«Sponsoren wollen mit Druck auf Blatter eigene Probleme lösen»

Sponsoren fordern den sofortigen Rücktritt: Ob Coca-Cola oder McDonald's. Doch Fifa-Präsident Blatter bringt auch das nicht aus der Fassung. Er bleibt hart und will weiterhin bis zur Neuwahl im Februar Fifa-Präsident bleiben. Auch Experten glauben nicht an eine Wirkung der Drohungen.

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Rücktrittsforderung - Blatter gibt nicht nach

1:44 min, aus Tagesschau vom 3.10.2015

Im Fifa-Skandal erhöhen die Sponsoren den Druck auf den Chef des Weltfussballverbandes Joseph Blatter. Die Konzerne Coca-Cola, McDonald's und Anheuser-Busch erklärten am Freitagabend in kurzer Folge, Blatter müsse sofort zurücktreten. Dem Sender SkyNews zufolge schloss sich auch Visa dem Aufruf an.

Mit jedem Tag leide der Ruf der Fifa weiter, hiess es von Coca-Cola. Zum Wohle des Sports rufe Coca-Cola Blatter daher auf, sofort zurückzutreten, so dass ein glaubwürdiger und nachhaltiger Reformprozess so früh wie möglich beginnen könne.

Reformprozess mit Glaubhaftigkeit führen

«Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben den Ruf der Fifa und das Vertrauen in ihre Führung weiter erschüttert», erklärte auch McDonald's. «Wir glauben, dass es im Interesse des Spiels wäre, wenn Fifa-Präsident Sepp Blatter sofort zurücktreten würde, so dass der Reformprozess mit der Glaubhaftigkeit geführt werden kann, die notwendig ist.»

«  Firmen wie Coca Cola und McDonald's haben selbst ein Imageproblem. »

Christian Fichter
Wirtschaftsexperte

Wirtschaftsexperte Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule in Zürich glaubt nicht, dass der Blatter auferlegte Druck Folgen haben wird. Vielmehr wirkten die Drohungen scheinheilig. «Firmen wie Coca Cola und McDonald's haben selbst ein Problem – mit ihrem Vorpreschen wollen sie ihr eigenes Image aufpeppen.»

Die unmissverständlichen Aufforderungen kamen vier Tage, nachdem Blatter an seinem Amtssitz in Zürich klargemacht hatte, nicht vor der Neuwahl am 26. Februar abzutreten. Er hatte am Montag in einer Rede vor Fifa-Mitarbeitern betont, nichts Illegales getan zu haben.

Blatter will bleiben

Und auch nach den jüngsten Mitteilungen der Fifa-Partner bekräftigte Blatter, nicht vor den Wahlen seinen Posten zu räumen. In einem Statement seiner Anwälte hiess es, dass Blatter «respektvoll» der Position von Coca-Cola widerspreche. Wenn er nun sein Büro verlassen würde, wäre das nicht zum besten Wohle der Fifa und es würde auch nicht den Reformprozess voranbringen, glaube er. Die Konsequenz: Er werde nicht zurücktreten.

Vor einer Woche hatte die Bundesanwaltschaft (BA) mitgeteilt, dass gegen Blatter «ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie – eventualiter – wegen Veruntreuung eröffnet» wurde.

Cola-Cola seit 1974 Fifa-Partner

Der Verband wird seit Monaten vom schwersten Korruptionsskandal ihrer Geschichte erschüttert. Die US- und die Schweizer Ermittler nehmen unter anderem die Vergabe der Fussball-Wettbewerbe 2018 und 2022 nach Russland und Katar ins Visier. Das beunruhigt die Turnier-Sponsoren wie McDonald's, Coca-Cola und Visa.

Coca-Cola, einer der fünf offiziellen Fifa-Sponsoren, überweist jährlich schätzungsweise rund 30 Millionen Dollar an den Weltfussballverband. Das US-Unternehmen ist seit 1974 Fifa-Partner und sponsert seit 1978 die Fussball-WM. Der jetzige Vertrag läuft laut Fifa bis 2022, wenn der Wettbewerb in Katar ausgetragen wird. McDonald's ist Hauptsponsor der WM 2018 in Russland.

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