Silvio und seine soziale Ader

Man erwartet es nicht anders. Er ist ein Stehaufmännchen. Wo keine Haare mehr spriessen, ist plötzlich ein Schopf auszumachen. Wo ein Gegner widerspricht, wird er mit einer Finanzspritze gefügig gemacht. Sozialdienst für Silvio Berlusconi kann also nur bedeuten: am Ende gewinnt der Cavaliere.

Porträt von Berlusconi.

Bildlegende: Ein Herz für die Bedürftigen: Silvio Berlusconi. Reuters

Sozialdienst für Silvio. Einen halben Tag pro Woche. Klingt so eine harte Strafe? Mitleid könnte man höchstens mit den armen Bedürftigen haben. Denn der ehemalige italienische Regierungschef weiss sein neues Ämtchen bereits medial in Szene zu setzen.

In seinem ersten Kommentar nach der Verurteilung verkündet Berlusconi grossmütig: «Das Gericht hat mich dazu verpflichtet, einen Teil meiner Zeit Menschen in Schwierigkeiten zu widmen: Das gefällt mir, weil ich in meinem Leben immer Menschen unterstützt habe.» Der 77-Jährige will offenbar neue Wählerschichten rekrutieren.

Zwar hält ihn das Urteil von der Europawahl Ende Mai ab. Vom Wahlkampf lässt sich der Politiker auf Lebenszeit aber nicht fernhalten. Stattdessen jammert er um Stimmen für seine Partei Forza Italia: Das Urteil gegen ihn sei «ungerecht» und basiere auf einer «nicht vorhandenen Tatsache». Und natürlich ist es politisch.