Spaniens Wissenschaft in der Krise

Als Spaniens Wirtschaft in Turbulenzen geriet, reagierte die Regierung mit Budgetkürzungen. Darunter leiden heute vor allem die Forscherinnen und Forscher. Viele suchen eine Karriere im Ausland.

Mario Bottas Prestigebau ist weiss, kantig und wirkt futuristisch. Der Bau ragt in den Nachthimmel.

Bildlegende: Das Museum der Wissenschaften (rechts) in Valencia steht im Kontrast zur Krise in der spanischen Forschung. Keystone

«Die letzten Jahre waren schlimm», klagt Pablo Giménez Gómez vom Verband der jungen Forscher. «Nationale Forschungsprojekte wurden gestoppt, Ausschreibungen fielen aus oder wurden lange verzögert, nur etwa zehn Prozent der offenen Stellen wurden wieder besetzt.» Dieses Jahr seien es zwar mehr, aber immer noch viel zu wenige, weil das Forschungsbudget immer noch viel zu mager sei – deutlich unter dem internationalen Durchschnitt.

Verheerend sei das, sagt auch Lucía Díaz Marroquín, die Präsidentin der Nationalen Forscher-Vereinigung Ramón y Cajal – ein Verband der Elite des Landes. Forschung brauche Planungssicherheit. «Wir sind nicht die Modebranche, die sich immer auf die nächste Saison konzentriert», spottet Díaz Marroquín. Forschung erstrecke sich über mehrere Jahre und müsse planbar sein.

«  Wir sind nicht die Modebranche, die sich immer auf die nächste Saison konzentriert. »

Lucía Díaz Marroquín
Präsidentin der Nationalen Forscher-Vereinigung Ramón y Cajal

Spanien hat in den Jahrzehnten seit der Franco-Diktatur viel in Schulen investiert, aber zu wenig in Forschung. Erst in den letzten Jahren vor der Krise sind diese Budgets gewachsen. Aber der Aufschwung war kurz. Lucía Diaz Marroquín sagt, Spanien gehöre im Bereich Forschung noch nicht zur internationalen Spitze. «Spanien ist unterwegs, aber es fehlt noch vieles.»

Es gebe zwar einzelne sehr gute Forscher, aber am erfolgreichsten seien diese, wenn sie an einer ausländischen Universität arbeiteten. Zurück in Spanien, fingen die Probleme mit Geldmangel und bürokratischen Strukturen wieder an. Und bei den Forschungswettbewerben der EU schneide Spanien immer schlechter ab als andere grosse Länder. Das ist ein Defizit, das Spanien auch wirtschaftlich schwächt. Denn Forschung sorgt für Entwicklung und Innovation und damit für Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten.

Die Krise, sagt Pablo Giménez, habe die Forschung selbst dort getroffen, wo sie bereits internationales Renommée hatte. «Das Forschungszentrum Principe Felipe in Valencia hatte 260 Angestellte», sagt Giménez. «Die Regionalregierung wollte sich das nicht mehr leisten und halbierte die Zahl der Projekte, etwa im Bereich Krebs- und Zellforschung. Das Personal wurde auf weniger als die Hälfte reduziert.»

Die Wirtschaft braucht die Wissenschaft

Diesen Rückstand wieder aufzuholen, wird lange dauern. Wer Spanien nach den Wahlen regiert und wer die Wirtschaft stärken will, muss das Thema Forschung ernst nehmen. Lucía Díaz Marroquín warnt die Politik: «Wir brauchen bessere Bedinungungen!»

«Wenn man uns aus dem Ausland zurückruft, wollen wir hier nicht unter prekären Verhältnissen arbeiten und nur von den Krümeln leben, die vom Tisch fallen.» Sonst werden noch mehr gehen oder nicht aus dem Ausland zurückkehren. Diesen letzten Satz spricht sie nicht aus, hörbar ist er dennoch.