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SPD hat Grundproblem «Die SPD, ein Fall für den Psychiater»

Die deutschen Sozialdemokraten werden nun doch mit der Union regieren. Eine Chance zur Erneuerung? Wohl eher nicht.

Legende: Audio SPD will die Grosse Koalition abspielen. Laufzeit 05:41 Minuten.
05:41 min, aus Echo der Zeit vom 04.03.2018.

Der Politologe Albrecht von Lucke, der für die «Blätter für deutsche und internationale Politik arbeitet», glaubt, dass sich die SPD mit dem Ja zur Grossen Koalition und dem Einstieg in die Regierung bloss Zeit erkauft habe.

Aber ob damit der politische Tod vermieden werden könne, sei keineswegs sicher. «Gegenwärtig steht die Frage im Raum, ob die SPD überhaupt fähig ist, als Volkspartei zu überleben.» In den anstehenden Regierungsjahren müsse sie deshalb an ihrem Profil arbeiten. Nur dann habe sie eine Chance, sich neben der Union als Volkspartei zu halten, so von Lucke.

Der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer geht noch einen Schritt weiter. Er glaubt, dass sich die SPD in der Regierung eben nicht programmatisch erneuern könne. Der Zeitgewinn bringe nichts.

Die deutsche Sozialdemokratie habe sich als Partei der arbeitenden Mitte definiert, aber diese Mitte sei längst so fragmentiert, dass sie eigentlich leer sei. «Arbeiter und untere Mittelschicht gehen heute zur AfD.» Die besser Gebildeten würde eher Links oder Grün wählen – die breite Mittelschicht immer mehr Union, so Neugebauer.

Keine langfristige Strategie

Gerhard Schröder hatte 1998 mit dem Slogan die «neue Mitte» noch fast 41 Prozent gewonnen und damit das Kanzleramt erobert. Inzwischen sind nur noch zehn Prozent der SPD Mitglieder Arbeiter, zwei Drittel männlich und 57 Prozent über 60 Jahre alt. Die SPD ist also auch nur die Partei der alten, weissen Männer, die bei den Themen Sicherheit und Kontrolle der Zuwanderung abgeholt werden wollen.

Wäre die SPD ein Mensch, wäre sie ein Fall für den Psychiater. Sie ist so unsicher, dass sie sich seit Monaten bei Parteitagen oder sogar den 460'000 Mitglieder rückversichern muss.

Mit dem Ja beim Mitgliederentscheid zur GroKo hat sich die SPD eine Atempause erkämpft, aber ob sie langfristig genügend politischen Sauerstoff kriegt, sei nicht sicher, meinen die beiden Politologen Albrecht von Lucke und Gero Neugebauer übereinstimmend.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Die breite Mittelschicht wählt die Union? Zum ersten Mal gibt es eine umfassende Analyse über das Wahlverhalten der einzelnen Altergruppen und Geschlechter; Details sowie zahlreiches Zahlenmaterial finden sich auf der Website des Bundeswahlleiters.de. Die wichtigsten „gesamtdeutschen“ Zahlen stehen auf Seite 91, länderspezifische Zahlen auf Seite 15 und 16. Demnach haben die Ü 70 vor allem die Groko mit 69,8 % gewählt.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die SPD hat sich hinter die Interessen der globalen Wirtschaft und Finanzinstitute gestellt. Vorbei ist es mit Arbeitnehmerrechten, Lohnschutz, Regulierungen usw. Die ungebremste Zuwanderung ist heute gefragt - dass dadurch die Löhne unter Druck kommen, ist ja klar. Ein weiteres Thema ist die Deregulierung von internationalen Konsortien, gebündelt in den sog. "Freihandelsverträgen" wie CETA oder TTIP.
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  • Kommentar von Peter Amthauer (Peter.A)
    Die Menschen suchen neben Sicherheit auch Vertrauen. Die SPD hat keine starken Köpfe mehr die Sicherheit ausstrahlen und schon garnicht hat die SPS Personal, dem man VERTRAUEN kann. MfG
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