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Nordkoreas Provokation «So können sie aus einer Position der Stärke handeln»

Das Ziel sei, die USA an den Verhandlungstisch zu bringen, sagt Journalist Martin Fritz zu Nordkoreas Atomwaffentest.

Martin Fritz
Legende: Martin Fritz arbeitete für die ARD in Tokio. Als freier Journalist berichtet er auch über Nord- und Südkorea. SRF

Der jüngste Atomtest Nordkoreas löst überall grosses Unbehagen aus. Das lässt sich auch aus den Reaktionen ableiten, die weltweit zu vernehmen sind. Nordkorea behauptet, man verfüge nun über Wasserstoffbomben, die man auch auf nordkoreanische Langstreckenraketen montieren könne.

SRF News: Was bedeutet das?

Martin Fritz: Damit ist das Raketenprogramm von Nordkorea komplett. Alle Karten liegen auf dem Tisch und das Signal ist: Wir sind eine Atommacht, das kann uns auch niemand mehr nehmen. Und auf dieser Grundlage – und nur auf dieser Grundlage – wollen wir die Beziehungen zu den USA verbessern.

Sie sehen am Verhalten der USA, dass man Nordkorea immer noch nicht so richtig ernst nimmt als Bedrohung.
Autor: Martin FritzFreier Journalist

Sie sagen also: Nordkorea will im Grunde nichts Anderes als gute Beziehungen zu den USA?

Das ist das ultimative Ziel dieser Politik. Seit Jahrzehnten wird darüber geredet, einen Friedensvertrag, ein formales Ende des Koreakrieges zu besiegeln. Dafür müssen sich die USA und Nordkorea an einen Tisch setzen. Das wollen die Kim-Herrscher in Pjöngjang erreichen. Aber vorher haben sie sich jetzt mit dieser atomaren Abschreckung unangreifbar gemacht. So können sie aus einer Position der Stärke heraus handeln.

Faktisch herrscht immer noch Krieg

Die geteilte koreanische Halbinsel befindet sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da seit dem Korea-Krieg (1950-1953) noch immer kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Pjöngjang hatte lange Zeit angekündigt, sein Atomprogramm aufzugeben, wenn es zu einem Friedensvertrag mit den USA käme. Die USA hatten
im Korea-Krieg an der Seite Südkoreas gegen Nordkorea gekämpft. Nordkorea wurde damals von Moskau unterstützt. Der Krieg hatte bis zu 3,5 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Wäre es aber nicht einfacher, auf diplomatischer Ebene eine gute Stimmung zu schaffen?

Sie sehen am Verhalten der USA, dass man Nordkorea immer noch nicht so richtig ernst nimmt als Bedrohung. Erst als jetzt Nordkorea seine Fähigkeit gezeigt hat mit einer Interkontinental-Rakete auch US-Territorium zu erreichen, sind die Amerikaner aufgewacht. Zuvor wurden ja schon Südkorea und Japan durch Mittelstreckenraketen und Atombomben bedroht. Das hat Washington nicht aus der Ruhe gebracht. Erst die Tatsache, dass diese Raketen jetzt so weit fliegen können, hat sie alarmiert. Und das ist ja, was Nordkorea erreichen will: Dass sich die USA endlich bewegen.

Sie sagen also, je mehr die USA drohen, umso besser für Kim Jong Un und umso schlechter für eine diplomatische Lösung?

Ja, ich denke, dass dieser junge Kim ein guter Stratege und Pokerspieler ist. Im Prinzip ist sein Blatt schlecht: Sein Land ist klein, arm und seine Armee hat nur veraltete Waffen. Er hat also nur wenige gute Karten – diese Atombomben und Raketen. Aber die setzt er sehr effizient ein. Kim sieht Trump und auch Chinas Präsident Xi als Papiertiger. Und aus seiner Sicht sind seine Drohungen mit Militäreinsatz und Handelssanktionen hohle Drohungen.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Als Bedrohung muss man Kim und Nordkorea sehr ernst nehmen, aber an einen Tisch zum Verhandeln sollte man nun nicht mal mehr im Traum denken. Das ist nun endgültig vorbei.
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  • Kommentar von u. Felber (Keule)
    Sollte die USA mit NK an einen Tisch sitzen und dieses Verbrecher Regime stützen, ist auch die USA bei mir unten durch. Kim muss erst weg, eine moderate Parteiführung muss her a la china. Dann kann man das verhandeln reaktivieren. Vorher gibt's nur eins, totale Sanktion und Isolation!
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Da gibt es keinen Raum mehr fuer Verhandlungen. Da gibt es nicht mal eine Hoffnung mit Verhandlungen diese Bedrohungslage in den Griff zu bekommen.
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  • Kommentar von Steve Rasmussen (rast)
    Interessanter Ansatz. Interessant ist, wie der Herr Fritz, in Übereinstimmung mit seinen eigenen Aussagen die schon länger zurückliegen, entschieden Partei für die Nordkoreaner bezieht. Wieviel Sympathie Kim Jong Un aus seiner Sicht verdient sollte er vielleicht konkret klarstellen, denn so wie es klingt ist ihm einfach alles lieber als die USA. Ganz zeitgenössisch halt. Da kann man noch so ein grausamer Diktator sein, und wie grausam der Typ wirklich ist, wissen wir ja noch nicht einmal...
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    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Ja und Millionen von Toten, von Korea über Vietnam bis nach Irak hindert Sie auch nicht daran, die USA zu mögen. Da bin ich doch auch eher für einen Friedensvertrag.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Buchmann, da braucht es keinen Friedensvertrag mehr. Nordkorea muss wie die DDR aufgelöst werden, die Chinesen muessen hinter den Yalu-Fluss zurück und den Mund halten. Die Zeit und die Geduld ist nun abgelaufen. Peking sitzt da mit Kim im selben Boot. Sie riskierten mit Kim zu viel, viel zu viel, und müssen sich nun sehr schnell zurückziehen.
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    3. Antwort von Steve Rasmussen (rast)
      Herr Buchmann, wenn Sie die Millionen Opfer von Saddam Hussein den USA anrechnen, oder die Korea- und Vietnamkriege auf Mordkampagnen der USA reduzieren wollen, dann bitte. Ich sehe die Dinge nicht so schwarz und weiss, und das ist es was mir erlaubt, die USA zu mögen. Die USA haben Macht und sind berechenbar, und seit 100 Jahren der Motor unserer Zivilisation, und Ich würde sagen Verbündete. NK hat keine Macht und ist unberechenbar. Man stelle sich nur vor, NK hätte Macht...
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    4. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Haller, da ist aber trotzdem ein grosser Unterschied. In der DDR warm es das Volk selbst, welches den Staat mit friedlichen Revolutionen zum Erliegen gebracht hat. In Nordkorea ist das unter dem Druck des Militärs nicht möglich. Das kann nur von aussen geschehen. Aber wer will das und kann das tun?
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