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International Späte Genugtuung für die Opfer der «Operation Condor»

Sie liessen Oppositionelle während der südamerikanischen Militärdiktaturen verfolgen und ermorden. Nun hat ein Gericht in Buenos Aires gegen 15 ehemalige Militärs mehrjährige Haftstrafen ausgesprochen. Das Urteil stellt erstmals die kriminelle grenzübergreifende Zusammenarbeit mehrerer Juntas fest.

Legende: Video «Urteile zu Operation Condor» abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.05.2016.

Die grenzübergreifende Zusammenarbeit mehrerer südamerikanischer Militärdiktaturen in den 1970er- und 1980er-Jahren trug den klingenden Namen «Operation Condor». Dahinter verbarg sich die gezielte Verfolgung und Ermordung von linksgerichteten Oppositionellen. Dies taten die mittlerweile abgelösten Militärjuntas in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay vor dem Hintergrund des Kalten Krieges mit Billigung der US-Regierung.

Mehrere Angeklagte im Prozess zur Operation Condor. (2013)
Legende: Unter den ursprünglich 25 Angeklagten befand sich auch der argentinische Ex-Diktatro Jorge Videla (rechts). Reuters / Archiv

Ein Berufungsgericht in Buenos Aires hat nun 15 ehemalige argentinische Militärs zur Verantwortung gezogen. Es befand unter anderen den ehemaligen Militärpräsidenten Reynaldo Bignone (1982-83) für schuldig, massgebend für mehr als hundert Morde mitverantwortlich zu sein. Bignone wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der mittlerweile 88-Jährige verbüsst wegen der Verschleppung von Babys politischer Häftlinge bereits eine 15-jährige Haftstrafe.

In dem im Februar 2013 eröffneten Prozess waren insgesamt 25 Menschen wegen der Verfolgung und Ermordung von mehr als hundert linksgerichteten Oppositionellen angeklagt. Mittlerweile sind nur noch 17 von ihnen am Leben. Der einzige Nicht-Argentinier unter den Angeklagten, der frühere uruguayische Armeeoffizier Manuel Cordero, muss 25 Jahre in Haft.

Zuschauer applaudieren

Als die Urteile von Richter Oscar Almirante in Abwesenheit der Angeklagten verlesen wurden, applaudierten viele Zuschauer. Opfer und Angehörige hatten dem ersten Prozess, der sich mit der «Operation Condor» befasste, beigewohnt.

Lidia Cabrera de Franco aus Paraguay, die 1977 mit ihrem Mann und zwei kleinen Töchtern in Argentinien verschleppt worden war, sagte aus, dass sie gemeinsam mit drei Argentiniern und zwei Uruguayern festgehalten wurde. Während sie nach elf Monaten freikam, habe sie ihre Mithäftlinge nie wieder gesehen, erzählte die heute 67-Jährige vor Gericht. Sie habe gehört, wie ein Polizist gesagt habe, dass die anderen aus einem Flugzeug geworfen worden seien.

Die Opfer der Verurteilten waren Uruguayer, Chilenen, Paraguayer, Bolivianer, und Argentinier, die in Zusammenarbeit der damaligen Diktaturen in Südamerika verschleppt, gefoltert und ermordet wurden.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Es gab glaubwürdige Berichte aus jener Zeit, dass Opositionelle in Flugzeuge verladen, unter Drogen gesetzt, und dann nackt über dem Pazifik abgeworfen wurden. Soll man darauf verzichten, das aufzuarbeiten? Und sich etwa Russland anschliessen? Die Verbrechen in den dortigen Gulags wurden ja auch nie aufgearbeitet, und werden es wohl auf lange Zeit nicht. Ein furchtbares Thema!
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die Operation Condor war ein weit verzweigtes System von rechten Militärs und ihren Unterstützern. Den USA und FR kam die noble Aufgabe zu, Schlüsselfiguren fit für den Kampf bzw. für das Töten und Foltern von Opposotionellen zu machen. Dazu wurden externe und interne Einrichtungen benutzt. Es war Teil des Kalten Krieges, bei der betroffene Menschen wieder einmal Schachfiguren waren (Syrien?).Die Aufarbeitung ist erst am Anfang. Und so lange exponierte Personen am Leben sind, wird gemauert.
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  • Kommentar von Andra Borlo (Andra Borlo)
    Bezeichnend ist, dass die regierungsnahen Medien gar nicht oder nur ganz am Rande über dieses historische Urteil berichtet haben. Die grösste Tageszeitung, "Clarin", platzierte einen winzigen Kasten ganz unten auf der 20-sten Seite. Das Widerspiegelt den Platz, den die Aufarbeitung der Militärdiktatur bei der neuen Regierung einnimmt. Diese hatte bezeichnenderweise ausgerechnet am 24. August US-Präsident Obama nach Argentinien eingeladen, am 40-Jahrestag der Machtübernahme durch das Militär.
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