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Besuch von Van der Bellen So unterscheiden sich die Österreicher von den Schweizern

Wir sind uns ähnlich – aber doch nicht gleich. Ein Österreicher, der seit 50 Jahren in der Schweiz lebt, sieht vier grosse Unterschiede.

Legende: Audio Ein österreichischer Blick auf die Schweiz abspielen. Laufzeit 04:49 Minuten.
04:49 min, aus SRF 4 News aktuell vom 16.02.2017.

Am Dienstag ist Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen zu Besuch in der Schweiz. Kaum ein Land hat mit der Schweiz so viel gemeinsam wie Österreich: Wir sprechen (fast) die gleiche Sprache, fahren die gleichen Ski auf dem gleichen Gebirge und haben sogar eine ähnlich grosse Bevölkerungszahl wie unsere östlichen Nachbarn.

Und dennoch gibt es Punkte, in denen sich die Bevölkerung der beiden Länder voneinander unterscheidet. Einer, der sich damit auskennt, ist Friedrich Hinterberger. Der gebürtige Österreicher lebt seit 50 Jahren in der Schweiz.

  • 1. Monarchie

    Ein schwarzweisses Bild aus dem Film Sissi. Zu sehen sind Sissi und Kaiser Franz Joseph.
    Legende: Der Film Sissi machte die österreichische Monarchie weltberühmt. Keystone

    «Die monarchistische Zeit steckt vielen Österreichern noch immer in den Gliedern, auch wenn das Ganze jetzt schon 100 Jahre her ist», sagt Hinterberger. In Städten wie Wien sei die Monarchie heute noch immer auf Schritt und Tritt präsent und funktioniere gut als Marketingelement.

  • 2. Mentalität

    Zwei Sicherheitsmänner stehen am Wiener Bahnhof
    Legende: In Sachen Pünktlichkeit haben die Österreicher Nachholbedarf – dafür sollen sie lockerer als die Schweizer sein. Reuters

    «Der Österreicher hat eine gewisse Leichtigkeit», sagt Hinterberger. Das sei in der Schweiz eher selten. Nachholbedarf gebe es bei unseren östlichen Nachbarn dafür in Sachen Genauigkeit und Pünktlichkeit. Hinterberger: «Da müssten wir Österreicher noch was dazulernen, wenn wir gleichziehen wollten.»

  • 3. Kultur

    Tänzer am Wiener Opernball
    Legende: Der Wiener Opernball Keystone

    «Das kulturelle Angebot in Wien ist enorm», sagt Hinterberger. Ein solches gebe es zwar auch in der Schweiz, hier sei die Bevölkerung aber weniger stark involviert. Zudem falle ihm auf, dass in Österreich mehr junge Leute an kulturellen Anlässen anzutreffen seien. Das habe auch mit den Kosten zu tun. Hinterberger: «Man kann in Wien für ganz wenig Geld ins Theater gehen. In Zürich muss man dafür schon ein bisschen in die Tasche greifen.»

  • 4. Umgangsformen

    Ein Gemälde von 1840 zeigt ein junges Paar in östereichischer Tracht
    Legende: Junges Paar in Tracht von Adam Brenner, 1840. Wikipedia

    «In Österreich kommt man leicht mit Fremden ins Gespräch. Man redet, man lacht, man unterhält sich», sagt Hinterberger. Die Schweizer dagegen sind laut Hinterberger eher zurückhaltend. «Vor allem wenn man merkt: Das ist keiner von uns», sagt er. Bei den Umgangsformen gibt es laut Hinterberger aber auch eine grosse Gemeinsamkeit. «Man ist hier wie dort sehr höflich und hilfsbereit.»

Friedrich Hinterberger

Friedrich Hinterberger

Der Ingenieur Friedrich Hinterberger ist Mitglied der Vereinigung Österreicher in der Schweiz und lebt seit 50 Jahren in der Schweiz.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Die Oestereicher haben eine gewisse Leichtigkeit. Das haben wir in der Schweiz auch. Z.B. in der Romandie, und bevor die verknorzten Deutschweizer das Tessin überrannten war das auch im Tessin so. In den 60ziger Jahren als ich im Tessin wohnte, sprach man in Lugano noch ital. In der Innovazione sprach nur der Chef deutsch, und als ich vor einigen Jahren in der EPA war wähnte ich mich in Bern. Nun wohne ich seit 22 Jahre im Berner Jura, Amtssprache franz. und auch da ist alles viel leichter.
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  • Kommentar von HP Korn (HaPeChe)
    Leider wieder mal Klischees: Die Monarchie in AT steckt bestenfalls noch 99+ Leuten in den Gliedern ... die Pünktlichkeit der öV in AT entspricht aus meiner Erfahrung der letzten Jahre jener in CH ... Billets für "Top"-Kultur (Oper, Burg, Musikverein etc) sind recht teuer - wenn überhaupt erhältlich, Kleintheater u.ä aber wie in DE wirklich günstig (aus CH-Sicht) ... und in CH kommt man wie in AT mit Fremden rasch ins Gespräch - wenn man will. Nur Jassen geht in AT nicht, dafür Schnapsen.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Man ist hier wie dort sehr höflich!? Aus Deutschland in Basel ankommend, wartete ich auf den ICN nach Biel. Gehbehindert mit 2 Krücken und einem Rollkoffer hielt der einfahrende Zug direkt mit der Türe vor mir. Nun ist der ICN nicht gerade ein Behinderten gerechter Zug zum einsteigen. Ich nahm gerade den Koffer und wollte einsteigen, da drängten 4 Herren mittleren alters an mir vorbei und stiegen in den Zug, von helfen keine spur. Das ist mir in Wien aber auch in D nie passiert.
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