabe ist es, das Pflanzenuniversum zu durchforsten. 400'000 Pflanzenarten gibt es auf der Welt. Nur zehn Prozent davon wurden danach untersucht, ob sie als Zutaten für Lebensmittel dienen könnten.»

Diese Erkenntnisse will die Firma einerseits einsetzen, um neben Biscuits und Mayonnaise weitere Lebensmittel gesünder und nachhaltiger zu machen. Hampton Creek will die Daten später auch an andere Lebensmittelfirmen verkaufen. Das Geschäftsmodell hat namhafte Risikokapitalgeber überzeugen können. Darunter den reichsten Asiaten der Welt, den Hong Konger Ka-Shing Li. Bisher hat die Firma 30 Millionen Dollar erhalten.

Branche mit sieben Milliarden Nutzern

Für Dan Zigmond machte der Wechsel von einer guten Stelle bei Google zum Startup-Unternehmen Hampton Creek Sinn. Die Wirkung sei potenziell grösser: Google habe eine Milliarde Nutzer. «Die Lebensmittelbranche hat sieben Milliarden Nutzer, denn alle Menschen essen ja. Wenn ich an meine Kinder und an die Zukunft denke, dann wird das heutige Lebensmittelsystem nicht neun oder zehn Milliarden Menschen ernähren können. Hier kann ich eine grössere Wirkung entfalten», ist Zigmond überzeugt.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt E. Müller, Zürich
    Liebe Kommentatoren, warum so negativ? Ich finde es gut, dass z.B. nach einem Ei Ersatz gesucht wird. Wer den Wahnsinn in unserer Eier Industrie kennt, weiss folgendes: 50 % der herzigen, gelben Bibis, die aus den Eiern schlüpfen, werden gleich nach der Geburt aussortiert und milliardenfach in Gaskammern erstickt oder lebendig geshreddert, auch in Bio Betrieben. Begründung: Es sind Männchen, und die legen halt keine Eier - also weg damit. Das ist traurige Tatsache.
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  • Kommentar von UdoGerschler, Frankenberg
    Reicht der Gendreck aus USA nicht ?Aber wo fettlebigkeit von Brüssel als Behinderung anerkannt wird dürfte diese Lobby um Monsato und anderen zum Zuge kommen und das ganze als grün und toll verkaufen ,statt eine gesunden Landwirtschaft zu fördern.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Weniger Wachstum heisst die Formel der Zukunft, nicht seelenlose Designer - Fresswaren .
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