Spanier demonstrieren gegen Monarchie

Nach der überraschenden Abdankung von König Juan Carlos sind in zahlreichen Städten Spaniens die Leute auf die Strasse gegangen. Sie fordern eine Abstimmung über den Fortbestand des Königshauses.

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«Morgen ist Spanien eine Republik»

1:00 min, aus Tagesschau am Mittag vom 3.6.2014

Der König ist tot, lang lebe der König? Nicht alle Spanier denken so. Viele haben genug von den Korruptionsskandalen und Fehltritten ihrer Königsfamilie. Nach der Abdankung von Juan Carlos haben sie in zahlreichen Städten des Landes gegen die Monarchie demonstriert. Sie fordern eine Volksabstimmung über den Fortbestand des Königshauses.

Allein in Madrid gingen nach Angaben der Polizei rund 20'000 Demonstranten unter dem Motto «Monarchie, nein Danke!» auf die Strasse. In Barcelona waren es etwa 5000. Die Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie «Borbones, a las elecciones» (Borbonen, zu den Wahlen) oder «España mañana será republicana» (Spanien wird morgen eine Republik sein).

Aufrufe im Internet

Monarchiegegner hatten über soziale Netzwerke im Internet zu Demonstrationen in rund 50 Städten aufgerufen. Die Vereinte Linke sowie mehrere Parteien in Katalonien und im Baskenland verlangten ein Referendum über die Monarchie. Proteste gab es auch im Ausland, etwa in Berlin und Mexiko-Stadt.

Für den Rücktritt eines Monarchen gibt es in Spanien noch keine Rechtsgrundlage. Das Kabinett kommt daher heute zu einer Sondersitzung zusammen, um die Gesetze vorzubereiten, damit der 46-jährige Kronprinz Felipe die Nachfolge seines Vaters antreten kann.

Linke Parteien fordern Abschaffung

Der 76-jährige Juan Carlos hatte am Montag nach fast 40 Jahren auf dem Thron überraschend abgedankt.

Er wolle der jüngeren Generation Platz machen. Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach von persönlichen Gründen, die der König für den Schritt angeführt habe.

Auf Twitter gabs neben viel Kritik an der Monarchie auch prominente Stimmen, welche die Regentschaft Juan Carlos' positiv würdigten. So twitterte etwa Esperanza Aguirre, die ehemalige Bürgermeisterin von Madrid: «König Juan Carlos verdient es, als einer der grössten Könige Spaniens in die Geschichte zu gehen. Alle Spanier verdanken ihm eine Menge.»

Plötzlich König

Plötzlich König

Reuters

Kronprinz Felipe könnte bereits in zwei Wochen den Thron besteigen. Parlamentssprecher Jesus Posada sagte: «Ich denke, bis am 18. Juni wird alles geregelt sein, damit die Proklamation im Parlament durchgeführt werden kann.» Der 46-Jährige künftige König wird die Regentschaft als Felipe VI. übernehmen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Reizfigur Juan Carlos

    Aus Tagesschau vom 2.6.2014

    Auch wenn der spanische König in den letzten Jahren viel Beliebtheit eingebüsst hat, wird er seine Bedeutung für Spanien behalten. Denn Juan Carlos hat 1975 eine entscheidende Rolle bei Spaniens friedlichem Übergang von der Diktatur zur Demokratie gespielt.